Marktbericht Juli 2026

09.08.2026

Das Wichtigste in Kürze:

Wenn Gewinner stolpern: KI-Investitionen müssen Rendite liefern

  • Der Juli brachte eine deutlichere Korrektur bei vielen zuvor sehr stark gestiegenen KI-, Halbleiter- und Technologiewerten. Der langfristige KI-Trend ist damit nicht gebrochen, Anleger hinterfragen aber Bewertungen und die Wirtschaftlichkeit der hohen Investitionen immer stärker.
  • Bei den großen Technologieunternehmen verschiebt sich der Blick von der Höhe der KI-Investitionen zunehmend auf deren messbaren Ertrag. Die Investitionsausgaben steigen so stark, dass sie den frei verfügbaren Cashflow teilweise erheblich belasten.
  • Gleichzeitig fiel die US-Berichtssaison erneut außergewöhnlich stark aus. Ein Teil der spektakulären Gewinnzuwächse stammt allerdings aus hohen Bewertungsgewinnen auf Beteiligungen und nicht aus dem laufenden operativen Geschäft.
  • Die Notenbanken bleiben vorsichtig. EZB und Fed hielten ihre Leitzinsen im Juli unverändert. Bei der Fed stimmten jedoch bereits drei Mitglieder für eine weitere Zinserhöhung – ein deutliches Zeichen für die weiterhin kontroverse Inflationsdebatte.
  • Die Weltwirtschaft hält sich insgesamt besser als vielfach befürchtet. Die USA wachsen weiter und Europa zeigte zuletzt erste Stabilisierungstendenzen. Energiepreise, Inflation, Handelskonflikte und geopolitische Risiken bleiben jedoch wichtige Belastungsfaktoren.

Portfolioimplikationen

Nicht aussteigen, aber genau hinschauen

Der Juli hat eindrucksvoll gezeigt, warum Anleger starke Trends nicht einfach geradlinig fortschreiben sollten. Bereits im Mai hatten wir darauf hingewiesen, dass die außergewöhnliche Kursdynamik bei KI- und Halbleiterwerten die Fallhöhe für Enttäuschungen erhöht. Im Juni rückten dann konkrete Gewinne, Margen und Finanzierungskosten schon stärker in den Mittelpunkt. Die zwischenzeitlichen Rückschläge im Juli bestätigen diese Einschätzung, sind aber noch keinesfalls ein Argument für einen grundlegenden Rückzug aus Aktien. Vielmehr spricht das Umfeld dafür, Portfolios regelmäßig neu auszubalancieren und besonders stark gewachsene Positionen nicht unkontrolliert immer größer werden zu lassen.

 

  • Aktien bleiben der zentrale Renditebaustein. Nach der starken Entwicklung vieler Märkte erscheint eine neutrale Aktienquote weiterhin angemessen. Entscheidend bleiben Qualität, belastbare Geschäftsmodelle und nachvollziehbare Gewinne.
    Bei stark gelaufenen KI- und Technologiewerten sollte stärker unterschieden werden: Wer verdient bereits heute am Ausbau? Und wer investiert zwar enorme Summen, muss den wirtschaftlichen Erfolg daraus aber noch beweisen?
  • Anleihen bieten weiterhin attraktive laufende Erträge. Da Inflation und Zinspfad schwer kalkulierbar bleiben, erscheinen kurze bis mittlere Laufzeiten unverändert robuster als eine spürbare Verlängerung der Laufzeiten. Das Chance-Risiko-Verhältnis dort ist für uns nicht stimmig.
  • Gold und Rohstoffe behalten ihre Rolle als mögliche Absicherung gegen geopolitische Überraschungen und unerwartete Inflationsschübe.

Kapitalmärkte

Das Umfeld wird immer anspruchsvoller

Der Juli begann zunächst mit einer Fortsetzung der starken Markttrends des ersten Halbjahres. Die Nachfrage nach KI-Infrastruktur blieb hoch, Kapital floss weiter in Technologieaktien und insbesondere Halbleiterwerte hatten bis dahin außergewöhnliche Kursgewinne erzielt. Gleichzeitig wurde aber zunehmend sichtbar, wie stark sich Anleger auf wenige Gewinner konzentriert hatten. Anfang Juli flossen noch erhebliche Mittel in globale Aktien- und insbesondere Technologiefonds.

Mitte des Monats änderte sich das Bild deutlich. Besonders Halbleiter- und andere KI-nahe Aktien gerieten unter Druck. Der Philadelphia Semiconductor Index verlor innerhalb weniger Wochen mehr als ein Fünftel gegenüber seinem Juni-Hoch. Die zuvor nahezu ungebremste Aufwärtsbewegung wurde damit erstmals ernsthaft auf die Probe gestellt. In der Fachsprache spricht man bei Aktien, deren Kurse zuvor besonders stark gestiegen sind, häufig von „Momentum-Titeln“. Genau diese bisherigen Gewinner standen nun plötzlich auf der Verkaufsseite und die Medien sprachen vom „Momentum-Crash“. Eine wichtige Einordnung: Die Märkte stellten den KI-Trend nicht grundsätzlich infrage. Unternehmen meldeten weiterhin starke Nachfrage und erhöhten sogar ihre Kapazitäts- und Umsatzplanungen. Gleichzeitig reichten aber selbst gute Geschäftszahlen teilweise nicht mehr aus, um weitere deutliche Kurssteigerungen auszulösen. Warum? Die Messlatte war schlicht sehr hoch geworden.

Parallel blieben geopolitische Risiken präsent. Erst in der letzten Ausgabe schrieben wir: „Ein fragiler Frieden ist noch keine belastbare Stabilität“. Am 8. Juli erklärte US-Präsident Trump das zuvor vereinbarte Rahmenabkommen mit Iran für beendet. Ölpreise sprangen daraufhin deutlich an, Aktien und Anleihen gerieten zunächst unter Druck. Die Marktreaktion blieb jedoch wesentlich kontrollierter als während der Eskalation im Frühjahr. Anleger unterschieden zunehmend zwischen politischen Drohungen und einer tatsächlich längerfristigen Unterbrechung der Energieversorgung. Im weiteren Monatsverlauf nahm dieses Risiko allerdings wieder zu. Angriffe auf Schifffahrtswege im Roten Meer trafen auf die weiterhin eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus. Brent-Öl stieg zwischenzeitlich wieder über 100 US-Dollar je Barrel. Zusätzlich kündigten die USA neue Zölle gegen zahlreiche Handelspartner an. Damit kamen zwei klassische Inflationsrisiken gleichzeitig zurück: höhere Energiepreise und höhere Importkosten.

Die wichtigste Kapitalmarktbeobachtung für uns war daher nicht, dass Anleger grundsätzlich vorsichtiger wurden. Vielmehr sortierte der Markt jetzt stärker. Nach Monaten, in denen vor allem die stärksten Trends noch stärker wurden, gewann die Frage an Bedeutung, welche Bewertungen tatsächlich durch Gewinne und Cashflows gedeckt sind.

Wirtschaftliche Lage

Das Wachstum hält an, aber ohne große Puffer

Auch die Konjunkturdaten zeichneten im Juli kein einheitliches Bild. Der Internationale Währungsfonds (IWF) senkte seine Prognose für das globale Wachstum 2026 leicht auf rund drei Prozent. Die Weltwirtschaft zeigt sich damit widerstandsfähiger, als es die geopolitischen Belastungen erwarten lassen könnten, verfügt aber weiterhin über wenig Spielraum für zusätzliche Schocks. Zu den wichtigsten Risiken zählt der IWF neben dem Nahostkonflikt und einer erneuten Inflationsbeschleunigung inzwischen ausdrücklich auch eine mögliche Korrektur im stark gelaufenen KI-Sektor.

In den USA wurde das Bild im Monatsverlauf differenzierter. Der bereits Anfang Juli veröffentlichte Arbeitsmarktbericht für Juni fiel schwächer aus als erwartet. Die später (Anfang August) veröffentlichten Juli-Daten verstärkten diesen Eindruck nochmals: Die Beschäftigung ging leicht zurück, während frühere Zahlen nach unten korrigiert wurden. Der US-Arbeitsmarkt zeigt also deutlich weniger Dynamik als noch zu Jahresbeginn.

Gleichzeitig blieb die Binnennachfrage bemerkenswert robust. Die US-Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal zwar nur mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 1,5 Prozent. Hinter der vergleichsweise schwachen Gesamtzahl verbarg sich jedoch eine deutlich bessere Entwicklung von Konsum und privaten Investitionen. Besonders die Ausgaben für Ausrüstung, unter anderem für den Ausbau der KI-Infrastruktur, stiegen kräftig. Ein Teil des schwächeren Bruttoinlandsprodukts war darauf zurückzuführen, dass diese Nachfrage durch hohe Importe gedeckt wurde.

Bei der Inflation gab es zunächst Entlastung. Die US-Verbraucherpreise gingen im Juni gegenüber dem Vormonat zurück, vor allem aufgrund damals niedrigerer Energiepreise. Im Jahresvergleich blieb die Inflation mit 3,5 Prozent jedoch deutlich oberhalb des Fed-Ziels. Die erneute Verteuerung von Öl im weiteren Verlauf des Juli zeigte deshalb, wie schnell ein Teil dieser Entlastung künftig wieder verloren gehen kann.

Die US-Notenbank beließ ihren Leitzins Ende Juli bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Bemerkenswert war weniger die Entscheidung selbst als die krasse Uneinigkeit innerhalb der Fed: Drei Mitglieder stimmten für eine Zinserhöhung. Fed-Chef Kevin Warsh verzichtete gleichzeitig erneut weitgehend auf konkrete Hinweise zum weiteren Zinspfad. Das erhöht die Unsicherheit für Anleger und dürfte dazu führen, dass einzelne Konjunktur- und Inflationsdaten künftig stärkere Marktreaktionen auslösen. Auch die EZB hielt ihre Zinsen im Juli unverändert. Nach der Zinserhöhung im Juni möchte sie zunächst abwarten, wie stark sich der vorangegangene Energiepreisschock auf Inflation, Löhne und Nachfrage auswirkt. Weitere Zinsschritte schloss sie ausdrücklich nicht aus.

Für Europa gab es im Juli vorsichtig positive Signale. Der zusammengefasste Einkaufsmanagerindex für Industrie und Dienstleistungen setzte sich wieder deutlicher über die Wachstumsschwelle. Vor allem die Dienstleistungen verbesserten sich, während auch die Industrieproduktion zulegte. Allerdings beruhte ein Teil der industriellen Stärke weiterhin auf dem Abbau alter Auftragsbestände, während die Exportnachfrage schwach blieb. Von einem kräftigen europäischen Aufschwung kann daher nicht gesprochen werden.

Fokusthema

KI-Investitionen müssen zeitnah Rendite liefern

Bereits im letzten Marktbericht hatten wir darauf hingewiesen, dass der KI-Boom zunehmend an konkreten Gewinnen, Margen und Finanzierungskosten gemessen werden dürfte. Im Juli wurde dieser Realitätscheck an den Börsen viel deutlicher sichtbar. Nach der außergewöhnlichen Rally bei Halbleitern, Speicherherstellern und anderen Unternehmen aus der KI-Infrastruktur kam es zu einer scharfen Korrektur. Die Ursache war nicht eine plötzlich verschwundene Nachfrage nach künstlicher Intelligenz. Im Gegenteil: Der Ausbau von Rechenzentren, Chips, Stromversorgung und Netzwerken läuft weiter auf Hochtouren. Anleger begannen jedoch stärker zu fragen, ob die enormen Investitionen wirtschaftlich dauerhaft gerechtfertigt sind.

Besonders sichtbar wird diese Frage bei den sogenannten Hyperscalern. Gemeint sind große Technologieunternehmen wie Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta oder Oracle, die enorme Summen in Rechenzentren und Cloud-Infrastruktur investieren. Bislang wurden steigende Investitionsbudgets an der Börse häufig positiv bewertet: Wer mehr in KI investiert, sollte schließlich auch stärker vom künftigen Wachstum profitieren. Inzwischen wird diese Logik genauer geprüft und teilweise auf den Kopf gestellt. Der Aufbau der Infrastruktur kostet zunächst sehr viel Geld, während die daraus erwarteten (ziemlich unsicheren) Erträge erst mit Verzögerung entstehen.

Das zeigt sich zunehmend beim freien Cashflow. Dieser bezeichnet vereinfacht das Geld, das einem Unternehmen nach dem laufenden Geschäft und seinen Investitionen tatsächlich zur Verfügung steht. Gerade dieser Wert gerät bei einigen großen Technologieunternehmen unter Druck. Beispielsweise bei Alphabet führte der starke Investitionsanstieg im zweiten Quartal trotz sehr hoher Umsätze und Gewinne erstmals zu einem negativen freien Cashflow. Die Investitionen beliefen sich allein im Quartal auf knapp 45 Milliarden US-Dollar.

Damit verschiebt sich die entscheidende Frage, wer am meisten in KI investiert hin zu sichtbaren Antworten, wer mit diesen Investitionen erkennbares Geld verdient. Dabei wäre es unserer Meinung nach jedoch falsch, die hohe Investitionstätigkeit automatisch als Warnsignal zu verstehen. Ein großer Teil der Ausgaben fließt in reale Infrastruktur, für die weiterhin eine hohe Nachfrage besteht. Zudem sind die Auftragsbestände vieler Cloud- und Infrastrukturunternehmen stark gewachsen. Für die Jahre ab 2028 erwarten verschiedene Marktanalysen wieder eine deutliche Verbesserung der Cashflows, wenn heute aufgebaute Kapazitäten stärker genutzt werden, Umsätze aus bestehenden Aufträgen zufließen und das Wachstum der Investitionsausgaben nachlässt. Aber exakt diese zeitliche Lücke macht das Thema für Anleger so „spannend“. Viel Kapital muss heute ausgegeben werden, während ein Teil der erhofften Rendite erst in einigen Jahren sichtbar wird. Je höher Finanzierungskosten und Bewertungen sind, desto kritischer wird der Markt hinterfragen, ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht.

Wir meinen: Das ist langfristig eher gesund als negativ. Ein Markt, der stärker zwischen tatsächlichem wirtschaftlichem Erfolg und bloßen Zukunftserwartungen unterscheidet, schafft bessere Voraussetzungen für weitere Renditen. Kurzfristig bedeutet dies jedoch höhere Schwankungen, überwiegend bei Unternehmen, deren Aktienkurse bereits sehr optimistische Annahmen vorwegnehmen.

Aktienmärkte

In den Schlagzeilen extrem starke Zahlen der Berichtsaison

Unterstützung erhielten die Aktienmärkte von einer außergewöhnlich guten US-Berichtssaison. Bis zum Redaktionsschluss hatten laut FactSet 88 Prozent der Unternehmen im S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt. 86 Prozent übertrafen die Gewinnerwartungen, 76 Prozent die Umsatzschätzungen. Das ausgewiesene Gewinnwachstum erreichte rund 50 Prozent (!) und wäre damit das höchste seit 2021. Auch die Umsätze wuchsen so stark wie seit Ende 2021 nicht mehr. Die spektakuläre Gewinnzahl sollte allerdings nicht unkritisch gelesen werden. Ein erheblicher Teil stammt nicht aus dem laufenden operativen Geschäft, sondern aus hohen Wertsteigerungen von Unternehmensbeteiligungen.

Besonders deutlich zeigt sich dies beispielsweise bei Alphabet und Amazon. Alphabet verbuchte im zweiten Quartal rund 98 Milliarden US-Dollar sonstige Erträge, überwiegend aufgrund gestiegener Bewertungen von Beteiligungen. Amazon verbuchte rund 53 Milliarden US-Dollar, vor allem im Zusammenhang mit seiner Beteiligung am derzeit noch nicht börsennotierten KI-Unternehmen Anthropic. Diese Wertsteigerungen erhöhen zwar den bilanziellen Gewinn, sind aber zunächst keine zusätzlichen Einnahmen aus dem eigentlichen operativen Geschäft. Ohne Alphabet und Amazon würde das Gewinnwachstum des S&P 500 statt bei gut 50 Prozent bei rund 32 Prozent liegen. Auch diese bereinigten 32 Prozent wären immer noch ausgesprochen stark!

Das ist die wichtigere Botschaft. Die Berichtssaison ist nicht nur wegen buchhalterischer Sondereffekte gut. Die Umsätze wachsen kräftig, eine ungewöhnlich hohe Zahl von Unternehmen übertrifft die Erwartungen, und die Gewinnschätzungen wurden im Verlauf der Berichtssaison erneut deutlich nach oben korrigiert. Ende Juni war für das zweite Quartal noch ein Gewinnwachstum von lediglich gut 23 Prozent erwartet worden. Dieses Muster begleitet uns bereits seit dem Frühjahr. Im Mai hatten wir darauf hingewiesen, dass Analysten ihre Gewinnschätzungen ungewöhnlicherweise nicht nach unten, sondern in vielen Bereichen nach oben korrigierten. Die aktuellen Zahlen bestätigen diese grundsätzlich positive Entwicklung.

Gleichzeitig erklärt sie, warum die Anforderungen an die Unternehmen steigen. Wer mit einer hohen Bewertung gehandelt wird und bereits hohe Gewinnerwartungen erfüllen soll, hat wenig Spielraum für Enttäuschungen. Im Juli zeigte sich deshalb mehrfach, dass selbst gute Zahlen nicht automatisch zu steigenden Aktienkursen führten. Immer häufiger spielen Investitionen, Cashflow und der Ausblick eine mindestens ebenso große Rolle wie der ausgewiesene Quartalsgewinn.

 

Worauf Anleger in den kommenden Monaten achten sollten

In den kommenden Wochen dürfte sich vor allem zeigen, ob der im Juli begonnene Realitätscheck bei künstlicher Intelligenz nur eine vorübergehende Korrektur war oder eine dauerhafte Veränderung der Marktlogik einleitet. Einen ersten wichtigen Hinweis liefern Ende August erneut die Zahlen großer KI-Unternehmen. Nach den stark gestiegenen Investitionen in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur wird der Markt noch genauer darauf achten, ob Nachfrage, Gewinne und Cashflows mit den hohen Erwartungen Schritt halten.

Auch die Geldpolitik bleibt wichtig – allerdings weniger wegen eines einzelnen Zinsentscheids. Ende August treffen sich führende Notenbanker in Jackson Hole. Gerade unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh dürfte dabei die Frage im Mittelpunkt stehen, wie die Notenbank auf das Spannungsfeld zwischen weiterhin erhöhten Inflationsrisiken und einer etwas schwächeren Konjunkturdynamik reagiert. Gleichzeitig weisen Liquiditätsanalysen wie die des Experten Michael Howell darauf hin, dass der globale Liquiditätszyklus seinen Höhepunkt bereits überschritten haben könnte. Das würde bedeuten: Selbst ohne deutlich höhere Leitzinsen könnten die Finanzierungsbedingungen für Risikoanlagen allmählich weniger unterstützend werden.

Im Oktober folgt mit der nächsten Berichtssaison der nächste größere Prüfstein. Dann wird sich zeigen, ob die zuletzt stark angehobenen Gewinnerwartungen gerechtfertigt bleiben und ob die großen Technologieunternehmen überzeugender darlegen können, wie aus ihren enormen KI-Investitionen künftig steigende Cashflows und Renditen entstehen.

Fazit

Der Markt verlangt zunehmend Beweise

Der KI-Boom bleibt intakt, wird aber zunehmend an härteren Maßstäben gemessen. Nach der Suche nach den nächsten Engpässen bei Chips, Speicher, Rechenzentren und Energieversorgung rücken inzwischen stärker Bewertungen, Gewinne und Finanzierungskosten in den Fokus. Im Juli stand deshalb vor allem die Frage im Raum, ob die enormen Investitionen auch dauerhaft angemessene Erträge liefern.

Gleichzeitig bleibt das Fundament der Aktienmärkte überraschend solide. Die Unternehmensgewinne wachsen stark und die Erwartungen werden weiter nach oben korrigiert. Allerdings zeigen sowohl die Korrektur der bisherigen Börsengewinner als auch die Diskussion über Cashflows, dass Anleger zunehmend genauer unterscheiden.

Anleger sollten in diesem Umfeld anhaltend diszipliniert agieren. Sinnvoll erscheint eine ausgewogene Struktur mit robusten, gut kalkulierbaren Kernbausteinen auf der einen und gezielten Wachstumschancen bzw. „KI-Themen“ auf der anderen Seite. Nach starken Kursbewegungen sollten Portfolios regelmäßig überprüft und übergroße Gewinnerpositionen gegebenenfalls zurückgeführt werden. So lassen sich Chancen nutzen, ohne dass einzelne Themen das Gesamtrisiko dominieren.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob künstliche Intelligenz ein bedeutender Investitionszyklus bleibt. Viel wichtiger wird, welche vordergründig spannenden Unternehmen daraus dauerhaft attraktive Renditen erwirtschaften können.

Entwicklungen im Juli 2026

Bankhaus Herzogpark - Marktbericht Juli 2026

Entwicklungen (5 Jahre)

Bankhaus Herzogpark - Marktbericht Juli 2026

 

Quelle Performance: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden. Daten per 31.07.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben. Der Balken für Brent-Öl wurde zur besseren Übersichtlichkeit verkürzt dargestellt.

 

Quellen Marktbericht: Aktuelle Nachrichtenlage, Marktreaktionen und ökonomische Einschätzungen für Juli 2026 sowie bis Redaktionsschluss 9. August 2026 veröffentlichte ergänzende Daten; insbesondere Bloomberg, FactSet, IWF, Federal Reserve, EZB.