Marktbericht 3. Quartal 2025

Marktbericht 3. Quartal 2025

Rückblick auf das 3. Quartal 2025

Ein goldenes Sommerquartal

Erneut war ein Quartal geprägt von politischen Entwicklungen. Zollängste wichen Erleichterung bis Ernüchterung über Zolldeals. Donald Trumps Angriff auf die Besetzung und Unabhängigkeit der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) sorgte für Unruhe – ebenso der drohende Shutdown im Zuge des Streits um den US-Haushalt. In Frankreich führte eine erneute Regierungskrise zu erheblichen Spannungen in dem hoch verschuldeten Euroland. Wer auf eine typische September-Korrektur gewartet hat, wurde dennoch enttäuscht: Die Kapitalmärkte zeigten sich erstaunlich resilient.

Die weltweite Geldpolitik hat sich zu einem Rückenwind für die Märkte entwickelt, da die globalen Zentralbanken in einer Phase begrenzter Inflation verstärkt auf vorsorgliche Lockerungen setzen. Ende September senkte die bislang zögerliche Fed den Leitzins wie erwartet, während die Europäische Zentralbank (EZB) eine Zinspause einlegt.

Die globale Aktienrally wurde zuletzt viel breiter getragen — mit schönen Zugewinnen in Asien, Schwellenländern, Japan und natürlich den USA. Europa und der DAX zeigten Seitwärts-Entwicklungen. Die Haupttreiber der weltweiten Kursentwicklung blieben unverändert: Tech- und KI-Unternehmen, Rüstungs- und Industriewerte sowie Finanztitel.

Gold und Silber erreichten neue Rekordstände und werden verstärkt von Zentralbanken nachgefragt. Das verleiht dem Thema Edelmetalle eine zusätzliche strategische Bedeutung. Die Schwäche des US-Dollars pausierte in den letzten Monaten, stellt im Jahr 2025 aber eine enorme Bremse für alle Euro-Anleger dar.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2025 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.

Daten per 30.09.2025 aus Sicht eines Euro-Anlegers, sofern nicht anders angegeben.

Aktien

Der Bullenmarkt geht auf Welttournee

Der Aktienmarkt zeigte sich im Sommer in prächtiger Verfassung. Die Erfolgsstorys bzw. Narrative bleiben nahezu unverändert. Vor allem Aktien mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz sind quer über den Globus die Lieblinge der Anleger. Der gigantische KI-Ausrüstungsboom zieht seine Kreise von führenden Chipherstellern über Industriewerte, die Kabel oder Kühlungen für den Bau gigantischer Rechenzentren liefern, bis hin zu früher als stinklangweilig geltenden Versorgeraktien. Diese mutieren wegen des immensen KI-Strombedarfs zu Wachstumswerten.

Einige US-Mega-Caps der „Magnificent 7“ dominierten nach einer Pause zu Beginn des Jahres die Entwicklung und zogen breite Teile der im Jahresverlauf schwachen US-Indizes nach oben. Die hohe Konzentration bei Indexgewicht, Performancebeitrag, Unternehmensgewinnen und auch Investitionen erzeugt permanent Diskussionen über die Nachhaltigkeit und Breite der Aktienrally – insbesondere vor dem Hintergrund einer sich abkühlenden US-Realwirtschaft. Der Techbereich konnte sich in den letzten drei Monaten im Schnitt etwa 13 Prozent (in USD) befestigen.

Doch ein bemerkenswerter Wandel zeigt sich: Immer mehr Märkte beteiligen sich weltweit am laufenden Bullenmarkt. USA, Japan, Asien/Schwellenländer mit oder ohne China…alles zieht an, teilweise sogar zweistellig in den vergangenen drei Monaten. In Asien bzw. den Schwellenländern sorgen Bewertungsniveaus und Reformimpulse für neue Aufmerksamkeit. Chinas Aktienmarkt meldet sich nach längerer Schwäche eindrucksvoll zurück, getragen von staatlicher Unterstützung, zurückkehrenden Kapitalzuflüssen und relativer Bewertungsgunst. Im Gegensatz dazu entwickelten sich DAX (-0,1%) und Euro Stoxx 50 (+4,6%) im dritten Quartal vergleichsweise dürftig. Ihre hohe Jahresperformance rührt vor allem aus der ersten Jahreshälfte. Nicht nur in Europa erleben kleinere Aktiengesellschaften („Small Caps“) eine Renaissance. Günstigere Bewertungen, die gesunkenen Zinsen und Wachstumsspielraum verleihen ihnen aktuell Rückenwind.

Entwicklung und relative Bewertung europäischer Nebenwerte („Small Caps“)

Grafik: Der Herzogpark ValueTrend Indikator fasst gängige Bewertungskennziffern zusammen. Der Nullwert beschreibt das historisch normale Niveau, Werte darunter stehen für eine Unterbewertung. Der STOXX Europe Small 200 Index zeigt also trotz eines guten Kursverlaufs in den letzten Jahren weiterhin eine günstige Bewertung an.

Quelle: FactSet, 10 Jahre, Stand: 6. Oktober 2025

Neben der regionalen Streuung ist die richtige Branchenauswahl auch abseits der wichtigen Tech-Anführer weiter essenziell: Europäische Finanzwerte steuerten in den letzten drei Monaten erneut einen Löwenanteil der Performance wichtiger Standardindizes bei. Dies zeigt sich mittlerweile weniger bei Versicherungswerten, die angesichts erhöhter Bewertungen und einer Überinvestierung bei Großanlegern vor einer mehrmonatigen Konsolidierung stehen könnten. Vor allem Banken (+14,2%) sind weiterhin auf der Überholspur. Der Top-Performer in Europa sind jedoch Aktien aus der Grundstoff-Branche, die mit gut 18 Prozent Zuwachs über die Sommermonate das Highlight waren.

Die zuletzt gemeldeten Quartalszahlen europäischer Unternehmen fielen gemischt aus: Laut LSEG stiegen die Gewinne im STOXX Europe 600 lediglich um rund fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist jedoch stärker als erwartet, da Analysten zu Quartalsbeginn mit Rückgängen gerechnet hatten. Der stärkere Euro belastete exportorientierte Unternehmen, während Banken und Versicherer positiv überraschten. Auch defensive Sektoren wie Gesundheit und Basiskonsumgüter verdienten gut, während Industrie (ohne Rüstung), Chemie und zyklischer Konsum unter der schwächeren globalen Nachfrage litten. In den USA untermauert das enorme Gewinn-wachstum der S&P 500-Unternehmen die laufende Rally. Der Index verzeichnet bereits das dritte Quartal in Folge zweistellige Gewinnzuwächse. Mit fast 12 Prozent Änderung zum Vorjahr lag es deutlich über den Schätzungen zu Quartalsbeginn. 81 Prozent der S&P-500-Unternehmen übertrafen mit ihren Zahlen die Erwartungen. Wachsende Sorgen über Handelskonflikte und Zölle waren ein Dauerthema in den Ergebnispräsentationen. Jedoch blieben die Margen bislang robust, was auf eine überraschend stabile Nachfrage und gute Kostenkontrolle hindeutet. Auch in Asien zeigten die Unternehmen im zweiten Quartal 2025 solide Ergebnisse: Japan verzeichnete Rekordgewinne, getrieben von Reformen, Aktienrückkäufen und besserer Kapitaldisziplin, während beispielweise China und Südkorea gemischte Ergebnisse meldeten.

Gewinne der US-Tech-Firmen zum Rest des US-Marktes (indexiert per 1990=1)

Grafik: Die Gewinnentwicklung von US-Technologieunternehmen („TMT“ = Technologie, Medien und Telekommunikationsfirmen) hat sich spätestens seit 2020 deutlich von allen übrigen Sektoren abgekoppelt. Während die Gewinne der Nicht-Tech-Unternehmen weitgehend stagnieren, verzeichnen Tech-Titel ein stark überdurchschnittliches Wachstum.

Das ist ein zentraler Treiber der Marktdynamik und ein Grund, warum die laufende Hausse anders zu bewerten ist als diejenige um 2000, wo viele Techtitel defizitär und reine „Luftnummern“ waren.

Quelle: Topdown Charts, LSEG, Stand: August 2025

Zinsen und Anleihen

Fürsorgliche US-Zinssenkung und Grand Malaise in Frankreich

Global haben viele Zentralbanken den Weg zu einer unterstützenden Geldpolitik eingeschlagen. Durch den weltweit abnehmenden (aber noch vorhandenen) Inflationsdruck und die Bereitschaft zu vorsorglicher Lockerung schaffen sie Rückenwind für alle Formen der Risikoanlagen. Dennoch liegt das Makrorisiko in beiden Extremen: Rezessionen als auch erneute inflationäre Schübe sind realistische Szenarien, die die Geldpolitik vor schwierige Entscheidungen stellen würde.

Am prominentesten zeigte sich das bislang in den Vereinigten Staaten. In den letzten Monaten verhielt sich die Fed auf restriktivem Zinsniveau stets abwartend und argumentierte vorsichtig. Präsident Trump drängte offensiv auf deutlich niedrigere Zinsen und arbeitet parallel daran mehr politischen Einfluss auf die Fed zu gewinnen, u.a. durch Personalentscheidungen und andere Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed. Er hat nach dem vorzeitigen Ausscheiden einer Gouverneurin seinen treuen Gefolgsmann Stephen Miran als Nachfolger etabliert. Zuletzt wollte er auch Gouverneurin Lisa Cook feuern, um diesen Platz ebenfalls mit einem Günstling zu besetzen. Weil die aktuelle Amtszeit Jerome Powells als Vorsitzender am 15. Mai 2026 endet, hat Trump signalisiert einen neuen Fed-Vorsitzenden zu ernennen. Von einer vorzeitigen Ablösung des „Zu-Spät-Powells“ ist er auf Druck der rebellierenden Anleihenmärkte glücklicherweise abgekommen.

Die US-Notenbank senkte dann Ende September – wie vom Kapitalmarkt erwartet – erstmals in diesem Jahr den Leitzins und reagierte vorrangig auf die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt. Es verwundert nicht, dass dieser Schritt von Notenbankchef Powell als „Risk Management Cut“ ausgelegt wurde. Das ist also ein vorsorglicher Eingriff angesichts des sog. „dualen Mandats“ der Fed, die Inflationskontrolle anstreben und gleichzeitig Beschäftigung fördern soll.

Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen beruhigten sich im letzten Quartal weiter. Vom Jahreshoch im Januar bei rund 4,8 Prozent setzte sich der Rückgang auf zuletzt fast 4 Prozent fort. Damit ist auch das Thema der ausufernden US-Staatsverschuldung und Zinslast vorerst etwas in den Hintergrund gerückt. Dieses hatte die Märkte gerade zu Beginn des Jahres im Kontext mit Trumps Politik sehr nervös gemacht.

In Europa pausierte die EZB nach einer Serie von Zinsschritten. Der Einlagezins liegt seit Juni unverändert bei 2 Prozent. Die Europäische Zentralbank blieb im September 2025 bei einer abwartenden Haltung und betonte, dass die Inflation derzeit nahe dem Ziel von zwei Prozent liege. Die Notenbanker betonten ausdrücklich, dass sie keinen starren Kurs verfolgen, sondern auf datenabhängige Entscheidungen setzen. Diese Flexibilität ist wichtig, insbesondere mit Blick auf externe Risiken wie die Euro-Stärke, weltweite Handelsspannungen oder Divergenzen in der Realwirtschaft. Eine derzeit noch abwartende Haltung nimmt die EZB-Führung auch im Hinblick auf die Situation in Frankreich ein.

Im dritten Quartal 2025 geriet Frankreich politisch und fiskalisch massiv unter Druck: Nach dem gescheiterten Haushaltsplan und einem Misstrauensvotum stürzte Premierminister Bayrou, woraufhin die Renditen französischer Staatsanleihen stark anzogen. Die zehnjährige OAT erreichte rund 3,5 Prozent, der Risikoaufschlag („Spread“) zu Deutschland weitete sich auf über 80 Basispunkte aus – ein Niveau, das zuletzt während der Eurokrise beobachtet wurde. Fitch senkte das Rating Frankreichs mit Verweis auf die fehlende politische Stabilität, den hohen Schuldenstand und die unklare Haushaltsdisziplin.

Entwicklung der Rendite 10-jähriger Anleihen

Grafik: Die Renditeentwicklung im Text aufgeführter Anleihen im Überblick. Am aktuellen Rand hat Frankreich (rote Linie) Griechenland und Italien bereits überholt und sich durch den immer höheren Risikoaufschlag deutlich von der Rendite Deutschlands abgekoppelt – ein deutliches Signal für den Vertrauensverlust in die Grande Nation.

Quelle: Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 30. September 2025

Die deutschen Renditen wiederum erhöhten sich minimal auf zuletzt 2,7 Prozent, politisch beeinflusst von Debatten um das Schuldenpaket und den Bundeshaushalt. Viele führende Ökonomen kritisierten, dass bei dessen Aufstellung „Taschenspielertricks“ im Zuge der gigantischen Schuldenfinanzierung zur Anwendung kamen und reale Zusatzinvestitionen entgegen den Versprechen überschaubar blieben. Das Schuldenpaket war bekanntlich zur Finanzierung von zusätzlichen Ausgaben von Infrastruktur und Verteidigung gedacht.
Pfandbriefe und Unternehmensanleihen blieben auch in den letzten Monaten daher die attraktivere Wahl gegenüber Staatsanleihen. Gerade Firmenanleihen konnten im Zuge der risikoaffinen Bewegungen am Kapitalmarkt weiter profitieren, die Risikoaufschläge engten sich ein.

Währungen und Rohstoffe

Gold und Silber mit glänzender Entwicklung

Im Sommerquartal ist währungsseitig wenig Bewegung zu vermelden. Der US-Dollar bleibt jedoch tendenziell unter Druck: Das Verhältnis EUR/USD notierte im Rückblick der letzten drei Monate meist um 1,17 bis 1,18 weniger volatil als noch in der ersten Jahreshälfte. Dort war eine historisch schwache Entwicklung zu verzeichnen.

Ein positiver Nebeneffekt des schwachen Dollars ist, dass er die Preise von den USD-nominierten Rohstoffen zusätzlich etwas anschiebt. Im Zentrum der sich verteuernden Rohstoffpreise stehen Gold und Silber. Gold legte im September eine historische Rally hin und durchbrach mehrfach neue Höchststände. Zum Quartalsende steht der Preis für die Feinunze klar über 3.800 USD, womit der Kurs im Jahr 2025 mehr als der Aktienmarkt zulegte. Parallel dazu notiert Silber nach einer starken Entwicklung wieder deutlich über 46 USD/Unze und zeigt damit die typische Hebelwirkung gegenüber Gold in bestimmten Marktphasen.

Entwicklung des Goldpreises in US-Dollar und Euro

Quelle: FactSet, 30 Jahre, Stand: 30. September 2025 (logarithmierte Darstellung

Marktbeobachter weisen darauf hin, dass die Rally nicht nur spekulativ, sondern breit gestützt ist. Treiber sind die abnehmende Attraktivität von Dollar-Anlagen, die spürbare Nachfrage nach „sicheren Häfen“ angesichts geopolitischer Risiken und die erhebliche strukturelle Nachfrage von institutionellen Käufern.

Ein wichtiger struktureller Faktor ist die Rückkehr vieler Zentralbanken als Netto-Käufer, die ihre Reserven mit Edelmetallen diversifizieren: Nach einer kurzen Pause nahm das Kaufmomentum der Notenbanker im Sommer erneut zu. Diese Nachfrage ist tendenziell „preisunempfindlich“ und damit ein Faktor, der die langfristige Angebots- und Nachfragebalance positiv verschiebt. Gold hat sich von einem taktischen Absicherungsinstrument wieder zu einer strategischen Anlageklasse gemausert. Kursfantasie besteht weiterhin. Gleichzeitig wächst aber bei zunehmender Euphorie die Gefahr erheblicher Volatilität, und kurzfristige Gewinnmitnahmen könnten scharf ausfallen. Gold und Silber dienen anhaltend als Absicherungsstrategie gegen Währungs- und Systemrisiken.

Was macht das „Schwarze Gold“? Die OPEC+ hat beschlossen, die Ölproduktion ab November 2025 nochmals zu erhöhen. Diese Entscheidung soll einerseits Marktanteile zurückgewinnen und andererseits die Ölpreise stabil halten. Diese sind jedoch im Jahres- und Quartalsverlauf weiter gesunken: Die Sorte Brent liegt zuletzt bei nur noch 66 USD pro Barrel, deutlich unter dem Jahreshoch von etwa 83 US-Dollar.

Kupfer kletterte kürzlich über 10.000 USD pro Tonne und verzeichnete seit Jahresbeginn einen deutlichen Anstieg. Die steigende Nachfrage nach Kupfer wird durch die Elektrifizierung des Verkehrs und den Ausbau erneuerbarer Energien getrieben. Akute Ursache sind aber vor allem Angebotsengpässe: Ein Erdrutsch im Grasberg-Minenkomplex in Indonesien führte zu Produktionsausfällen, zudem kam es in anderen großen Minen im Kongo und Chile zu Einschränkungen. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage äußerst stark, insbesondere aus China sowie den USA und der EU.

Perspektiven für die kommenden Monate

Trotz teils ungemütlicher Weltlage: Die Rally dürfte weitergehen

Geopolitisch bleibt die Welt angespannt. In der Ukraine sind die zwischenzeitlichen Friedenshoffnungen spätestens seit den Aussagen von Präsident Trump Ende September stark gedämpft. Viele Aussagen lassen eher eine weitere Eskalation befürchten. Auch der Konflikt zwischen dem Iran und Israel dürfte nur aufgeschoben sein.

Diverse Zolldeals mit wichtigen Handelspartnern wurden von der Trump-Administration in den letzten Monaten finalisiert. Zwischen der EU und den USA wurde zwar ein Kompromiss erzielt, gilt jedoch vielen Beobachtern als einseitig zu Lasten der Eurozone. Härter hat es indes die Schweiz erwischt. Bei Anlegern trat das Thema Zölle weiter in den Hintergrund, könnte aber bei neuen Erpressungsversuchen Trumps sofort neue Unsicherheiten schaffen (aktuell z.B. Pharmaindustrie stark im Fokus). Der Oberste Gerichtshof der USA wird ab November Verhandlungen zur Rechtmäßigkeit der von Trump verhängten Zölle führen. Untere Instanzen haben sie bereits teilweise als unrechtmäßig eingestuft. Der Oberste Gerichtshof hat sich entschieden, die Klage auf beschleunigte Weise zu prüfen, um eine endgültige Klärung herbeizuführen. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs wird weitreichende Auswirkungen auf die Auslegung der präsidentiellen Befugnisse in Handelsfragen haben und könnte die Grundlage für künftige wirtschaftspolitische Maßnahmen beeinflussen. Man kann davon ausgehen, dass die Kapitalmärkte je nach Entscheidung und genauer Begründung des Gerichtshofs einen volatilen Verlauf nehmen. Etwas paradox: Sollten die Zölle höchstrichterlich entfallen, könnten unter dem Blickwinkel deutlich steigender US-Verschuldung und US-Renditen die Märkte plötzlich wieder verrücktspielen.

Die Kluft zwischen Realwirtschaft und Börsenperformance wird zwischenzeitlich größer, vor allem in den USA. Die üppigen fiskalpolitischen Impulse („schuldenfinanzierte Party“) sowie die verzerrende Wirkung der Stimulusprogramme der letzten Jahre erklären einen guten Teil der Outperformance aller US-Anlagen. Dem US-Markt stehen unterstützende Faktoren wie zuvorderst die gigantischen KI-Investitionen zur Seite. Der Arbeitsmarkt verliert dennoch an Schwung, einige Konsumindikatoren schwächeln und Frühindikatoren deuten in Summe auf eine Abkühlung der US-Wirtschaft hin (keine Rezession). Europa profitiert von fiskalischen Impulsen, bleibt aber anfällig und mit eher mageren Wachstumserwartungen für die kommenden Jahre. Die Schwellenländer könnten bei anhaltender Dollarschwäche von einer längeren Aufwärtsbewegung profitieren, zudem China versucht Wachstum mit gezielten Impulsen zu unterstützen.

Strukturell befinden sich Aktienmärkte weiterhin in einem längerfristigen Bullenmarkt, möglicherweise vergleichbar mit der Phase 1994 bis 2000 unter der Fed-Ägide von Alan Greenspan. Kein Mensch kann seriös beurteilen, wann die laufende Hausse enden wird. Aktuell weist sie aber gute „technische Daten“ und eine positive Gewinnentwicklung auf. Zudem zeigt sie bislang kaum Anzeichen einer Erschöpfung, sondern eher einer Verbreiterung und Verbesserung.

Markttechnisch sehen die Märkte nach der zwischenzeitlichen Bereinigung im Zuge des „Liberation Day“ im April konstruktiv aus. Monetär agieren die Notenbanken zunehmend expansiv, und abgesehen vom historisch teuren US-Markt liegen die Bewertungen überwiegend auf akzeptablem Niveau. Ende September warnte US-Notenbankchef Jerome Powell höchstpersönlich, die (US-)Aktienmärkte seien „ziemlich hoch bewertet“. Obwohl er keine unmittelbaren Risiken für die Finanzstabilität sah, sollten die Märkte gemäß Powell nicht automatisch auf aggressive Zinssenkungen setzen, da die geldpolitische Ausrichtung weiterhin von wirtschaftlichen Daten abhängt. Seine Einschätzung erinnert an Greenspans Warnung zur „irrationalen Überschwänglichkeit“ der Märkte. Wir wissen im Rückblick: Nach Greenspans berechtigter Warnung im Dezember 1996 stiegen die Märkte noch drei Jahre weiter an und der S&P 500 verdoppelte sich in dieser Zeit… Solche Aussagen taugen also ebenso wenig als Timing-Instrument wie die absolute Höhe der Bewertung als Indikator für die Entwicklung der kommenden 12 Monate.

Ist schon spürbare Gier bei den Anlegern vorhanden? Noch ist die Stimmungslage („Sentiment“) der Investoren nicht euphorisch zu werten, was die Entwicklungen ansonsten in ein sehr gefährliches Licht rücken würde. Erstaunlicherweise kamen die Märkte ruhig und gelassen durch die Sommermonate und den oft schwierigen September. Im Laufe des Oktobers dreht die Saisonalität ins Positive. Das statistisch noch performancestärkere Winterhalbjahr steht vor der Tür. Die Rally dürfte nicht zu Ende sein und attraktives Potenzial aufweisen, solange eine US-Rezession vermieden werden kann. Trotz dauernder politischer Unsicherheiten, wirtschaftlicher Unebenheiten und wiederkehrender Überhitzungen bleibt die Lage aus globaler Brille konstruktiv.

Diversifikation sowie Risikomanagement dürften mit fortschreitender Dauer immer mehr an Bedeutung gewinnen. Besonders anfällig für Rückschläge sind Segmente oder Titel mit sehr hohen Bewertungen und fortgeschrittener Zykluslage, die überzogene Erwartungen nicht erfüllen können. Chancen bestehen dagegen weiterhin in der weltweiten Verbreiterung des Portfolios über Europa, Asien und die Schwellenländer mit ihren deutlich günstigeren Standardwerten und teilweise hoch attraktiven Nebenwerten, die vom globalen Bullenmarkt jetzt erfasst werden.

Gewinnentwicklung des breiten, weltweiten Aktienmarkts ohne die USA

Grafik: Der Gewinntrend des globalen Marktes ohne das Schwergewicht USA zeigt seit 2024 klar nach oben. Für 2025 und die kommenden beiden Jahre wird ein hoch attraktives, zweistelliges Gewinnwachstum erwartet.

Quelle: FactSet seit 2017 (2025 bis 2027 enthalten ganz oder teilweise Schätzungen), Stand: 6. Oktober 2025 (FactSet World ex USA Index, umfasst fast 20.000 Aktien incl. Schwellenländern und Nebenwerten)

Marktbericht 3. Quartal 2025

Marktbericht 2. Quartal 2025

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2025

Krisenfest: Wie der Markt viele negative Narrative überwindet

Viele Aktienindizes notieren auf oder in der Nähe neuer Allzeithochs. Diese Leistung erscheint bemerkenswert angesichts einer Flut negativer Schlagzeilen, geopolitischer Risiken und einer US-Notenbank, die den Leitzins auf einem restriktiv hohen Niveau belassen hat. Die jüngste Flut negativer Narrative rund um Trump im Allgemeinen, Zölle, Defizite, Schulden, Inflation bis hin zu Kriegen hat zwar erhebliche Schwankungen verursacht, aber den Markt nicht in die Knie gezwungen. Am Ende eines streckenweise beunruhigenden Halbjahres stehen erfreuliche Entwicklungen in den Anlageklassen – bis auf den US-Dollar, der kontinuierlich an Wert verlor.

Als US-Präsident Donald Trump Anfang April im Rahmen des „Liberation Day“ seine reziproken US-Zölle vorstellte, krachte es an den Kapitalmärkten wie seit dem Corona-Crash im März 2020 nicht mehr (vgl. letzter Quartalsbericht). Wirtschaftsexperten und Politiker reagierten auf das Zollvorhaben mit Fassungslosigkeit. Das bekannte Wirtschaftsmagazin „The Economist“ sprach gar vom „Ruination Day“ der Weltwirtschaft. Einen weiteren Schockmoment für die Welt stellte der „12-Tage-Krieg“ zwischen Israel und dem Iran im Streit um die Atomanreicherung der Islamischen Republik dar. Die Vereinigten Staaten wirkten mit bunkerbrechenden Waffen zur Unterstützung Israels mit und riefen anschließend zur Waffenruhe auf – letzteres gelang in der Ukraine jedoch nicht, die Bemühungen wurden aufgegeben. Was für Investoren am wichtigsten ist: der Markt hat die Ereignisse und noch dunklere Mediennarrative stets gut absorbiert.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2025 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.

Daten per 30.06.2025 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Aktien

TACO: Ein ängstliches Huhn katapultiert den Markt nach oben?

Im Zuge des Zollschocks stürzten viele Aktienindizes in den ersten Apriltagen in einen „Bärenmarkt“ ab. Dies ist nach rein technischer Definition der Fall, wenn der Markt mehr als 20 Prozent vom letzten Hoch verliert. Die Anlegerstimmung („Sentiment“) folgte auf dem Fuße und war buchstäblich auf einem Tiefpunkt angekommen. Erneut sollte sich die psychologische Analyse bewähren: Ein schlechtes Sentiment ist stets eine konstruktive Voraussetzung für eine baldige Gegenbewegung, sobald positivere Nachrichten eintreffen. Zunächst war es der US-Präsident höchstpersönlich, der (mutmaßlich) zum Kauf von Aktien aufrief:

Seine Nachricht in den sozialen Medien wurde zunächst fassungslos und als reine Durchhalteparole aufgenommen – warum sollte man in einer Phase so großer Unsicherheit und abstürzender Kurse Aktien kaufen? Nur wenige Stunden später folgte des Rätsels Lösung. Trump verkündete, dass alle reziproken Zölle (außer gegen China) zunächst für 90 Tage bis zum 8. Juli 2025 ausgesetzt werden, um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Die Konsequenz war eine fulminante Kehrtwende an den Märkten. Der S&P 500 konnte den größten Tagesgewinn seit der Finanzkrise 2008 erzielen, der Nasdaq Composite sogar den zweitgrößten Gewinn an einem Tag in seiner Historie.

Aber was führte zu diesem Sinneswandel bei Donald Trump? Seine lapidare Aussage die Leute seien etwas unruhig und ein bisschen ängstlich geworden, dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Der Zollkrieger hat offensichtlich seinen Endgegner in diesem „Zollspiel“ gefunden. Es ist der Kapitalmarkt höchstpersönlich, v.a. in Form des mächtigen Anleihenmarktes. Der gleichzeitige Druck fallender Aktienkurse und steigender US-Renditen wurde offenbar zu groß. Robert Armstrong, ein Journalist der Financial Times, hat Trumps Verhalten Anfang Mai mit der „TACO-Theorie“ erklärt. Mit dem mexikanischen Essen hat das Akronym nichts zu tun, sondern vielmehr Trump Always Chickens Out (sinngemäß: Trump verhält sich immer wie ein ängstliches Huhn).

Anfang Mai zeigte sich das Muster im Zollkrieg mit China, wo sich seit April die Zölle und Gegenzölle auf dreistellige Prozentwerte aufgeschaukelt hatten. Überraschend schnell wurde ein vorläufiger Deal mit China geschlossen, der bis zum Halbjahr weiter konkretisiert und vor wenigen Tagen unterschrieben wurde. Die USA sind vor allem stark von „seltenen Erden“ abhängig, die für High-Tech-Produkte, Elektronik und militärische Anwendungen unerlässlich sind. China wiederum dominiert den globalen Markt und kontrolliert je nach Quelle weit über 60 Prozent der Produktion sowie über 80 Prozent der Raffination. Andere Länder wie Australien und die USA haben zwar Vorkommen, können jedoch niemals mit Chinas Produktionskapazitäten konkurrieren.

Auch eine Drohung gegenüber der Europäischen Union die Zölle unmittelbar wieder auf 50 Prozent anzuheben, wurde nach nur einem Wochenende wieder aufgegeben. Kein Wunder, dass die fortschreitenden Drohgebärden fast reaktionslos am Kapitalmarkt zur Kenntnis genommen wurden. Der Gewöhnungseffekt sorgte dafür, dass immer mehr Marktteilnehmer über diese kurzfristigen Störfeuer hinwegsehen, um bloß nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Im ersten Quartal 2025 war noch eine deutliche Outperformance der europäischen Aktienmärkte und insbesondere des DAX zu beobachten, wohingegen die US-Märkte im Minus notierten. In den Monaten bis zum Halbjahresende hat sich dies wieder umgekehrt. Zwar konnten praktisch alle Standard- und Schwellenländermärkte Gewinne verbuchen, vor allem aber die Vereinigten Staaten zeigten ein erstaunliches Comeback (z.B. Nasdaq Composite mit 18 Prozent Zuwachs in Q2/2025).

Ein tieferer Blick offenbart, dass lediglich einige Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung der Markttreiber seit dem Aprilcrash sind. Zwei Drittel der Titel liefen schlechter als der S&P 500. Die fehlende Breite des Marktes ist ein häufig beobachtetes Phänomen am US-Aktienmarkt. Etwas plakativer: Die „Glorreichen 7“ arbeiten sich nach einigen Monaten Underperformance zurück. Die europäischen Indizes (Euro Stoxx 50 bzw. STOXX Europe 600) konnten in diesem Kontext nicht mehr mithalten und kletterten lediglich etwa vier Prozent im zweiten Quartal, liegen aber im Gesamtjahr wie auch Asien weiterhin vorne.

Die Branchenentwicklungen zeigen ein durchwachsenes Bild. Trotz des Comebacks erleben Tech-Titel wegen der anfänglichen Tal- und anschließenden Bergfahrt ein eher durchschnittliches Jahr. Angeführt wird der Markt von jahrelang verschmähten europäischen Bankaktien und weiteren Finanzwerten wie Versicherungen. Defensive Werte waren im Zuge der Unsicherheit gesucht. So konnten sich Versorger und Telekom-Titel deutlich verbessern. Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzung im Nahen Osten und aufziehender Ängste um die Ölversorgung erlebten Energiewerte nur sehr kurzfristig eine hohe Nachfrage und konnten sich im Juni deutlich festigen.

Dass nicht alle defensiven Branchen von der Gemengelage profitierten, zeigten die über viele Jahre beliebten Gesundheitswerte eindrucksvoll (Stichworte: „Corona“, „Abnehmspritzen“). Ihre absolute Entwicklung ist enttäuschend und relativ zum Gesamtmarkt als historisch schwach zu bezeichnen.

Ausgewählte Branchen-Entwicklungen der letzten 5 Jahre (indexierter Verlauf)

Grafik: Banken und Rüstungswerte stellten zuletzt die Entwicklung vieler anderer Branchen in den Schatten.

Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 30. Juni 2025, indexiert per 30.06.2020=100

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Europäische Konsumartikelhersteller (des nicht-täglichen Bedarfs, also z.B. die Luxusgüterhersteller) stellen das Schlusslicht dar und verloren im laufenden Jahr entgegen dem Markttrend fast zweistellig. Kein Wunder, Verbraucher weltweit müssen in diesen Zeiten den Gürtel enger schnallen. Ähnliches dürfte auch der Hintergrund der unterdurchschnittlichen Entwicklung von Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor oder Autoaktien sein, die zudem von der ganzen Zolldiskussion deutlich tangiert sind. Eine besondere Erwähnung verdienen Industrietitel, vor allem auch die darin enthaltenen Rüstungswerte. Sie sind seit Monaten der neue Renner am Markt, aber sicherlich kein billiger Geheimtipp mehr unter Anlegern. Aktien der Verteidigungsbranche konnten gleich mehrfach profitieren. Die kriegerischen Handlungen werden wieder häufiger, zudem konnten sich im Russland-/Ukrainekrieg die zwischenzeitlichen Friedensbemühungen seitens der USA im Berichtszeitraum nicht durchsetzen. Zuvorderst stellt die geplante Aufrüstung der NATO bzw. auch insbesondere die Wiederaufrüstung der Bundeswehr ein gigantisches Nachfragepaket für diesen Industriezweig dar. Auch wenn der Beschluss nicht bindend ist, stellt das „5-Prozent-Ziel“ der Mitgliedsländer perspektivisch ein Billionenprogramm für diesen einzelnen Industriezweig dar.

Zinsen und Anleihen

EZB senkt munter weiter, Trump schimpft über „Zu-Spät-Powell“

Im ersten Halbjahr 2025 war der US-Rentenmarkt von erheblichen Schwankungen geprägt. Auch hier sind politische Aspekte von hoher Relevanz, zuvorderst die seit Jahren negative Entwicklung des Staatsdefizits. Donald Trumps aggressive Zollpolitik und expansive Ausgabenpläne versetzen die Märkte wiederholt in Aufruhr. Die von Trump u.a. vorgeschlagenen Steuererleichterungen und eine weitere Anhebung der Schuldenobergrenze, euphemistisch im Gesamtpaket bekannt als das “Big Beautiful Bill”, führten zu Unsicherheiten über die Fiskalpolitik. Die zur Gegenfinanzierung ausgelobten Ersparnisse, die der Trump-Intimus Elon Musk über die „DOGE“-Sparbehörde herbeiführen sollte, dürften in den angestrebten Größenordnungen reines Wunschdenken sein. Insofern rückt die Wichtigkeit neuer Einnahmequellen – wie Zölle – verständlicherweise in den Vordergrund.

Die größte Besorgnis im ersten Halbjahr 2025 war die wachsende US-Verschuldung, die laut Schuldenuhr mittlerweile 37 Billionen US-Dollar beträgt. Moody’s senkte im Mai 2025 als letzte der drei großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA von der Höchstnote AAA um eine Stufe auf Aa1. Dies unterstreicht, dass die Fähigkeit der US-Regierung ihre Schulden zu bedienen, zunehmend in Frage gestellt wird. Analysten und Investoren äußerten Bedenken, dass das anhaltend hohe Defizit und die steigenden Zinskosten der hohen Schulden zu einer weiteren Herabstufung führen. Dies würde die Kreditaufnahme der Regierung im nächsten Schritt anhaltend verteuern – ein möglicher Teufelskreis. Letztlich war die wenig überraschende Rating-herabstufung im Mai aber kein bewegendes Ereignis mehr: Bereits Mitte Januar erreichten die US-Renditen (gemessen an 10-jährigen Laufzeiten) ihr bisheriges Jahreshoch bei 4,8 Prozent. Seit März schwanken sie um einen Wert von etwa 4,4 Prozent herum. Im Vergleich zum Jahresanfang ist das Renditeniveau sogar von 4,6 Prozent auf zuletzt 4,2 Prozent gesunken.

Fälligkeiten-Struktur der US-Verschuldung je Kalenderjahr (in Billionen USD)

Grafik: Das US-Finanzministerium hat ein Problem. Der von der Vorgängerregierung geerbte Schuldenberg ist vor allem kurzfristig finanziert. Im laufenden Kalenderjahr müssen über 9 Billionen US-Dollar über den Kapitalmarkt refinanziert werden.

Quelle: Bloomberg, Auswertung per Jahresanfang 2025

In Kontext der äußerst kurzfristigen Finanzierung und Fälligkeiten der US-Schulden ist die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve („Fed“) von zentraler Bedeutung. Die Fed hielt den Leitzins seit Dezember 2024 unverändert an der oberen Grenze von bis zu 4,5 Prozent. Dies veranlasste Trump dazu Fed-Chef Jerome Powell mehrfach öffentlich zu kritisieren und zu beschimpfen („Too-late-Powell“ bis hin zu „dumme Person“). In einem handschriftlichen Brief beschuldigte er ihn die USA „ein Vermögen” zu kosten. Er forderte wiederholt drastische Zinssenkungen von einem ganzen Prozentpunkt. Erwartungsgemäß hat sich die Fed in den letzten Monaten weiterhin nicht zu einer Anpassung der US-Leitzinsen nach unten durchringen können. Powell betonte, dass die Fed abwarten wolle, um die Auswirkungen der Tarifpolitik auf die Inflation zu beobachten, und dass eine vorsichtige Herangehensweise notwendig sei. Fakt ist, dass die Notenbankpolitik in den USA aufgrund des hohen Realzinses (Zins minus Inflation) zu den restriktivsten aller Industrieländer zählt.

Im Kontrast dazu liefern Notenbanken weltweit mehrheitlich und konstant Zinssenkungen. Auch die Europäischen Zentralbank (EZB) drückte in mehreren Schritten die Leitzinsen, um die Wirtschaft im Zuge der rückläufigen Inflation und inmitten wirtschaftlicher Unsicherheiten zu unterstützen. Die EZB-Zinssätze wurden bereits vier Mal im laufenden Jahr nach unten geschraubt, was für den Einlagensatz seit Mitte Juni ein Niveau von glatt zwei Prozent bedeutet. Trump nutzte dies gegenüber Powell mehrfach als Argument. In der Schweiz sind die Zinsen sogar wieder an der Nullmarke angekommen.

Die Entscheidung der neuen Bundesregierung in den kommenden Jahren Milliarden für Rüstungs- und Infrastrukturprojekte auszugeben, markierte einen historischen Wandel in der deutschen Fiskalpolitik, die traditionell von strengen Haushaltsdisziplinen geprägt war. Laut Planung des Finanzministeriums von Lars Klingbeil will Deutschland bis 2029 neue Schulden von fast 850 Milliarden Euro aufnehmen. Zur Einordnung: Das entspricht in etwa der Hälfte der Schulden, die alle Regierungen in 76 Jahren Bundesrepublik Deutschland angehäuft haben. Von den schwindligen Höhen der Vereinigten Staaten ist die deutsche Gesamtverschuldung absolut und in Abhängigkeit zur Wirtschaftsleistung (BIP) jedoch weit entfernt.

Bereits die Ankündigung des Vorhabens führte im ersten Quartal zu einem Anstieg der Renditen deutscher Staatsanleihen, da die Märkte die erhöhte Verschuldung und die damit verbundenen Risiken einpreisten. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen stieg von 2,4 Prozent zu Jahresbeginn auf zwischenzeitlich über 2,9 Prozent. Die anschließende Beruhigung drückte das Niveau zum Halbjahresende dann auf 2,6 Prozent. Die Kombination aus geldpolitischer EZB-Lockerung und expansiver Fiskalpolitik u.a. der Bundesregierung führte zu einer steileren und normalisierten Zinskurve. Investoren berücksichtigen damit die Auswirkungen der erhöhten Staatsausgaben auf Wachstum, Inflation und Staatschulden.

Währungen und Rohstoffe

Dollar so schwach wie seit 1973 nicht mehr – Metalle gesucht

Die Währungsentwicklungen im ersten Halbjahr und seit der Amtseinführung Donald Trumps fielen ungewöhnlich deutlich aus. Der Dollar war die mit weitem Abstand schwächste G10-Währung und wertete zum Euro fast 14 Prozent ab. Mit rund 1,18 Euro pro US-Dollar erreichte er das höchste Niveau seit mehreren Jahren und besiegelte das schwächste Halbjahr seit über 50 Jahren. Natürlich spiegelt die Entwicklung teilweise eine scheinbar normale Gegenbewegung auf die Dollarhausse der letzten Jahre wider. Auslöser und Verstärker dürfte das schwindende Vertrauen in die finanzielle Solidität und politische Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten gewesen sein.

Besonders schwach zeigten sich ansonsten der Australische und Kanadische Dollar. Als sogenannte Rohstoffwährungen leiden sie stark an den Handelskonflikten und konnten nicht einmal von den anziehenden Notierungen bei Gold und Öl profitieren, deren Verlauf sie oft ähnlich widerspiegeln. Insofern kann man zusammenfassend von einer Euro-Stärke sprechen. Die Gemeinschaftswährung verlor nur geringfügig zum Schweizer Franken und der Schwedischen Krone.

Spiegelbildlich setzten Edelmetalle (oft als Währungen ohne Fehl und Tadel bezeichnet) den Rekordlauf fort, zumal die globalen Unsicherheiten und Kriege weitere Fluchtbewegungen in Sicherheit auslösten. Gold und Silber können sich etwa um ein Viertel im Wert festigen. In den Schatten gestellt wird diese glänzende Entwicklung nur noch von Platin – allein im zweiten Quartal haussierte es mit rund 36 Prozent und erhöhte den Jahresgewinn auf gut 48 Prozent.

Die schwache Phase des US-Dollars zwischen 2000-2005

Grafik: Der aktuelle Verlauf seit 2024 weist große Ähnlichkeiten mit der Zeit 2000-2005 auf. Seinerzeit hat der Dollar schlussendlich ca. ein Drittel an Wert verloren. Zeichnet sich die Parallele fort, würde die größere Abwärtsbewegung erst 2026 einsetzen. Demnach stünde im 2. Halbjahr 2025 noch eine moderate Erholung des US-Dollars an.

Quelle: FactSet, Zeitraum: April 2000 bis April 2005

Bei Industriemetallen ergibt sich ein durchwachsenes Bild: Das für die Energiewende sowie für die Technologiebranche wichtige Kupfer bleibt trotz Handelskrieg aufgrund wachsender Angebotsdefizite gefragt. Es notiert etwa 15 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Dass die Zollpolitik selbst hier zu Verzerrungen führt, kann man an den Terminmärkten beobachten: an der US-Terminbörse Comex stieg der Kupferpreis um 27 Prozent aufgrund nachfragebedingter „Vorzieheffekte“ aus Angst vor Kupferzöllen.

Die Preise für Energierohstoffe standen per Saldo unter Druck. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um gut zehn Prozent – im Anfangsquartal 2025 notierte es noch unverändert. Im Nachgang des „Liberation Days“ preisten die Märkte eine Verlangsamung des Welthandels ein, was stets umgehende Auswirkungen auf den Schmierstoff der Weltwirtschaft hat. Die Eskalation zwischen Israel und dem Iran führte rückblickend nur zu einer kurzlebigen Befestigung der Energiepreise mit dem Höhepunkt um die Diskussionen einer möglichen Schließung der Straße von Hormus. Zwischenzeitlich fokussieren sich die Märkte auf weitere Produktionserhöhungen der OPEC Plus, die das Preisgefüge drücken dürften.

Perspektiven 2025

MAGA- oder MEGA-Halbjahr voraus? Es geht nicht nur um Zölle!

Die jüngsten Fortschritte in den Handelsgesprächen vor allem zwischen den USA und China haben die globalen Märkte beflügelt. Der 9. Juli als Ende der Zollpause rückt immer näher und die Märkte zeigen sich erstaunlich gelassen angesichts der Tatsache, dass nur sehr wenige Zollabkommen (u.a. Großbritannien, China, Vietnam) unter Dach und Fach sind. Sicherlich laufen hinter verschlossenen Türen kniffelige Verhandlungen, aber von den berühmten „Deals“ scheint man weit entfernt zu sein. Es verwundert keinesfalls, wenn Trump in seiner typischen Art bei einzelnen Ländern die Geduld verlieren und wieder an der Zollschraube drehen wird. Gerade die EU hat nicht all zu viel an Verhandlungsmasse entgegenzusetzen. Unsere Märkte könnten als Reaktion nochmals empfindlich reagieren. Auch die geopolitischen Unsicherheiten allgemein sind nach wie vor groß. Man muss annehmen, dass der nur aufgeschobene Nahost-Konflikt bzw. Iran-Atomstreit immer wieder in den kommenden Jahren auflodern wird. Es scheint jedoch, als gewöhnen sich Investoren an diese neue Normalität und blicken durch die schlechten Narrative hindurch. Mit anderen Worten: natürlich gibt es immer einen Grund nicht zu investieren. Aber genau dann erscheinen in der Regel die besten Gelegenheiten.

Aktuelle Wirtschaftsdaten sind von einem Nebel der Unsicherheit umgeben. Zum einen, weil sie in vielen Fällen auf stimmungsgetriebenen Umfragen basieren, die vermutlich ein nach unten überzeichnetes Bild abgeben. Zum anderen, weil die „harten Fakten“ teilweise von Vorzieheffekten und anderen Verzerrungen überlagert sind, die noch auf den „Liberation Day“ zurückzuführen sind.

Um die kommenden Monate seriös zu beleuchten, muss man für eine Prognose tief in die „Trickkiste“ diverser Frühindikatoren greifen. Dabei trifft man trotz der Widrigkeiten auf ermutigende Signale, u.a. durch die geldpolitischen Impulse weltweit. Zwar ist anzunehmen, dass der Zinssenkungszyklus vieler Notenbanken bereits kurz vor dem Ende steht und den berühmten „neutralen Zins“ erreicht haben dürfte. Der Effekt spürbar gesunkener Finanzierungskosten sollte aber mit dem typischen Zeitverzug sukzessive in der Realwirtschaft ankommen.

Die Inflationsdaten erfahren nun keinen Rückenwind mehr durch günstige Basiseffekte im Vergleich zum Vorjahr. Die Inflationsrate ist im Euroraum wie erwartet im Juni leicht gestiegen. Sie bleibt mit zwei Prozent exakt im Ziel der EZB. Die Kernrate ist mit 2,3 Prozent jedoch leicht erhöht, insbesondere der Abwärtstrend bei der Teuerung von Dienstleistungen hat sich nicht weiter bestätigt. Die nachlassende Lohndynamik der Eurozone spricht zwar für eine Abschwächung des Inflationsdrucks, jedoch verbleiben die bekannten Risiken überwiegend aus dem Zollstreit. Die EZB dürfte daher im laufenden Jahr maximal noch einen Zinsschritt gehen. In den USA wiederum haben die Senkungen bekanntlich gar nicht richtig eingesetzt. Es könnte die Ironie des Schicksals sein, dass die hartnäckige Haltung der Fed zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird und das restriktive Niveau im Zuge einer abgewürgten Wirtschaft bzw. eines deutlich verschlechterten Arbeitsmarkts aufgegeben werden muss. Trump hätte dann die Bestätigung, dass die Fed – wie historisch oft zu beobachten – notorisch spät mit ihren Entscheidungen ist.

Unser Basisszenario bleibt bestehen, dass die Weltwirtschaft zwar unterdurchschnittlich, aber aus Sicht des Kapitalmarkts „brauchbar“ wachsen wird. Der Internationale Währungsfonds IWF schätzt im Rahmen seines April-Updates den Anstieg des globalen BIP auf 2,8 Prozent im laufenden Jahr und 3 Prozent im kommenden Jahr. Regional gleicht sich das Wachstum dabei etwas an. Die Ausnahmestellung der USA, die in Teilen auf die massive Befeuerung durch exzessive Schuldenaufnahme zurückzuführen ist, sollte sich deutlich normalisieren. Auch in Asien kommt das hohe Wachstum etwas zurück.

US-Wachstumszahlen von 1-2 Prozent erscheinen für die Zukunft realistisch. Der Gefahr einer Rezession in den USA darf man sich noch nicht vollständig verschließen. Einige warnende Indikatoren u.a. aus dem für die stark konsumlastige US-Volkswirtschaft wichtigen Arbeitsmarkt deuten in diese Richtung. Inwieweit die MAGA-Bemühungen Trumps („Make America Great Again“) zur Reindustrialisierung langfristig positive Impulse setzen, kann heute noch nicht beurteilt werden.

Das Argument verbesserten Wachstums durch Schuldenaufnahme gilt selbstverständlich auch für die Eurozone, v.a. für Deutschland. Bereits in den vergangenen Jahren haben uns die Südländer durch eine expansivere Fiskalpolitik und den boomenden Tourismus- und Dienstleistungsbereich abgehängt. Ökonomen stellen sich die wesentliche Frage, ob es mit dem deutschen Fiskalpaket gelingen kann einen nachhaltigen Aufschwung zu etablieren oder ob Ausgaben mit Schwerpunkt Infrastruktur und Aufrüstung lediglich ein Strohfeuer entfachen werden.

Was bedeutet dies für Anleger?

Nach dem Albtraum der Finanzkrise 2008 hatten alle US-Vermögenswerte (Aktien, Anleihen, Immobilien, der US-Dollar…) eine 15-jährige Traumzeit. Jetzt sind die Bewertungen von US-Vermögenswerten aber im Traumland angekommen. Sie sind auf Perfektion bewertet. Der Rest der Welt (Europa, Japan, Schwellenländer) hingegen war im Tiefschlaf und beginnt gerade aufzuwachen. Hier sind die Bewertungen vernünftig bis günstig. Das sagt viel über die Risiko-Rendite-Landschaft der kommenden Jahre. Die globale Umschichtung von Geldern scheint bereits im vollen Gange.

„Gewinnrendite“ des STOXX Europe 600 sowie 3-Monats-Rendite (Euribor)

Grafik: Die sogenannte „Gewinnrendite“ des europäischen Aktienmarkts liegt mit fast 7% immer noch auf attraktivem Niveau und deutlich oberhalb der Verzinsung kurzfristiger Anlagen. Da die Gewinnrendite in den USA (ohne Abb.) lediglich bei ca. 4,5% liegt, ist auch die relative Attraktivität Europas auf gutem Niveau gegeben. Dies erklärt auch die zunehmenden Umschichtungen internationaler Anleger.

Quelle: FactSet, Stand: 30. Juni 2025

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Wird das kommende Halbjahr also weiterhin MEGA („Make Europe Great Again“) und kann sich die deutliche Outperformance unseres Kontinents weiter fortsetzen? Es dürfte ein Fehler sein jetzt alles auf die Europa-Karte zu setzen. Vielmehr kommt es weiterhin auf eine gute Diversifikation sowie sinnvolle Auswahl und Zusammenstellung der Branchen und Titel je Region an. Wir gewichten die USA aktuell „neutral“ mit der Tendenz bei bestimmten Branchen v.a. zur Reduzierung des Währungsrisikos zukünftig Europa den Vorzug zu geben.

Die 500 größten Börsenunternehmen in den USA haben im abgelaufenen Geschäftsjahr so hohe Gewinne eingefahren wie nie zuvor. Nach wie vor haben viele Industriezweige vor allem mit Technologie-Touch ein sehr hohes Wachstum und eine marktführende Stellung aufzuweisen. Der Ausrüstungsboom und die Umsetzung von Künstlicher Intelligenz (KI) dürfte immer noch am Anfang stehen und sich fortsetzen. Für den Gesamtmarkt prognostizieren Analysten für die Kalenderjahre 2025 und 2026 im Schnitt einen Gewinnzuwachs von etwa 12 Prozent für die technologielastige USA, aber mit etwa 6 Prozent lediglich die Hälfte für Europa. Chancen eröffnen sich in Europa vor allem in der Reihe der Nebenwerte, die in den letzten Jahren deutlich zu kurz bei Anlegern gekommen sind. Einige kleine Marktführer und „Hidden Champions“ haben oft auch zweistelliges Gewinnwachstum bei tiefen Bewertungen.

Leider schaden die aktuellen Turbulenzen den Zahlen der europäischen Unternehmen, nämlich auf dem Umweg über den festen Euro. Je mehr er gewinnt, desto teurer werden unsere Waren und Dienstleistungen im Ausland. Zudem verringern sich die Erträge in der Bilanz, sobald die Firmen ihre im Dollar-Raum erzielten Gewinne in Euro umrechnen. Selbst wenn man unterstellt, dass maue Dollartrend mittelfristig anhaltend dürfte, so scheint der Greenback im zweiten Halbjahr reif für eine Gegenbewegung zu sein. Stimmung, Positionierung und Markttechnik sind mittlerweile als einseitig zu bezeichnen.

Im Anleihensegment gehen wir mit angemessener Vorsicht vor. Man sollte sich nicht zu stark durch die Zinssenkungen der Notenbanken am kurzen Ende der Zinsstruktur beeindrucken lassen. Die jüngsten Schuldenexzesse sowie die sich möglicherweise verbessernden Konjunkturaussichten laden nicht zu einer offensiven Laufzeitsteuerung ein. Die längerfristigen Renditen befinden sich bei genauerer Betrachtung noch im Aufwärtstrend. Gleichzeitig lässt die Lücke zum nominellen Wachstumstrend des Euro-BIP befürchten, dass die Renditen bei Staatsanleihen eher weiter steigen könnten. Pfandbriefe und ähnliche gedeckte Anleihen können ein sinnvoller Ersatz für Öffentliche Papiere sein. Vor allem aber ausgesuchte Unternehmensanleihen mit überschaubaren, eher mittleren Laufzeiten stellen nach wie vor den sinnvollen Schwerpunkt unseres Vorgehens dar.

Fazit: Im laufenden Jahr werden trotz aller Unsicherheiten wichtige Impulse für die Zukunft gesetzt, die langfristige Auswirkungen haben. Viele Anleger trauen kurzfristig dem Braten noch nicht. Insofern gibt es keinen gefährlichen Überoptimismus. Die Markttechnik am Aktienmarkt seit dem Crash nach dem „Liberation Day“ weiß über Marktbreite und Momentum zu überzeugen, ebenso die günstige Bewertung vieler Länder und Regionen außerhalb der USA.

Vieler Investoren dürften ihre Portfolien anhaltend von den USA unabhängiger ausrichten. Dieser Trend hat 2025 erst begonnen. MAGA oder MEGA – völlig egal, bei richtiger Streuung und Auswahl kann man beides für sich arbeiten lassen. Wir bleiben bei unserer konstruktiven Sicht auf die kommenden Monate, selbst wenn es weiterhin holprig und wenig geradlinig sein dürfte.

Marktbericht 3. Quartal 2025

Marktbericht 1. Quartal 2025

Rückblick 1. Quartal 2025

Ausgerechnet Europa und China profitieren von Trump

Die Kapitalmärkte sind im Anfangsquartal politisch geprägt. Die neue US-Administration unter Präsident Donald Trump startete mit der Umsetzung von „Make America Great Again“. Das verunsichert aber sogar das eigene Land. Die Kapitalmärkte reagierten bereits eindeutig. Gelder wurden aus den USA abgezogen und in andere Regionen umgeschichtet. Davon profitierten die vernachlässigten europäischen Aktienmärkte, aber auch China. Die US-Börsen gaben nach, der Dollar verlor deutlich an Wert. Die Renditen in der Eurozone zogen trotz Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder an. Dies liegt am deutschen Fiskalpaket, das nach der Bundestagswahl beschlossen wurde. Gold ist als sicherer Hafen weiter sehr gefragt und stieg auf ein neues Allzeithoch über 3.100 US-Dollar pro Feinunze.

Direkt mit der Amtseinführung wurde die im Wahlkampf angekündigte Agenda durchgezogen: Trump unterschrieb zig Dekrete, die ohne Zustimmung des Kongresses wirksam sind. Vor allem seine gefürchtete Zollpolitik sorgte für Unsicherheiten. Mit den Nachbarländern Kanada und Mexiko besteht eigentlich ein Freihandelsabkommen. Gleichwohl wurden Zölle festgesetzt, verschoben und doch überwiegend eingeführt. US-Regierungsmitglieder und auch Trump sprachen offen vom „Detox“ der US-Wirtschaft – man müsse durch eine Phase des Entzugs gehen, um mittelfristig zu gesunden. Gleichzeitig verstärkt man das Narrativ, dass die Welt die USA militärisch und ökonomisch ausnutzen würde, um daher weitere Zoll-Maßnahmen festlegen zu können. Nicht nur aus Anlegersicht mag dies erschreckend klingen, weil es massiv an bisherigen Gewissheiten und Überzeugungen rüttelt.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2025 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.
Daten per 31.03.2025 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Zinsen und Anleihen

Die Ideen des Merz sorgen für steigende Euro-Renditen

In Deutschland formiert sich nach dem vorzeitigen Ampel-Aus und der vorgezogenen Wahl eine neue Regierung. Deutschlands voraussichtlich nächster Bundeskanzler Friedrich Merz weichte die „Schuldenbremse“ zu Gunsten von Investitionen mit Schwerpunkt Rüstung und Infrastruktur auf. Deutschland hat beide Themen jahrelang sträflich vernachlässigt, das Potenzial für sinnvolle Maßnahmen ist sehr groß. Die wirtschaftliche Tragweite des Paradigmenwechsels sollte keinesfalls unterschätzt werden. Zusammen mit dem „ReArm Europe Plan“ der EU wird die Fiskalpolitik insgesamt deutlich expansiver, ergo stiegen die Wachstumsaussichten der bislang lahmenden Eurozone.

Die massive Nachfrage des Staates nach bestimmten Gütern und Dienstleistungen könnte für Kostensteigerungen (sprich: mehr Inflation) sorgen, gleichzeitig türmt sich der Schuldenberg weiter auf. Deutschland konnte als eines von wenigen Ländern die Schuldenquote nach dem Anstieg durch die Finanzkrise 2008 senken. Die neuen „Sondervermögen“ kehren den Trend eindeutig um: Je nach Szenario könnten sich die Verbindlichkeiten bis 2037 von 2,7 Billionen Euro ausgehend nahezu verdoppeln. Abhängig von der konkreten Wirtschaftsleistung würde die Schuldenquote von aktuell 63 Prozent auf etwa 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) anwachsen – das entspricht dem letzten Hoch von 2010.

Entwicklung der Zinsen und Renditen in Deutschland

Grafik: Seit 2022 sind Zinsen und Renditen deutlich angezogen. Die Zinssenkungs-Maßnahmen der EZB haben dazu geführt, dass kurzfristige Gelder (vgl. 3-Monats-Zinssatz Euribor oben in blau) stetig weniger verzinst sind. Im Kontrast dazu sind aber seit der Bundestagswahl die Renditen 10-jähriger Bundespapiere (in braun) wieder deutlich angezogen. Sie liegen jetzt erstmals seit längerer Zeit wieder über den kurzfristigen Zinsen.

Quelle: FactSet, 3 Jahre, Stand: 31. März 2025 (monatliche Datenpunkte)

Das Schuldenmachen gefiel dem Anleihenmarkt nicht, er fordert eine höhere Entlohnung. Die Renditen deutscher Staatsanleihen sprangen nach der Wahl und den Äußerungen von Friedrich Merz von 2,4 Prozent auf zwischenzeitliche 2,9 Prozent deutlich an. Sie zogen als Nebeneffekt gleichzeitig die europäischen Nachbarn mit nach oben, deren Renditen typischerweise einen Risikoaufschlag zu deutschen Papieren aufweisen.

Mit Geld allein kann Deutschland seine Herausforderungen nicht lösen. Die milliardenschweren Ausgaben in Rüstung erscheinen zwar notwendig, sind aber eher konsumptiver Natur. Die neue Regierung muss daher konsequente Strukturreformen herbeiführen, um der strukturellen Krise zu begegnen. Wirtschaftsvertreter und Ökonomen mahnen immer deutlicher einen Abbau der Bürokratie und Abgabenlast, stabile Energieversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen oder auch Konzepte zur Zukunftsfähigkeit der Sozialversicherung an.

Abseits dieser politischen Geschehnisse setzte die EZB ihre Leitzins-Senkungen fort. Der Einlagensatz beläuft sich nun auf nur noch 2,5 Prozent. Die Zinsstruktur hat sich dadurch normalisiert und ist steiler geworden: mittel- und langfristige Renditen liegen jetzt deutlich über den kurzfristigen. Eine verständlicherweise abwartende Haltung nimmt die US-Notenbank Federal Reserve ein. Die Fed hielt das Leitzinsniveau konstant. Die Unsicherheit hinsichtlich der neuen Politik und des US-Wirtschaftswachstums führten dazu, dass sich die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen im 1. Quartal sogar ermäßigten. Von etwa 4,6 Prozent ging es um 0,4 Prozentpunkte nach unten.

Währungen und Rohstoffe

US-Dollar mit historisch schwachem Auftakt – Metalle glänzen

Der konträre Verlauf der Euro-Zinsen und Renditen im Vergleich zu den USA erhöhte die relative Attraktivität des Euro. Auch die leicht verbesserten Konjunkturaussichten der Eurozone spielten der Gemeinschaftswährung in die Karten. Die fundamentalen Entwicklungen trafen auf einen Markt, der bereits stark „pro Dollar“ gestimmt und investiert war. Ausgehend von einem EUR/USD-Level bei 1,036 befestigte sich der Euro zwischenzeitlich auf fast 1,10. Der Jahresauftakt ist aus Sicht des Greenbacks als historisch schwach zu bezeichnen. Der Euro legte insbesondere im März gegenüber einem breiten Bündel an globalen Währungen und nicht nur zum Dollar zu.

Edelmetalle setzen den Rekordlauf fort: Gold erlebte das stärkste Quartal seit 1986 und stieg auf ein neues Allzeithoch. Investoren suchten das „Krisenmetall“ als sicheren Hafen und aufgrund erwarteter Zinssenkungen. Insbesondere Zentralbanken weltweit sind große Goldkäufer, zuletzt zog zusätzlich die sonstige Nachfrage deutlich an. Auch Silber zeigt sich in glänzender Verfassung und stieg auf gut 34 US-Dollar je Feinunze. Immerhin ist das der höchste Quartalsstand seit 2012. Silber liegt aber klar unter seinen bisherigen Allzeithochs von 1980 bzw. 2011 (ca. 49 USD). Der Kupferpreis als wichtiges Industriemetall war zuletzt rund 13 Prozent teurer als zum Jahresende.

Die Ölpreise der wichtigsten Sorten WTI und Brent zeigten sich hingegen nur wenig verändert.

Aktien

Entzauberung der Glorreichen Sieben – Rüstung und Bau gesucht

Ende Januar 2025 führte die Veröffentlichung eines kostengünstigen KI-Modells des chinesischen Start-ups „DeepSeek“ zu Sorgen um Überinvestitionen in Künstliche Intelligenz. Investoren befürchteten auch, dass die Dominanz etablierter KI-Unternehmen bedroht sein könnte. Dies führte zu einem ersten Abverkauf von Technologieaktien und bei Nvidia beispielsweise zum größten eintägigen Verlust einer einzelnen Aktie in der Geschichte der Wall Street (fast 600 Mrd. Dollar). Investoren überwanden den ersten Schock jedoch schnell und hofften auf einen „Jetzt-erst-recht-Moment“, was die Investitionen und das globale Wettrennen um die besten KI-Lösungen anbelangt.

Investoren hatten sich zuletzt sehr an die sogenannte „US-Exzeptionalität“ gewöhnt. Das ist die Umschreibung der jahrelangen Outperformance der US-Wirtschaft und vor allem ihrer größten Firmen, die als Glorreiche Sieben verherrlicht werden. Diese Ausnahmestellung hat durch mehrere Entwicklungen nun nennenswerte Kratzer bekommen. Viele US-Titel sind mit hohen Erwartungen und sehr hohen Bewertungen ins neue Jahr gegangen. Für negative Überraschungen war in dieser Konstellation wenig Raum. Insbesondere die Glorreichen Sieben verloren ab Mitte Februar überproportional zum S&P 500. Der techlastige NASDAQ Composite Index sank im 1. Quartal so stark wie seit drei Jahren nicht.

Die großen Tech-Giganten Chinas wiederum sind der Grund, warum der Hang Seng zu den absolut besten Performern im Jahr 2025 gehört: hier kamen längere Unterinvestierung und Unterbewertung zusammen. Der „DeepSeek-Moment“ entfachte ein neues Bewusstsein über die Attraktivität, Leistungsfähigkeit und Wachstumsmöglichkeiten dieser Titel – wenn man keine generellen Bedenken wegen des stark politisch beeinflussten Chinas hatte. Ein breiter Aufschwung der China-Börsen angesichts der bestehenden Herausforderungen des Landes konnte indes nicht beobachtet werden.

Highlight der ersten drei Monate war das Comeback der europäischen Aktienmärkte gegenüber den USA. Deutschlands historisches Vorhaben die Schuldenbremse zu lockern, führte zu einer Rally und Outperformance bei deutschen und europäischen Aktien. Besonders Rüstungswerte profitierten. Die Infrastrukturvorhaben der neuen Bundesregierung begünstigten die Entwicklung von Bau- und Baustoffaktien. Zudem sorgten die Friedensbemühungen Donald Trumps mit Russland und der Ukraine für zusätzliche Fantasie im Zuge des notwendigen Wiederaufbaus des kriegsgebeutelten Landes.

Die absoluten Top-Performer kommen aus den jahrelang vernachlässigten Finanztiteln. Allen voran stürmten Banken mit einem Zuwachs von rund 23 Prozent im ersten Quartal an die Spitze der europäischen Branchen, dicht gefolgt von Versicherungswerten. Gesucht waren in den letzten Wochen Richtung Quartalsende auch Titel mit defensivem Charakter wie Telekom-Unternehmen und Versorger.

Die aufkommenden Sorgen um Donald Trumps Handelspolitik erzeugten überwiegend im März Verkaufsdruck in einzelnen Branchen wie der Automobilbranche sowie für den Gesamtmarkt. So konnte der DAX sein neues Allzeithoch (23.476 Punkte) nicht halten und beendete das Quartal bei 22.163 mit beeindruckenden 11 Prozent Plus. Positiv zu erwähnen ist, dass die seit längerem lahmenden Nebenwerte ebenfalls zunehmend gesucht sind und zumindest selektive Chancen bieten.

Perspektiven 2025

US-Exzeptionalität ist abmoderiert – kommt eine „Trumpzession“?

Am sogenannten „Tag der Befreiung“ (2. April) hat Donald Trump einen globalen Basiszoll von 10 Prozent sowie weitreichende neue Importzölle für wichtige US-Handelspartner verkündet. Dieser Tag dürfte in die Geschichtsbücher eingehen, da er eine Zäsur im Welthandel bedeutet. Die USA unter Trump verabschieden sich vom freien Handel. Das durchschnittliche Zollniveau der USA entspricht ab sofort in etwa dem der 30er-Jahre des vorherigen Jahrhunderts. Die 1930 ebenfalls einseitig verhängten Zölle fügten der Weltwirtschaft damals schweren Schaden zu. Geschichte muss sich nicht zwingend wiederholen, aber es ist eine Warnung an die heutige Zeit.

Trump spricht von „reziproken Zöllen“. Sie umfassen nicht nur ein Angleichen des Zollniveaus, sondern die Berücksichtigung sonstiger Handelshemmnisse (wie u.a. strengere Regulierungen oder steuerliche Unterschiede, die US-Produkte hier teurer machen). Theoretisches Ziel dieser Maßnahmen ist eine Stärkung des Produktionsstandortes USA und die Schaffung neuer Arbeitsplätze für Amerikaner. Außerdem soll das Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten nachhaltig verringert werden. Wer schlussendlich die Zeche bezahlt, ist aufgrund der komplexen Thematik aktuell kaum zu beurteilen. Es hängt von der Länge der Maßnahmen, möglichen Gegen- bzw. Unterstützungsmaßnahme ab, der Preiselastizität betroffener Güter bzw. möglicher Ersatzbeschaffungen und auch wie sich Währungen entwickeln. Dass vermutlich überwiegend die Konsumenten im eigenen Land mit steigenden Preisen bezahlen, scheint die US-Administration zu übersehen.

Dominantes Thema: Verunsicherung durch US-Handelspolitik

Grafik: Der Index visualisiert die Verunsicherung durch die Handelspolitik der Trump-Administration. Die Spitzen in den 90er-Jahren rühren aus der „NAFTA“-Thematik der Bush- und Clinton-Ära, nach 2016 steigert sich die Unsicherheit durch die erste Präsidentschaft Donald Trumps bis Sommer 2019 massiv. Der bisherige Rekordwert wird durch die laufenden Geschehnisse klar in den Schatten gestellt.

Quelle: FactSet, 40 Jahre, Stand: 31. März 2025

Dass die Zölle mit wenigen Ausnahmen höher sind und schneller in Kraft treten als erwartet, hat die Kapitalmärkte zum Redaktionsschluss (3. April, 12 Uhr) heftig durchgeschüttelt. Fraglich ist, ob und wie schnell es nun im Rahmen der aktuellen Maximalforderungen zu Verhandlungen oder Gegenmaßnahmen kommt. Die ersten Reaktionen betroffener Länder fallen sehr unterschiedlich aus. Vergeltungsmaßnahmen von betroffenen Ländern könnten den Handelskonflikt weiter eskalieren. Da die Trump-Administration Zölle als Instrument sieht, um Einnahmen für die Staatskasse zu generieren, erscheint ein signifikantes Absenken als unwahrscheinlich. Insbesondere der Mindestzoll von zehn Prozent dürfte bestehen bleiben.

Der Theorie nach wirken Zölle wie eine Art Steuer: Sie erhöhen v.a. im eigenen Land die Inflation und senken das Wachstum. Insofern wird nach der „Trumpmania“ des letzten Jahres nun diskutiert, ob nicht eine “Trumpzession” herbeigeführt wird. Das Dilemma: Trump und einige Regierungsmitglieder haben mehrfach angedeutet, dass sie langfristige Ziele verfolgen und kurzfristige Schmerzen einer eventuellen Rezession offenbar gezielt in Kauf nehmen. In den vergangenen Monaten sind einige Stimmungsindikatoren zur US-Wirtschaft deswegen schon rückläufig. Ausgeprägt ist der Stimmungseinbruch bei den Konsumenten und zunehmend bei den Unternehmensbossen. Gleichzeitig sind die kurzfristigen Inflationserwartungen und die am Kapitalmarkt „gehandelte Inflation“ merklich gestiegen.

Erste Bremsspuren werden bereits für die Weltwirtschaft sichtbar. So revidierte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft für das laufende Jahr von 3,3 auf 3,1 Prozent und für 2026 auf 3,0 Prozent.

US-Verbrauchervertrauen

Grafik: Der Rückgang des Verbrauchervertrauens als wichtige Stütze der US-Wirtschaft ist problematisch. Abstürze des Wertes haben oft Rezessionen zur Folge (graue Flächen).

Quelle: FactSet, 30 Jahre als Z-Score, Stand: 31. März 2025

Obwohl die Wirtschaft bisher in den vorliegenden „harten Daten“ robust bleibt und selbst wenn der Plan der Re-Industrialisierung aufgeht, dürften positive Auswirkung mit einem normalen Zeitverzug auf sich warten lassen. Die Anfang April entstandene Gemengelage aus Zöllen und daraus resultierenden Unsicherheiten deuten auf ein zunächst schwächer als erwartetes Wachstum hin (USA kleiner 1 Prozent?), aber zunächst keine Rezession. Vereinfacht gilt: Je länger die Unsicherheiten aber andauern, desto stärker dürfte sich die globale Konjunktur abkühlen, die mit gut 3 Prozent ohnehin nicht als überdurchschnittlich stark bezeichnet werden kann.

Effekte auf das Wirtschaftswachstum nach 3 Jahren

Grafik: Zölle kennen eigentlich nur Verlierer. Die OECD simulierte den Einfluss von 10-prozentigen Zöllen auf das Wirtschaftswachstum nach 3 Jahren. Nach Rechnung der OECD wäre der Einfluss auf die Eurozone erstaunlich gering, aber sicherlich Deutschland als Exportland besonders getroffen.

Quelle: OECD-Wirtschaftsausblick, Interimsbericht März 2025

Gerade die von der Exportnation Deutschland geprägte Eurozone wird sich diesem Szenario trotz fiskalpolitischer Expansion nicht vollständig entziehen können. Die Chance wächst, dass man die neuen Herausforderungen nicht nur mit Vergeltungsmaßnahmen beantwortet, sondern endlich notwendige Strukturreformen anpackt. Der Standort muss für Unternehmen und Unternehmer wieder attraktiver werden, die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen im globalen Vergleich strukturell begünstigt werden.
Die US-Notenbank Fed steht in der aktuellen Konstellation vor einer Herkulesaufgabe, weil die US-Inflation mangels günstiger Basiseffekte zum Vorjahr spätestens im 2. Halbjahr markant steigen könnte. Die Fed steht vor dem kniffeligen Fall eine teils zollinduzierte Inflation zu bekämpfen, ohne die Wirtschaft mit zu hohen Zinsen auszubremsen. Die Märkte erwarten derzeit bis zu vier Zinssenkungen im laufenden Jahr, was deutlich über die letzte Kommunikation der US-Notenbanker hinausgeht. Auch die EZB dürfte vorerst eine unterstützende Politik betreiben und die Zinsen angesichts der Unsicherheiten mindestens auf 2,0 Prozent (Einlagensatz) senken.
Was bedeutet dies für Anleger? Vieles wird jetzt davon abhängen, ob die USA in eine Rezession rutschen oder nicht. Im ersten Quartal haben als Schwergewichte die „Glorreichen 7“ den Markt nach unten gezogen. Eine handfeste Abkühlung der US-Wirtschaft bzw. Weltwirtschaft erscheint zum Auftakt des 2. Quartals nicht vollständig eingepreist. Man kann angesichts der unklaren Situation aktuell aber nur mutmaßen, ob es sich um eine „idealtypische“ Korrektur von ca. 10-15 Prozent am Aktienmarkt handelt, die nach zwei dicken Plusjahren normal ist. Die Situation entwickelt sich sehr dynamisch und daher dürfte auch im weiteren Jahresverlauf die Volatilität erhöht bleiben.

Anlegerstimmung am Beispiel der US-Privatanlegerumfrage (AAII)

Grafik: Die Privatanleger-Umfrage der American Association of Individual Investors (AAII) zeigt einen für ein (Zwischen-)Tief typischen Pessimismus an.

Quelle: FactSet, 10 Jahre, Stand: 31. März 2025

Zum Jahresende haben wir an dieser Stelle die Wichtigkeit der Diversifikation im Rahmen der Vermögensaufteilung betont. Die Zölle gelten für die einzelnen Länder und Regionen in sehr unterschiedlicher Weise, was neben positiven Streuungsaspekten im Sinne des Risikos grundsätzlich Chancen nach dem ersten Schock eröffnet. Die Unsicherheiten dürften in Kürze einen ersten Höhepunkt erreichen. Dennoch sollte man zunächst an einer vorsichtigeren Ausrichtung festhalten: Aktien sollten je nach Sicherheitsbedürfnis nicht übergewichtet werden und trockenes Pulver vorhanden sein. Viel zu wenig spricht aktuell für eine neue Hausse-Bewegung, außer aus antizyklischen Aspekten die deutlich verschlechterte Anlegerstimmung (vgl. Grafik oben).
Anleihen bester Bonitäten und insbesondere das Krisenmetall Gold sollten in dieser Situation mindestens kurzfristig noch profitieren können. Im Falle der Anleihen könnte sich das Blatt jedoch wenden, wenn Schulden- oder Inflationsängste gerade bei längeren Laufzeiten wieder zu steigenden Renditen führen. Sie sind möglicherweise das beste “Korrektiv” für Donald Trumps Handlungen.
Länder und Regionen, die fiskalpolitischen Spielraum haben und keine Überbewertung aufweisen, bleiben relativ interessant. Dies gilt z.B. für Deutschland, Europa und China (aufgrund der Schuldensituation aber nicht für die USA, die man vorerst neutral gewichten sollte). Jedoch könnten sich die angekündigten Investitionen in Infrastruktur oder Rüstung auch als ein Strohfeuer der Bundesregierung entpuppen, wenn nicht weitere Reformen folgen.
Schwellenländer-Aktien scheinen auf den ersten Blick besonders von den Zöllen getroffen zu sein. Sie sind aber historisch weniger anfällig für Handelskonflikte und könnten von einem weiter zur Schwäche neigenden US-Dollar profitieren. Substanz- und „Valuewerte“ sowie defensivere Branchen können helfen, die volatile Zeit zu überbrücken. Damit sind Titel des Basiskonsums oder aus Bereichen gemeint, die von Zöllen nicht getroffen werden (wie z.B. lokale Versorger oder Telekom-Unternehmen). Auf die Preissetzungsmacht der Unternehmen wird es für einige Zeit noch stärker ankommen, da die Zölle oder Gegenzölle ansonsten auf die Margen und Profitabilität durchschlagen.
Fazit: Mit dem Ziel, das rekordhohe US-Budgetdefizit zu reduzieren, dürften viele Handelsmaßnahmen der Trump-Administration permanent bleiben. Der „Tag der Befreiung“ dürfte zwar den Höhepunkt der Zollankündigungen markiert haben und die Schlagzeilen im weiteren Verlauf tendenziell positiver ausfallen. Dennoch sind die wirtschaftlichen Unwägbarkeiten noch zu groß für einen nachhaltigen Aufschwung. Für Investoren bedeutet dies weiterhin erhöhte Schwankungen an den Kapitalmärkten und einen zurückhaltenden Umgang mit Risikopositionen.
Allerdings dürfte das Umfeld mittelfristig erhebliche Chancen in ausgesuchten Investments eröffnen. Um die Risiken zu glätten, gehören vorerst noch Anlageformen ins Depot, die von Zöllen nicht direkt betroffen sind oder im Einzelfall von den Unsicherheiten profitieren können.

US-Gewinnschätzungen auf Sicht der kommenden 12 Monate (noch) konstant

Grafik: Noch sind die Gewinnschätzungen für die US-Unternehmen (in blau) recht stabil und keine gefährlichen Revisionen nach unten erkennbar.

Zwar sind die Kurse jetzt schneller gefallen als die Gewinnerwartungen, der S&P 500 aber mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 20 (ohne Abb.) immer noch über dem historischen Schnitt von etwa 18 bewertet. Der europäische Markt gemessen am STOXX Europe 600 ist nur mit seinen etwa 14-fachen Gewinnen deutlich günstiger bewertet.

Ähnliches gilt für Asien und Japan.
Quelle: FactSet seit 2001, Stand: 31.03.2025

Marktbericht 3. Quartal 2025

Marktbericht 2024

Rückblick 2024

Ein gutes Kapitalmarktjahr zwischen Unsicherheit und Euphorie

Ein rekordverdächtiges Anlagejahr ist zu Ende. Die Kapitalmärkte erlebten eine erstaunliche Resilienz und deutliche Zuwächse, während geopolitische Konflikte und makroökonomische Herausforderungen weiterhin für Unsicherheit sorgten. Fortschritte in der Technologie, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) prägten das globale Geschehen.
Rund die Hälfte der Weltbevölkerung in über 70 Ländern wurde an die Wahlurne gerufen, darunter die bevölkerungsreichen Staaten Russland, Indien und die USA. In Europa fanden Wahlen u.a. in Frankreich, Großbritannien und Österreich statt. Besonders in Frankreich und Deutschland sorgten die innenpolitischen Krisen für Schlagzeilen: In Deutschland endete die selbsternannte „Fortschrittskoalition“ aus SPD, Bündnis 90/Grünen und FDP. Die politischen Mehrheitsverhältnisse bremsen die zwei größten Volkswirtschaften der Eurozone, Deutschland und Frankreich, in einer dynamischen Welt aus.

Für die deutsche Wirtschaft lief 2024 wenig erfolgreich. Dabei ist das globale Wachstum seit 2023 mit etwa 3,2 Prozent konstant, auch für 2025 ist ein ähnlicher Wert zu erwarten. Deutschland ist unter den Industrieländern das Schlusslicht und rutschte möglicherweise in eine Rezession. Dies belastet nicht nur die Industrie, sondern auch den Arbeitsmarkt. Viele Unternehmen sehen sich im internationalen Wettbewerb zunehmend abgehängt, verlassen das Land oder geben auf. Der internationale Konkurrenzkampf zwischen den Volkswirtschaften nimmt zu.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2024 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.

Daten per 31.12.2024 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Politik im Fokus

Dabei blicken die Unternehmen mit großen Sorgen auf die USA, wo Donald Trump im November zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt wurde. Sein Motto „Make America great again“ wirkt aus deutscher Sicht irritierend. Dank eines robusten Arbeitsmarktes und der damit verbundenen Inlandsnachfrage dürfte die US-Wirtschaft das Jahr mit einem Wachstum von annähernd drei Prozent beenden.

Trump zeigt uns in seinen stets lautstarken Ankündigungen, wie angebotsorientierte Industriepolitik grundsätzlich gehen kann: Bürokratie reduzieren, Steuern senken, Versorgungssicherheit mit günstiger Energie schaffen. Der angekündigte Weg des Protektionismus mit steigenden Zöllen belastet aber die wirtschaftlichen Beziehungen und könnte die globalen Lieferketten wieder unter Stress setzen. Auch stellt sich angesichts einer ausufernden Staatsverschuldung (vgl. Grafik), die die Wirtschaftsparty der letzten Jahre befeuert hat, die Frage nach einer nachhaltigen Finanzierung.

In der Ukraine und im Nahen Osten dauern die Kriege mit eskalierender Härte weiter an. Dies gleicht teils einem Spiel mit dem Feuer. Die Ukraine darf westliche Langstreckenwaffen jetzt bedingt gegen Ziele in Russland einsetzen. Auch der ursprüngliche Konflikt Israels mit der Hamas im Gazastreifen weitete sich durch eine Bodenoffensive in den Südlibanon sowie Angriffe auf den Iran und Syrien weiter aus. Trotz dieser Spannungen blieben die Reaktionen der Kapitalmärkte bislang bemerkenswert gelassen. Selbst der Ölpreis, oft ein feiner Seismograph für geopolitische Risiken, zeigte sich stabil.

Entwicklung der Staatsverschuldung und Zinsausgaben in den USA seit 1945

Grafik: Die US-Staatsverschuldung wächst markant. Durch den deutlichen Zinsanstieg der letzten Jahre schnellen nun auch die Zinsausgaben nach oben. Ein hoher Anteil der Staatseinnahmen müssen allein für Zinsen wieder ausgegeben werden (2025: ca. 15%)

Quelle: FactSet, US Bureau of Economic Analysis, Zeitraum 1945 bis 2024

Zinsen und Anleihen

Die Zinswende ist auch in den USA eingeleitet

Das Jahr 2024 markierte für den Anleihemarkt eine ersehnte Rückkehr zur Normalität, wenngleich das Marktumfeld alles andere als ruhig war. Nach den Turbulenzen der Vorjahre, geprägt von hoher Inflation und schnellen Zinserhöhungen, begann eine neue Phase moderater Geldpolitik. Die Zinssätze sanken, ohne jedoch auf das extrem niedrige Niveau der Zeit vor der Pandemie zurückzufallen. Staats- und Unternehmensanleihen verzeichneten eine rege Nachfrage, insbesondere wenn Bonität und Kupon überzeugten.

Ein zentrales Thema war der deutliche Rückgang der Inflation. In der Eurozone sank sie zeitweise sogar unter die Zweiprozent-Marke. Die schwindende Teuerung erlaubte es den großen Zentralbanken ihre restriktive Zinspolitik zu lockern. Die Europäische Zentralbank (EZB) senkte den Hauptrefinanzierungssatz von 4,5 Prozent auf 3,15 Prozent, während die US-Notenbank (Fed) ihren Leitzins von 5,5 Prozent auf 4,5 Prozent reduzierte. Der späte Start der Fed (historisch erstmals nach der EZB) warf die Frage auf, ob sie zu lange gewartet hatte. Angesichts der starken US-Wirtschaft erscheint die Entscheidung richtig zu sein. Warnungen und Ängste vor einer US-Rezession haben sich rückblickend als völlig unbegründet erwiesen.

Die Lockerung wirkte sich hauptsächlich auf Anleihen kürzerer Restlaufzeiten aus, während die Renditen längerfristiger Bonds im Laufe des Jahres sogar stiegen. Zehnjährige Bundesanleihen bewegten sich von zwei Prozent auf 2,35 Prozent, US-Treasuries derselben Laufzeit von 3,9 Prozent auf 4,57 Prozent. Ziemlich einmalig in der Geschichte dürfte sein, dass Leitzinssenkungen der Fed zu steigenden Renditen längerfristiger Anleihen in etwa gleichem Ausmaß geführt haben. Daher normalisierte sich die Zinsstrukturkurve: Langfristige Anleihen rentierten in vielen Fällen erstmals seit Jahren wieder höher als kurzfristige.

Zinsstrukturkurve aktuell und vor einem Jahr (USA)

Grafik: Die Zinsstrukturkurve hat sich normalisiert. Durch die Zinssenkungen der Notenbank ist die zuvor inverse Struktur (Renditen kurzer Laufzeiten höher als längerer) einer normalen Laufzeitstruktur gewichen.

Quelle: FactSet, Stand: 31.12.2024

Notenbanken beeinflussen vor allem das „kurze Ende“ der Kurve, langfristig stehen politische Risiken und Inflationserwartungen im Mittelpunkt. In den USA sorgten u.a. die robuste Konjunktur sowie die Haushaltspolitik und vermutliche Zölle unter der neuen Trump-Administration für Sorgen anziehender Inflation und ausufernder Staatsverschuldung.

Gleichzeitig rückten Bonitätsfragen innerhalb der Eurozone in den Fokus: Die politischen Unsicherheiten in Frankreich führten zu einem Anstieg des Risikoaufschlags (Spread) zwischen französischen und deutschen Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit der Finanzkrise. Die Lage beruhigte sich zwar, doch blieben die Aufschläge hoch – zwischenzeitlich rentierten französische Bonds sogar leicht höher als griechische. Argentinische Anleihen stachen 2024 als bemerkenswerte Gewinner hervor. Dank eines strikten Austeritätskurses unter dem umstrittenen, libertären Präsidenten Javier Milei schrumpften die Spreads für fünfjährige Anleihen von fast 19 Prozentpunkten auf „nur“ noch gut sechs Prozent. Dies verdeutlicht, dass der Versuch politischer Stabilität und ernst gemeinter Reformen Vertrauen auf den Kapitalmärkten zurückgewinnen kann.

Auf ein großartiges Anlagejahr können die meisten Anleihen großer und guter Unternehmen zurückblicken. Sie profitierten von sinkenden Spreads und Kursgewinnen. Besonders gefragt waren Papiere mit Laufzeiten von zwei bis fünf Jahren oder jenseits von zehn Jahren. Dennoch blieb das Jahr nicht frei von Rückschlägen. Diese bezogen sich aber oft auf „kleinere“ Adressen, beispielsweise von Automobil-zulieferern oder aus der Immobilienbranche.

Bemerkenswert und mahnend ist, dass die Risikoaufschläge von Junk Bonds („Schrottanleihen“) in den USA auf ein 17-Jahre-Tief gefallen sind. Sie dürften auf diesem Level kaum das wirtschaftliche Risiko der Firmen kompensieren, wenn es in den kommenden Jahren einmal zu einer echten wirtschaftlichen Schwächeperiode kommt.

Das Jahr 2024 endete für Anleihen mit einer gemischten Stimmung und Wertentwicklung in den breit angelegten Indizes: Angesichts des zuletzt ausgeprägten US-Zinsanstiegs verloren globale Indizes im Kalenderjahr bis zu zwei Prozent (z.B. Barclays Global Aggregate aufgrund des hohen USA-Anteils), wohingegen mit Euro-Papieren eine solide Performance von 2,6 Prozent Plus zu verzeichnen war (Barclays Euro Aggregate).

Rohstoffe und Währungen

Edelmetalle glänzen, US-Dollar weiterhin fest

Im Jahr 2024 zeigten die Rohstoffmärkte ein gemischtes Bild. Edelmetalle wie Gold und Silber profitierten von der Unsicherheit und den hohen Käufen durch verschiedene Notenbanken. Das industriell wichtige Kupfer konnte sich nur knapp behaupten. Die Ölpreise gaben trotz geopolitischer Spannungen sogar leicht nach.

Der US-Dollar steigerte sich gegenüber dem Euro um 6,2 Prozent und blieb anhaltend stark. Auch das britische Pfund verzeichnete signifikante Gewinne gegenüber dem Euro. Zu den Verlierern gehörten in diesem Jahr die sogenannten „Rohstoffwährungen“ aus Kanada, Australien und Norwegen, die leichte Verluste zum Euro hinnehmen mussten. Die jahrelange Schwäche des japanischen Yen wurde durch die Ereignisse rund um die Zinspolitik im Sommer vorübergehend unterbrochen. Im Jahresverlauf verlor der Yen jedoch noch 4,6 Prozent gegenüber dem Euro. Kryptoanleger feierten das kurzzeitige Knacken der Marke von 100.000 US-Dollar pro Bitcoin.

Aktien

Technologie und KI: Fantasie ohne Grenzen?

Die Aktienmärkte erzielten auf den ersten Blick beeindruckende Gewinne. Besonders die sogenannte „Magnificent 7“, darunter Apple, Nvidia und Microsoft, trieben den NASDAQ Composite um fast 30 Prozent und den S&P 500 um 25 Prozent nach oben. Auffällig ist die zunehmende Marktkonzentration: Acht Aktien stellen inzwischen fast die Hälfte des technologielastigen Nasdaq-Index. Sie werden in Anlehnung an ihre Anfangsbuchstaben und den Superhelden jetzt „Enormous Eight“ oder „BATMMAAN“ genannt.

Auch im S&P 500 zeigt sich ein historisch ausgeprägter Klumpeneffekt: Von 100 Euro, die in den Index investiert werden, fließen 37 Euro in die zehn größten Titel, während die übrigen 490 Aktien die restlichen 63 Euro erhalten. Eine solch einseitige Verteilung war vor der Großen Depression 1929, in den 1970er-Jahren („Nifty Fifty“) und zur Jahrtausendwende („Dot.com“-Blase) zu beobachten. US-Aktien machen im Weltaktienindex MSCI World jetzt etwa drei Viertel aus. Das ist ein 55-Jahre-Hoch, während die Bedeutung Europas kontinuierlich auf etwa 18 Prozent gesunken ist.

Auch in Deutschland ist die Dominanz einzelner Unternehmen sichtbar: SAP trägt allein rund 40 Prozent zu den respektablen Gewinnen im DAX bei und hat sich zum drittgrößten Unternehmen Europas entwickelt. Der Anteil von SAP am DAX übersteigt sogar den des gesamten Automobilsektors, zu dem BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz gehören. Der Fahrzeugsektor litt in den letzten Monaten angesichts Standortthemen, fehlender Nachfrage und chinesischem Wettbewerb unter drastischen Kursrückgängen, während nur Nahrungsmittelaktien, angeführt vom Branchenprimus Nestlé, noch schlechter abschnitten.

Ein Blick auf mittelgroße Unternehmen zeigt ein gemischtes Bild: Der deutsche MDAX verlor fast sechs Prozent, während der US-amerikanische Nebenwerteindex Russell 2000 durch den Wahlausgang unterstützt um knapp 12 Prozent zulegte. Dennoch erreichte er damit nicht einmal die Hälfte des S&P 500, der dank seiner Tech-Schwergewichte von einem Allzeithoch zum nächsten eilte.

Die Kapitalmärkte folgten überwiegend den (KI-)Narrativen, oft unabhängig von fundamentalen Kennzahlen. Dies befeuerte die Debatte über die Nachhaltigkeit der Bewertungen. So zeigte der S&P 500 ein erkennbares Missverhältnis: Die Unternehmensgewinne stiegen auf Basis der letzten Schätzungen voraussichtlich um etwa zehn Prozent (die höchste Steigerung seit dem Ausnahmejahr 2021), aber der Index wuchs um 25 Prozent. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der erwarteten Gewinne weitete sich daher auf 22 aus, verglichen mit einem historischen Durchschnitt von gut 18.

Bewertungen sind zwar stets ein schlechter Timing-Indikator, doch die Realität holt die Kurse früher oder später ein. Jüngstes Beispiel ist die Gesundheits- und Pharmabranche, die trotz ihres Erfolgskurses in den letzten Jahren 2024 deutlich unterdurchschnittlich abschnitt. Der Hype um Anti-Fettleibigkeitsaktien wie Novo Nordisk und Eli Lilly ebbte ab: Ein von Goldman Sachs berechneter „Abnehmaktien“-Index verzeichnete Ende August noch über 35 Prozent Gewinn, beendete das Jahr jedoch nahe der Nullmarke.

Die Kursziele für Tech-Unternehmen wie Apple und Nvidia erscheinen schwindelerregend. Apple wird eine Marktkapitalisierung von weit über 4 Billionen USD, Nvidia sogar von 7 Billionen USD prognostiziert. Doch das KI-Potenzial scheint weitgehend eingepreist. Sollte die fundamentale Entwicklung zurückbleiben, drohen empfindliche Korrekturen – ein Szenario, das an die Jahre 2020/21 erinnert, jedoch noch weit von den Exzessen der Jahrtausendwende entfernt ist, als viele Tech-Unternehmen gar keine Gewinne erzielten. Aufgrund schierer Größe wird Wachstum immer schwieriger, die Unternehmen reifen und werden dadurch in vielen Fällen auch zyklischer.

S&P 500: Visualisierung der Bewertung

Grafik: Der Herzogpark ValueTrend Indikator visualisiert die aktuelle Bewertungssituation im historischen Kontext (Werte deutlich über Null = zunehmend überbewertet). Der Markt ist ähnlich teuer wie 2020/2021.Überbewertungen sind jedoch kein geeigneter Timing-Indikator.

Quelle: FactSet, 10 Jahre, Stand: 31.12.2024

Haben also nur US-Technologietitel performt? Mitnichten. Banken waren 2024 der vielleicht überraschendste Top-Performer. In Europa verzeichnete die Branche Kursgewinne von 33 Prozent, während weitere globale Finanzwerte Zuwächse zwischen 20 und 30 Prozent erzielten. Selbst die langweilige Versorgerbranche überraschte mit einem Plus von gut 22 Prozent, gestützt durch die immense Stromnachfrage der KI-Industrie. Auch Rüstungsunternehmen profitierten deutlich von steigenden Verteidigungsausgaben – als Anleger muss man dazu jedoch ethische Bedenken beiseiteschieben.

Die japanische Börse setzte ihre Erholung fort und kletterte um weitere 21 Prozent. Ein historischer Einbruch ereignete sich im Sommer, als der Nikkei 225 innerhalb von zwei Tagen um 17,5 Prozent fiel – der größte Rückgang in der Geschichte. Ursache war eine unerwartete Zinserhöhung der japanischen Zentralbank, die Ängste vor weiter steigenden Zinsen und damit unprofitablen „Carry Trades“ auslöste. Dies verursachte weltweit Kurseinbrüche. Der US-Volatilitätsindex VIX schoss über die Marke von 65, dem höchsten Stand seit dem Corona-Crash im März 2020. Doch der Spuk war kurz: Bereits Wochen später hatten sich die Märkte erholt.

Nachdem internationale Investoren zu Jahresbeginn fast vollständig den chinesischen Markt gemieden hatten, überraschte die chinesische Regierung mit einem umfassenden Wirtschaftspaket. Die Börsen in China und Hongkong reagierten mit kräftigen Gewinnen und beendeten das Jahr mit rund 20 Prozent im Plus. Bei Schwellenländer-Aktien machte nochmals Argentinien auf sich aufmerksam: Der recht kleine Markt konnte sich in US-Dollar gerechnet fast verdoppeln und war damit Länder-Spitzenreiter 2024.

Perspektiven 2025

Trump, Turbulenzen und taktische Chancen

Das weltweite Wirtschaftswachstum wird im Jahr 2025 voraussichtlich ähnlich ausfallen wie in den vergangenen beiden Jahren.  Sorgen um die ehemalige Wirtschaftslokomotive China oder die schwächelnde Eurozone trüben den Ausblick leicht. Chinas Wachstum wird weiterhin durch strukturelle Probleme und mangelnde Reformen belastet – die jüngsten Maßnahmen sind zwar ein guter Anfang, aber nicht ausreichend. Während Indien etwas an Schwung verliert, bleibt die Eurozone demografisch und politisch herausgefordert. Hohe Energiekosten und Regulierungshürden bremsen das Wachstum, aber eine Rezession könnte durch höheren Konsum aufgrund des positiven Reallohnwachstums und hoher Sparguthaben vermieden werden.

Donald Trumps mögliche erneute Präsidentschaft und seine fiskal- sowie handelspolitische Ausrichtung werden die globalen Märkte und die geopolitische Lage im Jahr 2025 stark beeinflussen. Seine Pläne, darunter Steuersenkungen, Deregulierungen und höhere Zölle, könnten den globalen Handel belasten und vor allem exportorientierte Industrien in Europa stark treffen. Diese protektionistischen Maßnahmen erhöhen das Risiko von Handelskonflikten und könnten Unternehmens-verlagerungen in die USA begünstigen.

Trotz der scheinbaren Klarheit seiner Pläne bleibt jedoch viel Unsicherheit über deren Umsetzung und Auswirkungen, zumal die heutigen wirtschaftlichen Bedingungen andere sind als zu seiner ersten Amtszeit. Vieles erscheint bereits eingepreist. Spätestens zu seiner Amtseinführung am 20. Januar könnten Anleger vermehrt in Lauerstellung gehen und jede kleine Nachricht neu bewerten.

Aber Aktien haben sich schon 2024 als krisenfest erwiesen und neue Höchststände erreicht. Der laufende „Bullenmarkt“ ist noch jung, und historische Daten deuten darauf hin, dass er weiter anhalten könnte.

Verlauf der letzten „Bullenmärkte“ der letzten 50 Jahre (USA), wenn sie mindestens zwei Jahre alt wurden

Grafik: Viele „Bullenmärkte“ dauern um die 5 Jahre, in Ausnahmefällen über 10 Jahre. Der rote Verlauf des aktuell laufenden Bullenmarktes seit Oktober 2022 unterstreicht, dass aus diesem Blickwinkel noch mehr erwartet werden kann.

Quelle: Carson Investment Research per 30.11.2024

Dennoch sollte man die Dynamik der letzten beiden Jahre nicht einfach fortschreiben. Die zahlreichen von uns beobachteten Stimmungs-indikatoren sprechen aktuell dafür, dass der für einen steigenden Markt wichtige Optimismus etwas zu hoch ist (vgl. plakatives Beispiel in der Grafik). Kurz zusammenfassend kann man festhalten: Die Stimmung ist sehr gut und die Investitionsquoten bereits überdurchschnittlich hoch. Das ist eine andere Gemengelage als zu Beginn des Bullenmarktes oder noch zu Beginn 2024. Die Marktkorrektur im Dezember hat jedoch dazu geführt, dass auf kurzfristiger Ebene eine Abkühlung feststellbar ist. Einem guten Jahresstart könnte das helfen.

In Zeiten starker Marktgewinne kann es leider leicht passieren, dass man das Risikomanagement aus den Augen verliert. Eine ausgewogene und diversifizierte Portfoliostruktur bietet eine sehr einfache und pragmatische Lösung. Obwohl eine Fortsetzung der US-Dominanz wahrscheinlich ist, könnte sich 2025 eine breitere Gewinnverlagerung zugunsten kleinerer Unternehmen vollziehen. Die zuletzt bewertungs-getriebenen Kursgewinne stoßen allmählich an ihre Grenzen. Um weiterhin steigende Notierungen zu erzielen, wird breites Gewinn-wachstum notwendig sein. Aktienstrategien sollten daher stärker sektoral und regional diversifiziert werden, da die Dominanz der „Magnificent 7“ nachlassen könnte. Langfristige Anlagethemen wie Künstliche Intelligenz, Medizin und Infrastruktur bleiben attraktiv. Bei KI dürfte die Entwicklung selektiver ablaufen und könnte sich vom Ausrüstungsboom zu den frühen Adaptoren und Profiteuren verlagern.

Überraschende antizyklische Chancen könnten sich bei Schwellenländer-Aktien (egal ob mit oder ohne China) ergeben. Die Region hat lange Zeit keine überzeugende Performance in den Depots abgeliefert, weist eine günstige Bewertung auf und ist aus mehreren Gründen (auch wegen Trumps Zöllen) unbeliebt geworden. Konträre Opportunitäten könnten aus ähnlichen Gründen ausgerechnet in der am Boden liegenden europäischen Automobilbranche zu finden sein.

Stimmungsindikator: Erwartungen steigender Aktien kochen über

Grafik: Im Rahmen der Umfrage zum US-Verbrauchervertrauen werden Teilnehmer zur Einschätzung des Aktienmarktes befragt. Historisch hat es nie einen so hohen Prozentwert optimistischer Erwartungen gegeben: Im November erwarteten noch 57% der Befragten weiter steigende Aktienkurse. Übermut tut aber selten gut!

Quelle: Eigene Darstellung, FactSet, Zeitraum 1987 bis 2024

Die zunehmende Attraktivität von Anleihen verdeutlicht, dass die lange als alternativlos geltenden Aktien Konkurrenz bekommen haben.

Tabelle: Übersicht der Renditen in den wesentlichen Währungsräumen EUR und US-Dollar, unterteilt nach Ratingkategorie und Laufzeitbändern.

Quelle: FactSet, Stand 31.12.2024

Die US-Wirtschaftslage ist robust und die konkreten politischen Entscheidungen sind noch offen. Sie könnten auch zu massiver Neuverschuldung führen, um das Haushaltsdefizit zu finanzieren. Die US-Notenbank Fed wird daher sehr vorsichtig agieren, da es aktuell keine Notwendigkeit für sinkende Zinsen gibt. Langfristige Anleihen könnten aufgrund der steigenden Staatsverschuldung höhere Aufschläge und Renditen erfordern. Diese Phasen dürften am Aktienmarkt etwas Unruhe auslösen (v.a. ähnlich 2022 bei zinssensiblen Titeln) und bieten bei beiden Anlageklassen mit einer geduldigen Herangehensweise attraktive Möglichkeiten.

Europäische Anleihen scheinen aufgrund der Zinspolitik derzeit besser unterstützt zu sein als US-Bonds. Die EZB könnte die Leitzinsen nochmals bis zu einem Prozentpunkt auf etwa zwei Prozent senken. Investoren sollten auf solide Bonität und attraktive Kupons setzen, während sie die politischen Entwicklungen nicht nur in den USA, sondern auch in Frankreich und Deutschland im Blick behalten. Unterstützung könnten Zinspapiere vor allem im 1. Halbjahr durch eine wieder rückläufige Inflation erfahren, die sich aus sehr günstigen Basiseffekten in den USA und in der Eurozone ergeben wird.

Die Entwicklung von Währungen orientiert sich fundamental oft an den unterschiedlichen Wachstumsperspektiven sowie an der Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen. Beides spricht glasklar für den US-Dollar – wenn da nicht das langfristige Schuldenthema sowie die zunehmende Loslösung aufstrebender Staaten vom Greenback wäre. Dieselbe fundamentale Herangehensweise signalisiert im Übrigen ein Ende der Yen-Schwäche und eine deutliche Befestigung in den kommenden Jahren. Im Übrigen können von Trump’scher Zollpolitik betroffene Länder durch Zinssenkungen bzw. eine gezielte Abwertung ihrer Währung die negativen Zolleffekte teilweise ausgleichen.

Die Argumente für Edelmetalle haben sich kaum geändert, jedoch könnten Zinsanstiege und die fulminante Rally im neuen Jahr Konsolidierungsbedarf mit sich bringen.

Trotz einiger Unsicherheiten bleibt das Umfeld für Aktien und Anleihen konstruktiv. Eine kluge Anlagestrategie wird für 2025 entscheidend sein. Diversifikation und ein langfristiger Horizont bleiben Schlüsselfaktoren in einem zunehmend volatilen Marktumfeld. Hochwertige Anleihen und wachstumsstarke Aktien können ein erfreuliches Ergebnis erzielen, während alternative Anlagen helfen dürften, die Schwankungen zu glätten. Trotz der Herausforderungen bietet das kommende Jahr reichlich Potenzial für Anleger, die sich auf fundamentale Werte konzentrieren, gelegentlich antizyklisch agieren und Trumps Lautstärke ausblenden können.

Redaktionsschluss: 7. Januar 2025

Marktbericht 3. Quartal 2025

Marktbericht Q3 2024

3. Quartal 2024: Die Zinswende ist da!

Sommerliche Achterbahnfahrt der Märkte mit positivem Ausgang

Die Aktienmärkte haben im abgelaufenen Quartal ihre Gewinne weiter ausgebaut. Die stärksten Impulse kamen jedoch nicht mehr von den „US Big Tech“-Werten, sondern zuletzt aus Asien. Die im Jahr 2022 stark gebeutelten Anleihenmärkte erlebten ein nahezu historisches Comeback. Die Renditen sind deutlich gesunken, während die Kurse im Gegenzug stark gestiegen sind. Der „Weltanleihenindex“ (Barclays Global Aggregate Index), der alle wesentlichen Segmente von Staats- bis Unternehmensanleihen abdeckt, legte in den letzten drei Monaten um sieben Prozent zu und übertraf damit sogar den „Weltaktienindex“ (MSCI Welt, alle Länder), der lediglich 6,7 Prozent gewann. 

Selbst der DAX erreichte trotz aller ökonomischer Widrigkeiten in Deutschland ein neues Allzeithoch und überflügelte den EURO STOXX 50 deutlich. Allerdings verdienen die DAX-Konzerne zu 82 Prozent ihr Geld im Ausland, der heimische Markt in Deutschland macht nur 18 Prozent aus. Der Nikkei 225 hingegen gönnte sich eine Verschnaufpause, nachdem er erst in diesem Jahr ein neues Hoch erreicht hatte – 34 Jahre nach den Übertreibungen der 90er Jahre. 

Die Nachrichtenlage war von (geo-)politischen Themen geprägt, die teils sehr nachdenklich stimmten: Attentatsversuch auf US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump, die veränderte Atom-Doktrin Russlands und die eskalierenden Auseinandersetzungen im Nahen Osten. 

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.
Daten per 30.09.2024 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2024 im Überblick

Dennoch konnten sich die Märkte unter Schwankungen positiv entwickeln. Ein Sommergewitter traf die Kapitalmärkte Anfang August, als US-Wirtschaftsdaten und eine Mini-Zinssenkung der japanischen Notenbank veröffentlicht wurden. Auslöser waren vor allem „Carry Trades“, bei denen sich Investoren in Ländern mit niedrigen Zinsen (wie Japan) günstig Geld leihen und es in Ländern mit höheren Zinsen anlegen (wie den USA). Solange die Währung schwach bleibt, in der die Schulden aufgenommen wurden, können zusätzliche Gewinne erzielt werden. Der Yen hat in den letzten Jahren fast ausschließlich abgewertet. Doch die plötzliche Aussicht auf sinkende US-Zinsen und steigende japanische Zinsen führte zu panikartigen Auflösungen dieser Carry Trades, was erhebliche Auswirkungen auf die Kapitalmärkte hatte. Der Nikkei verlor an einem „Schwarzen Montag“ satte 12,4 Prozent – der höchste Tagesverlust seit 1987. Auch die europäischen und US-amerikanischen Märkte reagierten mit deutlichen Kursrückgängen. Doch wie so oft folgt auf Panik die Erholung: Schon Ende des Monats hatten die Aktienmärkte den Einbruch fast vollständig ausgeglichen.

In Europa zeigten sich im bisherigen Kalenderjahr besonders Finanzwerte wie Banken und Versicherungen stark. Eine fulminante Rally der letzten Monate brachte auch Einzelhandelswerte in die Top 3 der Branchen, die alle über 20 Prozent zulegen konnten. Auf der Verliererseite standen die Nahrungsmittel- und Energiebranche. Ölwerte litten unter dem deutlichen Rückgang des Ölpreises: die Sorte Brent verlor im 3. Quartal mehr als 17 Prozent, trotz der Konflikte im Nahen Osten. Ist das etwa ein Fingerzeig für einen schwachen Konjunkturverlauf? Besonders schmerzhaft war aus deutscher Sicht die Entwicklung der Automobilindustrie: Gewinnwarnungen aller großen Autobauer führten zu Kursverlusten von über fünf Prozent, womit die Branche das Schlusslicht in Europa bildet.

Auffällig in den letzten drei Monaten war die positive Entwicklung der Branchen, die von sinkenden Zinsen profitieren. Immobilienaktien zeigten nach langer Schwäche wieder Lebenszeichen, ebenso wie Versorger und Telekomwerte. Besonders in den USA war die Outperformance dieser Titel zum Gesamtmarkt zu beobachten. Die einstigen Anlegerlieblinge aus dem Tech-Sektor verzeichneten hingegen eine der schlechtesten Entwicklungen der letzten drei Monate. Dennoch verbleibt dort ein sehr hoher Jahresgewinn von rund 30 Prozent (Technologie-Sektor des S&P 500, Nasdaq Composite „nur“ rund 22 Prozent). Versorger profitierten neben den sinkenden Zinsen auch von der steigenden Stromnachfrage, getrieben durch den gigantischen Energiebedarf der „Künstlichen Intelligenz“ (KI). 

Ein veranschaulichendes Beispiel: Auf Three Mile Island, dem Ort des größten Atomunfalls der US-Geschichte 1979, soll der damals unbeschädigte Reaktor wieder ans Netz gehen, um alleine Microsofts KI-Aktivitäten mit Strom zu versorgen. Dies wirft auch ein Schlaglicht auf die deutsche Energiepolitik. So zeigt es doch, dass eine Reaktivierung von Atomkraftwerken durchaus möglich ist.

Zinsen und Anleihen

Die Zinswende ist auch in den USA eingeleitet

Seit der Corona-Pandemie hat es weltweit keine so hohe Anzahl an Zinssenkungen durch die Zentralbanken quer über den Globus gegeben. Ein beträchtlicher Teil der zurückliegenden Zinserhöhungen wird nun schrittweise rückgängig gemacht. Unsere Erwartungen aus dem letzten Quartalsbericht, dass die Inflation weiter sinken und im September geldpolitischen Lockerungen durch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank (Fed) folgen würden, haben sich bewahrheitet. Die EZB hat nach der ersten Senkung im Juni erneut die Zinssätze reduziert. Der Einlagensatz wurde um 25 Basispunkte auf 3,5 Prozent gesenkt, während der Haupt-refinanzierungssatz für Banken wie im März angekündigt sogar um 60 Basispunkte auf 3,65 Prozent fiel. 

Die jährliche Inflationsrate in der Eurozone lag zuletzt bei 1,8 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit April 2021. Auch die um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigte Kerninflation sank leicht auf 2,7 Prozent, während die Dienstleistungsinflation mit vier Prozent weiterhin (zu) hoch blieb. Die Löhne im Euroraum steigen nach wie vor markant, was die Preise der arbeitsintensiven Dienstleistungen in die Höhe treibt. Da die Inflationsrate erstmals seit drei Jahren unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent liegt, steigen trotz höherer Kerninflation die Erwartungen, dass die nächste Zinssenkung Mitte Oktober folgen könnte.

Auch in den USA wird Geld endlich wieder billiger. Die US Federal Reserve entschloss sich im September, das Zinsniveau mit einem „großen Schritt“ um einen halben Prozentpunkt zu senken. Bereits im August hatten die Aussagen auf dem jährlichen Notenbanker-Symposium in Jackson Hole die Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen geschürt, was den seinerzeit angeschlagenen Aktienmärkten half. Darüber hinaus kündigte die Fed zwei weitere Zinssenkungen noch in diesem Jahr an. Die Zinswende ist also eingeläutet.

Grafik: Nach dem kräftigen Zinserhöhungszyklus fangen EZB und Fed mit Senkungen an – die japanische Notenbank macht das exakte Gegenteil und beginnt die Zinsen anzuheben. Der Zinsunterschied zwischen den Regionen sinkt, was sich auf die Währungsentwicklung auswirkt (hier also zu Gunsten des Japanischen Yens).

Quelle: FactSet, Fed, BoJ, EZB, 10 Jahre per 03.10.2024

Wie ein „Geisterfahrer“ agiert dagegen die japanische Notenbank, die als letzte große Zentralbank sehr vorsichtig den Ausstieg aus ihrer Nullzinspolitik sucht und im Gegensatz zu allen anderen Zentralbanken die Zinsen anheben möchte. Die Verwerfungen Anfang August, die durch eine Mini-Erhöhung um 0,15 Prozent ausgelöst wurden, dürften nun zu einem noch zaghafteren Vorgehen bei künftigen Zinserhöhungen führen. Japan wird wahrscheinlich abwarten, wie die Wende anderer Zentralbanken wirkt, bevor es weitere Schritte unternimmt.

Der Inflationsschock und die Zinserhöhungen führten seit 2022 zu einem historischen Anstieg der globalen Anleihenrenditen. Die Erwartung sinkender Leitzinsen und schwächerer Konjunkturdaten ließ die Renditen überall sinken. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen liegt bis zur Endfälligkeit nun bei 2,1 Prozent – etwa auf dem gleichen Niveau wie zu Jahresbeginn, aber weit unter dem Höchststand von über 2,6 Prozent im Frühjahr.

Im Oktober 2023 boten zehnjährige US-Treasuries noch rund fünf Prozent Rendite pro Jahr. Zwischenzeitlich ist die US-Rendite auf nur noch 3,6 Prozent gesunken (zuletzt 3,8 Prozent). Auch die kürzeren Anleihen mit zweijähriger Laufzeit ermäßigten sich auf 3,5 Prozent, was als Vorläufer für das zukünftige Leitzinsniveau gilt.

Die Risikoaufschläge („Spreads“) von Unternehmensanleihen haben sich weltweit erfreulicherweise weiter verkleinert und sind mittlerweile auf einem recht niedrigen Niveau. Dies unterstützte den positiven Verlauf dieses Marktsegments zusätzlich zur Zinsentwicklung.

Rohstoffe und Währungen

„Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles“
(Faust I, Johann Wolfgang von Goethe)

Bei den Rohstoffen zeigen sich sehr unterschiedliche Entwicklungen. Während der Ölpreis (siehe oben) schwächelt, steigen die Edelmetallpreise kontinuierlich an. Im dritten Quartal legte Gold (in US-Dollar) fast 13 Prozent zu, und eine Feinunze kostet nun 2.630 USD. Auch der Silberpreis verzeichnete einen Anstieg, allerdings nur um rund sechs Prozent. Im Jahresvergleich liegt Silber jedoch mit einem Zuwachs von fast 31 Prozent deutlich vor Gold, das etwa fünf Prozent weniger zulegte.

Aus Sicht eines Euro-Anlegers verzeichnete der US-Dollar im abgelaufenen Quartal einen Verlust von rund vier Prozent. Verglichen mit dem Jahresanfang zeigt der „Greenback“ allerdings kaum eine Veränderung. Aufgrund des sinkenden Zinsvorteils im Vergleich zwischen dem Dollar- und dem Euroraum erlebte der japanische Yen ein Comeback (vgl. Grafik auf der Vorseite). Im letzten Quartal konnte er einen Gewinn von sieben Prozent verbuchen, was jedoch die bisherigen Verluste des Kalenderjahres noch nicht vollständig ausgleicht. Auch mit dem Britischen Pfund und dem Schweizer Franken waren im vergangenen Quartal leichte Gewinne möglich. Dagegen verloren die rohstoffabhängigen Währungen Norwegens und Kanadas leicht zum Euro.

Konjunktur-Perspektiven

Keinerlei Dynamik der Weltwirtschaft erkennbar

Im letzten Quartalsreport sprachen wir vom „Aufschwung ohne Schwung“. Seitdem hat sich das Bild noch weniger dynamisch entwickelt, da viele Frühindikatoren enttäuschten. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert in seinem letzten Update im Juli für dieses und nächstes Jahr ein weltwirtschaftliches Wachstum leicht über der 3-Prozent-Marke. Dies ist insofern wichtig, da sich der Fokus vieler Anleger von der Inflationsentwicklung und den Zinsmaßnahmen zu den Konjunktur- und Gewinnerwartungen verschiebt.

Als globaler Akteur an den Finanzmärkten möchten wir uns hier nicht detailliert zur prekären Lage in Deutschland äußern (ifo-Chef Fuest: „Die deutsche Wirtschaft steht zunehmend unter Druck“). Nach dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,1 Prozent im zweiten Quartal deutet der Absturz des ifo-Geschäftsklimaindex und der Einkaufsmanagerindizes darauf hin, dass auch im dritten Quartal eine Schrumpfung der Wirtschaft zu erwarten ist. Damit droht Deutschland eine Rezession, im Gegensatz zu fast allen anderen Industrienationen!

Sehr vieles hängt in der Weltwirtschaft von zwei Ländern ab: den USA und China. In den USA sieht es weiterhin nach einem „soft landing“ aus, einer sanften Abkühlung der Wirtschaft. Der IWF erwartet für 2024 ein leicht schwächeres Wachstum von 2,6 Prozent und für 2025 ein weiteres Abflachen auf 1,9 Prozent. Aus Sicht der Anleger sind diese Zahlen akzeptabel, auch wenn der bislang robuste Arbeitsmarkt und der gute Konsum von uns recht kritisch beobachtet werden (vgl. letzter Quartalsbericht). 

Grafik: Der Index misst die Abweichung der veröffentlichten Wirtschaftsindikatoren zu den Markterwartungen. Ein positiver Wert zeigt, dass die Wirtschaftsdaten besser als erwartet ausfallen, während ein negativer, sinkender Wert wie zuletzt auf schlechtere Ergebnisse hinweist.
Quelle: FactSet, Citi Economic Surpise Index, 10 Jahre per 03.10.2024

Der US-Wahlkampf rückt näher. Präsident Joe Biden verzichtete auf eine erneute Kandidatur und überließ seiner Vizepräsidentin Kamala Harris das Feld. Im bisherigen TV-Duell setzte sie sich gegen Herausforderer Donald Trump durch. Umfragen deuten auf ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen hin. Politische Börsen haben bekanntlich kurze Beine, und der Wahlausgang im November könnte zwar für Volatilität sorgen, wird aber voraussichtlich kein „Game Changer“ sein.

Fokusthema

Chinas Umdenken und sein „Whatever it takes“-Moment

In China deutet sich jedoch ein politischer Schlüsselmoment an: Nach langem Zögern hat die Regierung angesichts der schwächelnden Wirtschaft ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet. Vermutlich wollte man abwarten, bis die US-Notenbank die Zinswende einleitet, um den Renminbi nicht durch eigene Maßnahmen unter Abwertungsdruck zu setzen. Das Ziel eines Wirtschaftswachstums von fünf Prozent schien in Gefahr, was die Regierung zu panischen Maßnahmen zwang. Da chinesische Haushalte im Durchschnitt zwei Drittel ihres Vermögens in Immobilien halten, ist die Stimmung angesichts der Immobilienkrise gedrückt. Während vor zehn Jahren zweistellige Wachstumsraten im Einzelhandel die Norm waren, sind es in letzter Zeit nur noch knapp über zwei Prozent.

Nun wurden sowohl der Leitzins als auch die Mindestreserve-anforderungen für Banken deutlich gesenkt. Zusätzliche Liquidität soll ins Finanzsystem gepumpt werden, um die Wirtschaft zu stützen. Für den Immobilienmarkt und die allgemeine Konjunktur könnten diese Maßnahmen jedoch nicht ausreichen, da es weniger an Liquidität als an Nachfrage mangelt – ein typisches Anzeichen für eine sogenannte „Liquiditätsfalle“. 

Obwohl die Mindestanzahlungen für Zweitwohnungen von 25 auf 15 Prozent gesenkt wurden und bestehende (!) Immobilienkredite durch die Banken zu günstigeren Konditionen umstrukturiert werden sollen, fehlen konkrete staatliche Konjunkturimpulse, um die Kreditnachfrage als solche zu steigern. Die bisherigen Maßnahmen allein dürften kaum ausreichen, um einen nachhaltigen Aufschwung herbeizuführen.

Interessanterweise stellt die Zentralbank (PBoC) Großanlegern und Unternehmen sogar Gelder für Aktienkäufe zur Verfügung, was zu einem kräftigen Schub an den (Festland-) Aktienmärkten führte. Der daraus resultierende „Reichtumseffekt“ könnte perspektivisch sowohl inländische als auch ausländische Anleger zurücklocken, die den Markt in den letzten Jahren in Scharen verlassen haben. In Europa wurden die Maßnahmen ebenfalls positiv aufgenommen, und Aktien von Unternehmen mit großem Chinageschäft – etwa aus den Branchen Luxusgüter, Industrie sowie Rohstoffe – legten deutlich zu.

Ein Ziel der Lockerungspolitik ist es, die Haushaltseinkommen zu stärken und den privaten Konsum anzukurbeln. Die Maßnahmen sollen die Nachfrage stimulieren und das Vertrauen in die Wirtschaft wiederherstellen. Von großer psychologischer Bedeutung dürfte sein, dass die Maßnahmen in einer öffentlichen Fernsehsendung vorgestellt wurden, in der auch Fragen beantwortet wurden – ein untypischer Schritt für die chinesische Kommunikationspolitik, der die Wichtigkeit eines Stimmungsumschwungs unterstreicht.

Einige Analysten sprechen von einem „Whatever it takes“-Moment in China, in Anlehnung an die legendären Worte des ehemaligen EZB-Chefs Mario Draghi im Jahr 2012 im Zuge der Euro-Rettung. Es scheint, als habe man erkannt, dass nur entschlossene Maßnahmen helfen. Nicht kleckern, klotzen! 

Dass man den Erwartungen zuvorkam, sollte auch die Finanzmärkte weiter positiv beeinflussen. Da die chinesische Regierung von der Notwendigkeit einer antizyklischen Fiskalpolitik sprach, ist mit weiteren Stimuli zu rechnen. Dennoch bleiben die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und speziell auf die deutsche Exportwirtschaft begrenzt, da China stark auf seinen Binnenmarkt fokussiert ist.

Selektivität ist Trumpf

Belastende Geopolitik, aber auch neue Chancen erkennbar

Das Umfeld wird belastender. Die Ausweitung des Nahost-Konflikts setzt sich täglich fort, und Russland verändert als Folge der Eskalation im Ukrainekrieg seine Atomdoktrin. Die US-Wahl steht bevor, und obwohl die Besetzung der Notenbank fast wichtiger ist als die des Weißen Hauses, birgt die Entscheidung zwischen Trump und Harris Unsicherheiten. Vor dem berüchtigten „Crash-Monat“ Oktober sind das keine leicht verdaulichen Nachrichten.

Für die Aktienmärkte sind vor allem Zinsen und Gewinnentwicklung entscheidend. Die abgelaufene Berichtsaison in den USA und Europa signalisierte durchaus Ermutigendes. Fast alle Unternehmen aus dem STOXX Europe 600 haben ihre Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt, und ihre Gewinne stiegen nach zuletzt vier rückläufigen Quartalen. Für 2024 wird ein Gewinnplus von immerhin rund drei Prozent erwartet, im kommenden Jahr sogar fast zehn Prozent. 

In den USA sind die Entwicklungen und Erwartungen noch höher: Die Gewinne dürften 2024 zweistellig steigen und 2025 nochmals um rund 15 Prozent anziehen. Historisch gesehen erwähnten sehr wenige Unternehmen in den Analystenmeetings den Begriff “Rezession”. Das deutet darauf hin, dass sie keine akuten Probleme in der US- oder Weltwirtschaft erwarten. Angesichts des zuletzt berichteten, höchsten Quartalswachstums seit 2021 ist das wohl kein Wunder. 

Der Begriff “Inflation” spielte im Gegensatz zu den Vorquartalen keine Rolle mehr, jedoch sprach jedes fünfte Unternehmen von den anstehenden US-Wahlen.

Grafik: Der Bankhaus Herzogpark ValueTrend Indikator zeigt für die Märkte Chinas und Hongkongs trotz des schon erheblichen Kurssprungs eine im Vergleich zur Historie tiefe Bewertung an. Drei der fünf größeren Kursrallys wurden durch Stimulus-Maßnahmen ausgelöst (um etwa 2009, 2015 und 2020).

Quelle: FactSet, 20 Jahre per 30.09.2024

Doch wie teuer sind Aktien bzw. wie viel sind sie wert? In den USA zahlen Anleger nahezu das 22-fache der Gewinne für die nächsten zwölf Monate, was recht teuer ist. Manche Beobachter sprechen von „Priced for Perfection“ – der Preis wäre demnach nur gerechtfertigt, wenn die sehr hohen Erwartungen mindestens getroffen werden. Europa erscheint optisch günstiger (rund das 14-fache der Gewinne, Deutschland sogar nur das 13-fache). Allerdings sollte berücksichtigt werden, dass Wachstum und Rentabilität in den USA mit Abstand am höchsten sind, was die höheren Bewertungen tendenziell rechtfertigt. Bei Anlageentscheidungen sollte man bedenken, dass der Markt robustes und wiederholbares Gewinnwachstum höher bis hoch bewertet, was besonders bei führenden Tech-Titeln sichtbar wird. Zyklische Märkte wie der DAX oder Schwellenländer sind anfälliger für Gewinnrevisionen und daher in der Regel günstiger zu haben.
Eine besondere Situation ergibt sich in der Region „Greater China“ (China, Hongkong, Taiwan, Macao). Hier treffen die positiven Nachrichten auf einen in weiten Teilen stark unterbewerteten Markt (insbesondere in Hongkong), der aufgrund jahrelangen Desinteresses gleichzeitig massiv unterinvestiert ist. Vergleichbare Stimuli der Regierung haben in der Vergangenheit im Übrigen stets erhebliche Aktienmarktrallys mit sich gebracht, die sich zumeist über ungefähr ein Jahr hinzogen.
Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass einige Gelder, die innerhalb Asiens vor allem nach Indien geflossen sind, wieder Richtung Volksrepublik umgeleitet werden. Der indische Markt mag aufgrund seiner günstigen Demografie und herausragenden Wirtschafts-entwicklung vielversprechend sein. Er ist jedoch nach einer langen Hausse mit dem 25-fachen der Gewinne noch teurer als die USA bewertet und damit anfällig für Korrekturen.
Sollten Konjunktur und Gewinnerwartungen (insbesondere in den USA) wirklich so gut wie vielfach behauptet sein, ist der Spielraum für weitere Zinssenkungen der Notenbanken begrenzt, um die Wirtschaft nicht übermäßig zu stimulieren und keine zweite Inflationswelle zu provozieren. Es wird als Konsequenz in diesem herausfordernden Umfeld noch wichtiger als zuletzt eine gut ausbalancierte Struktur im Portfolio zu haben.
Insofern bieten sich nach wie vor ausgesuchte Anleihen hoher Bonitäten an, um im Falle einer deutlichen wirtschaftlichen Abkühlung abfedernde Wirkung zu entfalten. Dennoch gehen wir davon aus, dass die Renditen nicht am Schnürchen gezogen nach unten tendieren werden – die nächste kleinere Bewegung nach oben könnte jedoch ein interessantes Einkaufsmoment darstellen.
Sollten sich die genannten geopolitischen Belastungsfaktoren nicht entfalten, wird das Jahr 2024 als sehr gutes Anlagejahr in die Geschichtsbücher eingehen. Die Stimmungslage der Anleger ist positiv, ohne sich in einer gefährlichen Euphorie zu befinden. Dies sind konstruktive Voraussetzungen für ein positives Schlussquartal. Jedoch werden die Bäume angesichts des schon Erreichten nicht in den Himmel wachsen. Selektiv sind in jedem Fall genug Opportunitäten vorhanden.
In den kommenden Wochen und Monaten werden wir unseren ausführlichen Ausblick für das kommende Jahr entwerfen. Es bleibt spannend…und wir optimistisch!