Rückblick auf das 1. Quartal 2026
Einem guten Start in das neue Jahr folgt die Volte des Irankriegs
Das von uns zu Jahresbeginn gewählte Bild des „Feuer-Pferdes“ beschreibt das Marktumfeld weiterhin treffend: ein Umfeld mit Dynamik, aber auch überraschenden Richtungswechseln.
Nach einem gelungenen Jahresstart rückte der Fokus der Anleger vom dominierenden Narrativ rund um den Boom Künstlicher Intelligenz ab. Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten mit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran stand stattdessen ab März klar im Mittelpunkt. Durch iranische Gegenangriffe wurden Produktionsstätten einiger Golfstaaten nachhaltig beschädigt. Insbesondere durch die faktische Schließung der Straße von Hormus schossen die Energiepreise nach oben. Sie beeinflussen Inflationserwartungen und geldpolitische Maßnahmen in einem Umfeld hoher staatlicher Verschuldung und der Finanzierung weiterer Defizite. Wie lange können sich die USA den Krieg politisch und wirtschaftlich leisten? Zwischen Rhetorik und Realität liegen Welten: Einen einfachen Ausweg gibt es nicht mehr. Auch eine einfache Rückkehr zur Normalität an den Kapitalmärkten erscheint in dieser Konstellation schwierig, je länger der Konflikt im Nahen Osten dauert.
Trotz erhöhter Unsicherheit und Risiken zeigt sich die fundamentale Ausgangslage insgesamt stabil: Die Weltwirtschaft wächst moderat, Unternehmensgewinne sowie die wichtigen Gewinnschätzungen entwickeln sich meist robust. Strukturelle Investitionstrends rund um Künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Verteidigung bleiben intakt.
Entwicklungen im 1. Quartal 2026 im Überblick
Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden. Daten per 31.03.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben. Hinweis: Der Balken für Brent-Öl wurde zur besseren Vergleichbarkeit der übrigen Märkte gekürzt.
Die globale Konjunktur entwickelte sich im ersten Quartal auf Basis erster Indikationen insgesamt tragfähig. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes und Umfragen deuten trotz des geopolitischen Schocks auf moderates Wachstum hin. Die OECD erwartet für 2026 nun ein etwas gedämpftes Wachstum von 2,9 Prozent. Ohne Energiepreisschock wäre eine – in unseren Jahresausblicken bereits erwartete – Aufwärtsrevision möglich gewesen.
Stabile Frühindikationen: Einkaufsmanagerindizes der Industrie
Grafik: Der Trend der globalen Industriestimmung bleibt trotz geopolitischer Unsicherheit noch (?) erfreulich über der Expansionsmarke von 50. Deutschland konnte zuletzt wieder zum globalen Trend aufschließen.
Quelle: S&P Global, FactSet, Stand: 4. April 2026
Die US-Wirtschaft zeigt sich vergleichsweise widerstandsfähig. Konsum und Arbeitsmarkt bleiben vor allem in den oberen Einkommensgruppen stabil, auch wenn es erste Anzeichen einer Abschwächung gibt. In Europa bleibt die Wirtschaftsentwicklung verhaltener und wird überwiegend von den umfangreichen staatlichen Investitionsprogrammen gestützt. Dies konnte man beispielsweise an den überraschend hohen Auftragseingängen der deutschen Industrie zu Beginn des Jahres ablesen. Fiskalische Impulse wie Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung gewinnen jedoch nicht nur in Deutschland an Bedeutung; auch in Japan, Kanada und den USA stellen staatliche Maßnahmen ein spürbares Gewicht dar. Auch China stabilisiert seine Wirtschaft durch gezielte Impulse, insbesondere in strategischen Schlüsseltechnologien (z.B. massive Förderung von KI, Halbleitern, Robotik, Energiespeichern und Biotech). Es priorisiert technologische Souveränität und industrielle Stärke dabei konsequent vor konsumgetriebenem Wachstum. Die zwangsläufig entstehenden Überkapazitäten sind gewollt: Die hohen Investitionen führen zu Exportdruck und verschärftem Wettbewerb mit Europa.
Die Inflationsraten waren in den westlichen Industriestaaten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen, liegen aktuell jedoch wieder oberhalb der typischen Zielwerte vieler Notenbanken. Nach den neuesten Inflationsdaten von 2,5 Prozent in der Eurozone zeigt sich, wie anfällig die Inflation für externe Schocks bleibt. Wesentlicher Treiber waren die sprunghaft gestiegenen Energiepreise im Zuge der Eskalation des Konflikts zwischen Israel, USA und Iran. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Transportverbindungen für Öl und Gas weltweit. Bereits die Gefahr von Einschränkungen führte zu einer spürbaren Risikoprämie am Energiemarkt. Eskalierende Angriffe der Konfliktparteien auf die Energieinfrastruktur in der gesamten Region resultieren in einem längeren Produktionsausfall. Dieser dürfte Europa stärker treffen als die USA selbst, die mittlerweile ein Netto-Energieexporteur sind.
Düngemittel: Preisanstieg zum Vorjahr in Prozent
Grafik: Der aktuelle Anstieg der Düngemittelpreise deutet auf Folgewirkungen für Nahrungsmittelpreise und Inflation hin – jedoch noch nicht im gleichen Ausmaß wie 2021/2022.
Quelle: Weltbank, FactSet, Stand: 31. März 2026
Steigende Energiepreise wirken wie eine Steuer auf die Weltwirtschaft: Sie erhöhen Produktionskosten, belasten den Konsum und lassen Inflationsraten wieder steigen. Anders als nach 2020 stehen heute jedoch weniger frei verfügbare finanzielle Puffer zur Verfügung – während der damaligen Corona-Lockdowns konnte man schlichtweg kaum Geld ausgeben. Erst danach entlud sich die aufgestaute Nachfrage und sorgte für die damalige Teuerungswelle. Die jetzt schmaleren Geldbeutel belasten perspektivisch den Spielraum für Konsum. Der positive Nebeneffekt ist also, dass aus diesem Blickwinkel die Teuerung nicht zusätzlich befeuert wird.
Erdgas ist ein zentraler Inputfaktor in der Düngemittelproduktion. Entsprechend reagieren Düngemittelpreise sehr sensibel auf geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie auf Störungen von Energie- und Handelsströmen. Über die Golfstaaten werden erhebliche Teile der weltweiten Nachfrage nach Düngemitteln bedient – ausgerechnet zur Aussaat im Frühjahr droht ein Angebotsausfall, der sich später in deutlich steigenden Nahrungsmittelpreisen bis hin zu Engpässen widerspiegeln könnte.
Die Notenbanken befinden sich daher im Auftrag der Geldwertstabilität weiterhin in einem äußerst anspruchsvollen Spannungsfeld. Kann man einem externen Angebotsschock überhaupt durch eine Geldpolitik begegnen, die vor allem auf die Nachfrageseite der Wirtschaft zielt? Eine schnelle Lockerung der Geldpolitik erscheint gewagt: Einerseits ziehen die Inflationsraten für einige Zeit wieder an, andererseits könnten die geopolitischen Risiken die weltweite Konjunktur abwürgen. Das Unwort Stagflation macht sich in mancher Diskussion bereits breit. Ganz entscheidend wird sein, wie lange die Störungen der Energie- und Düngemittelversorgung anhalten – buchstäblich jeder Tag zählt. Insgesamt haben die Kapitalmärkte ihre Erwartungen an weitere Zinssenkungen vor allem der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Jahresverlauf zuletzt aufgrund der neuen Umstände deutlich reduziert.
Inflation in Deutschland und EZB-Leitzins
Grafik: Trotz Rückgang bleibt die Teuerung anfällig für den neuerlichen Energiepreisschock. Die EZB bewegt sich zwischen Wachstumsschwäche und Inflation – mit steigenden Leitzinsen rechnen wir daher vorerst nicht.
Quelle: FactSet, Stand: 4. April 2026
Fast in den Hintergrund gerückt sind die letztjährigen Diskussionen um die Fed. US-Präsident Donald Trump hat Ende Januar Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden nominiert. Warsh soll Jerome Powell ablösen, dessen Amtszeit als Fed-Chef im Mai 2026 endet. Der „Neue“ war bereits von 2006 bis 2011 Mitglied im Gouverneursrat der Fed. Die Nominierung wurde von den Kapitalmärkten bislang wohlwollend aufgenommen. Sie verbinden mit Kevin Warsh die Erwartung einer strukturellen Neuausrichtung der Geldpolitik, die zwischen Trumps Forderungen nach sehr niedrigen Zinsen und Warshs eigener stabilitätsorientierter Agenda steht.
Auch die Handelspolitik sorgte im ersten Quartal erneut für erhöhte Aufmerksamkeit. Der US Supreme Court entschied im Februar 2026, dass Zölle nicht auf Basis des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA von 1977) verhängt werden können, da die Verfassung die Kompetenz zur Erhebung von Zöllen grundsätzlich dem Kongress zuweist. Die US-Administration reagierte kurzfristig mit einer neuen globalen Importabgabe von zunächst 10 Prozent auf Grundlage von Section 122 des Trade Act von 1974. Nur wenige Tage später wurde eine Erhöhung auf die maximal zulässigen 15 Prozent bereits angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. Die Maßnahme ist auf der aktuellen rechtlichen Basis jedoch auf 150 Tage (Juli 2026) begrenzt. Danach ist eine weitergehende gesetzliche Grundlage erforderlich. Parallel wurden neue Untersuchungen nach Section 301 eingeleitet, um längerfristige Zölle zu ermöglichen.
Die Entwicklungen waren in weiten Teilen am Kapitalmarkt so erwartet worden. Für Unternehmen wie auch Kapitalanleger bleibt es jedoch bei erhöhter Unsicherheit hinsichtlich der Stabilität von Handelsregeln und Lieferketten.
Aktien
Märkte im Realitätscheck: Neue Gewinner, neue Zweifel
Die Aktienmärkte entwickelten sich im ersten Quartal sehr uneinheitlich. Während europäische und asiatische Aktienmärkte bis zum Kriegsausbruch teilweise deutlich zulegen konnten, zeigte sich vor allem der US-Technologiesektor in einem insgesamt stagnierenden US-Markt zwischenzeitlich sogar schwächer. Positiv ist zudem, dass sich die Marktbreite verbessert hatte und die Entwicklung nicht mehr ausschließlich von wenigen großen Firmen oder nur einzelnen Ländern getragen wird.
Ein zentrales Thema bleibt weiterhin die Entwicklung im Bereich künstliche Intelligenz. Große Technologieunternehmen investieren anhaltend und massiv in Chips, Rechenzentren und entsprechende Softwarelösungen. Gleichzeitig wird intensiv diskutiert, wie schnell sich diese Investitionen in steigenden Gewinnen niederschlagen. Der Kapitalmarkt beginnt stärker zu differenzieren zwischen Unternehmen, die bereits kurzfristig profitieren, und solchen, bei denen zunächst steigende Kosten im Vordergrund stehen.
Auffällig ist dabei ein gewisser Widerspruch: Während ein Teil des Marktes die hohen Investitionen skeptisch bewertet, hat sich zugleich die Erzählung von „Software frisst die Welt“ (Titel eines Essays im Wall Street Journal aus dem Jahr 2011) zunehmend zu „KI frisst Software“ verschoben – also zu der Erwartung, dass künstliche Intelligenz zunehmend selbst Programmieraufgaben übernimmt und die Erstellung vieler Softwarelösungen vereinfacht. Sollte KI tatsächlich zu erheblichen Produktivitätsgewinnen führen, dürften sich diese mittelfristig konsequenterweise auch in steigenden Unternehmensgewinnen widerspiegeln. Beide Sichtweisen gleichzeitig lassen sich daher nur begrenzt aufrechterhalten. Sie machen trotz aller Chancen für die mittelfristige Perspektive die derzeitige Anlagepolitik jedoch äußerst herausfordernd.
Im Zuge der KI-Zweifel tauchte am Kapitalmarkt vermehrt das Schlagwort HALO („Heavy Assets, Low Obsolescence“) auf. Gemeint sind Unternehmen mit hohen physischen Vermögenswerten und geringerem Disruptionsrisiko, etwa aus den Bereichen Industrie, Energie, Infrastruktur oder Versorger. Das einfache KI-Narrativ der Vorjahre hatte damit ausgedient. Stattdessen honorierte der Markt nun verstärkt Geschäftsmodelle der „alten Industrien“, deren Wertschöpfung weniger leicht durch KI verdrängt werden kann. Dies führte vor allem in den ersten beiden Kalendermonaten zu erheblichen Branchenrotationen und einem Comeback vieler zuvor zurückgebliebener Aktien.
Aufgrund des zunehmend eskalierenden Geschehens im Nahen Osten setzten sich diese Entwicklungen im März jedoch nicht weiter fort. Infolge der veränderten Energie- und Wirtschaftslage wurden vor allem zyklische oder zinssensible Branchen abverkauft. Außer Energieaktien konnte im Einzelmonat März keine Branche Zugewinne verzeichnen. Bei allen 19 anderen von uns beobachteten Industriezweigen stellte sich lediglich die Frage nach der Höhe der Verluste. In Europa zählen im bisherigen Jahresverlauf konsumorientierte Aktien zu den schwächsten Segmenten. Insbesondere hatten Reise- und Fluggesellschaften, Automobilwerte sowie Medienunternehmen teils zweistellige Rückgänge. Gewinner stammen vor allem aus dem Bereich Rohstoffe, allen voran Öl- und Gastitel, zudem Telekommunikation sowie Versorgeraktien.
Auch international zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele Börsenbarometer drehten von zuvor positiven Entwicklungen ins Minus. Auch die gut laufenden asiatischen Märkte bzw. Schwellenländer konnten sich von den Ereignissen nicht vollständig entkoppeln, zeigen sich im laufenden Jahr per Saldo jedoch vergleichsweise stabil. Zugewinne kann unter den etablierten Märkten aktuell nur noch Japan verzeichnen. In Summe weist der MSCI Weltaktienindex (inkl. Schwellenländer) ein Minus von 3,1 Prozent auf US-Dollar-Basis auf, während der historisch in solchen Phasen stets anfällige DAX sogar 7,4 Prozent verlor.
Entwicklung der Gewinnschätzungen im STOXX Europe 600
Grafik: Derzeit erwarten die Analysten noch ein moderates Gewinnwachstum für Europa, das besser ausfallen soll als in den Vorjahren üblich.
Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 4. April 2026 (Schätzungen für die nächsten 12 Monate). Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.
Die bislang vorliegenden Gewinnberichte bestätigen insgesamt ein solides Fundament der Unternehmen. Für die Unternehmen im S&P 500 wird für das erste Quartal das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum erwartet. Besonders stark entwickeln sich weiterhin Technologie-, Finanz- und Rohstoffunternehmen. Auch in Europa zeichnet sich eine moderate Verbesserung ab: Für die Unternehmen des STOXX 600 wird aktuell ein moderater Gewinnanstieg erwartet, unterstützt vor allem durch den Energiesektor infolge gestiegener Rohstoffpreise.
Auffällig ist, dass positive Ergebnisse nicht immer zu steigenden Kursen führen. Investoren achten angesichts der insgesamt erhöhten Marktbewertungen zunehmend stärker auf den Ausblick der Unternehmen, insbesondere auf die Entwicklung der Margen, Investitionsausgaben im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sowie mögliche Auswirkungen von Zöllen und Energiepreisen. Insgesamt signalisieren viele Unternehmen bislang weiterhin eine stabile Nachfrage, weisen jedoch zugleich auf ein anspruchsvolleres Umfeld mit höheren Kosten und politischer Unsicherheit hin.
Zinsen und Anleihen
Renditen steigen wieder – politische Spielräume sinken
Auch die Rentenmärkte waren im ersten Quartal von erhöhter Volatilität geprägt. Nachdem zu Jahresbeginn noch mit Zinssenkungen vor allem der US-Notenbank Fed gerechnet wurde, führten insbesondere der Anstieg der Energiepreise sowie die Unsicherheiten über den weiteren Inflationsverlauf im Zuge des Iran-Konflikts zu einer Neubewertung des möglichen Zins- und Renditepfads. Die Renditen von Staatsanleihen über nahezu alle Laufzeiten hinweg bewegten sich entsprechend spürbar nach oben, was im Kontext der hohen Staatsverschuldung vieler Industrienationen problematisch ist. Gewinner in diesem Umfeld waren jedoch inflationsgeschützte Anleihen (Inflation Linked Bonds), die unmittelbar auf steigende Inflationserwartungen mit Kursgewinnen reagieren.
Erneut zeigte sich in diesem Zusammenhang das Phänomen, dass Donald Trump seine Tonalität oder Maßnahmen bei zu starken Marktverwerfungen abschwächt, um die Kapitalmärkte zu beruhigen. Hohe Zinsen können sich die USA schlicht nicht leisten. Weiterhin ist also der eigene Rentenmarkt der ultimative Endgegner für den US-Präsidenten. Bereits im vergangenen Jahr wurde dieses Verhalten als „TACO“ bezeichnet: Trump always chickens out, Trump macht also regelmäßig einen Rückzieher.
Unternehmensanleihen entwickelten sich trotz der zunehmenden Risikoaversion weitgehend stabil. Die Risikoaufschläge erhöhten sich krisenbedingt nur moderat, da die Fundamentaldaten der Unternehmen überwiegend solide sind. Gleichzeitig deutet dies auf die Erwartung einer weiterhin robusten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hin. Von einer ausgeprägten Stresssituation am Kreditmarkt kann bislang nicht gesprochen werden.
Im Vergleich zu den Jahren vor 2022 bieten Anleihen weiterhin deutlich höhere laufende Renditen. Laufende Kupons gewinnen damit wieder stärker an Bedeutung für die Gesamtrendite eines Portfolios. Ob diese Renditen auch real – also nach Abzug der Inflation – attraktiv bleiben, hängt wesentlich vom konkreten Inflationsverlauf ab. Gleichzeitig erfüllen Anleihen wieder verlässlicher ihre klassische Rolle als stabilisierender Portfolio-Baustein, nachdem dieser Diversifikations-effekt in der vergangenen Phase stark steigender Zinsen zeitweise eingeschränkt war. Die Kombination aus Verzinsung und Diversifikation erhöht daher trotz zwischenzeitlicher Schwankungen die Attraktivität dieser Anlageklasse.
Ausgesuchte Renditeentwicklungen im Vergleich
Grafik: Der Renditeanstieg bei Unternehmensanleihen (hier ausschließlich Papiere mit BBB-Rating) ist überwiegend auf das höhere Zinsniveau zurückzuführen. Die Risikoaufschläge bleiben bislang moderat und signalisieren keinen ausgeprägten Stress im Kreditmarkt.
Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 4. April 2026
Besonders relevant bleibt dabei die Laufzeitenstruktur: länger laufende Anleihen reagieren deutlich empfindlicher auf Veränderungen der Inflationserwartungen. Eine eher kürzere bis ausgewogene Duration (Kapitalbindungsdauer) kann helfen, Zinsänderungsrisiken zu begrenzen, ohne auf die inzwischen wieder attraktiven Renditen verzichten zu müssen.
Währungen und Rohstoffe
Energie bleibt der zentrale Risikofaktor
Die Öl- und Gaspreise reagierten naturgemäß deutlich auf die Eskalation im Nahen Osten. Neben dem tatsächlichen Ausfall von Produktionsanlagen preisen die Märkte vor allem eine Angst- und Risikoprämie für mögliche Versorgungsunterbrechungen ein, beispielsweise durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus. Der Preis für die Brent-Sorte verteuerte sich zum Quartalsende um über zwei Drittel auf rund 104 US-Dollar pro Fass.
Nur auf den ersten Blick profitierte der Goldpreis von der erhöhten Unsicherheit im ersten Quartal 2026. Er konnte per Saldo um gut fünf Prozent zulegen und damit Portfolios stabilisieren. Jedoch kam es ausgerechnet im März zu einem heftigen Abverkauf des Edelmetalls – die zwischenzeitlichen Gewinne lagen Ende Februar immerhin bei fast 20 Prozent. Der Rückgang im März erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, da Gold typischerweise von Unsicherheit profitiert. Allerdings werden in Phasen erhöhter Marktvolatilität häufig gerade gut gelaufene und liquide Positionen reduziert, um Gewinne zu sichern oder Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Hinzu kamen gestiegene Renditen sowie ein zeitweise stärkerer US-Dollar als alternativer sicherer Hafen.
Der zwischenzeitliche Abverkauf relativiert nicht die grundsätzliche Rolle von Gold im Portfolio. Im Gegenteil zeigt sich erneut, dass Gold meist dann gefragt ist, wenn Zweifel größer werden, kurzfristig jedoch typischen technischen Marktkorrekturen unterliegen kann. Ähnliches gilt für Silber, das zudem stärker industriell genutzt wird.
In Phasen erhöhter Unsicherheit profitieren liquide Währungen von ihrer Rolle als sicherer Hafen. Der US-Dollar zeigte sich im ersten Quartal für viele Beobachter daher möglicherweise überraschend stabil. Angesichts des ausgeprägten Pessimismus gegenüber dem Greenback war eine technische Gegenbewegung ohnehin überfällig. Allerdings muss man festhalten, dass die Aufwärtsbewegung im historischen Kontext sehr verhalten ausgefallen ist – kein gutes Omen für den Dollarverlauf der kommenden Jahre, der von einer strukturellen Abschwächung geprägt sein könnte. Auffällig ist, dass ebenfalls klassische „sichere Häfen“ wie Schweizer Franken oder Japanischer Yen bislang nicht überproportional profitieren konnten. Gleichzeitig zeigen sich rohstoffnahe Währungen wie Australischer Dollar oder Norwegische Krone fester. Die relative Stärke von Rohstoffwährungen gegenüber klassischen sicheren Häfen deutet darauf hin, dass die Kapitalmärkte derzeit vor allem einen energiepreisbedingten Belastungseffekt für Importländer einpreisen, weniger jedoch einen breiten globalen Wachstumseinbruch.
Perspektiven
für die kommenden Monate
Orientierung in einem komplexen Umfeld: Stabilität durch Struktur
Die Kapitalmärkte bleiben von mehreren parallel verlaufenden Entwicklungen geprägt:
• geopolitischen Spannungen
• moderatem Wirtschaftswachstum
• strukturellen Investitionszyklen
• geldpolitischer Unsicherheit
Der Iran-Konflikt verdeutlicht erneut, dass geopolitische Ereignisse kurzfristig erhebliche Marktbewegungen auslösen können. Gerade Kriege haben sich jedoch oft länger hingezogen als anfänglich angenommen. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass deren Einfluss auf die Kapitalmärkte häufig begrenzt bleibt, sofern keine nachhaltigen wirtschaftlichen Schäden entstehen.
Letzteres ist der entscheidende Punkt für die kommenden Monate: Es macht keinen Sinn, über den Ausgang des Irankriegs zu spekulieren, sondern mehrere Szenarien und Handlungsoptionen zu entwickeln. Es kommt jetzt – trotz beschwichtigender Worte sowie Verhandlungen bis zum Redaktionsschluss – sehr stark auf die Intensität und vor allem die Dauer der weiteren Kampfhandlungen in der Region an, selbst wenn sich die USA aus diesem Krieg zurückziehen sollten. Jeder Tag zählt für die Energieversorgung und die Landwirtschaft nahezu der ganzen Welt.
Weitgehend unabhängig vom weiteren Verlauf bleiben mehrere strukturelle Trends intakt. Investitionen in künstliche Intelligenz verändern Geschäftsmodelle und Produktivität nachhaltig. Auch staatliche Investitionsprogramme wirken stabilisierend auf die Konjunktur und Unternehmensgewinne.
Daraus lassen sich für mittel- bis langfristig orientierte Anleger folgende grundsätzliche Überlegungen ableiten:
• Eine robuste und breit diversifizierte Portfoliostruktur bleibt ein äußerst wirksames Mittel.
• Aktien sind ein zentraler Renditebaustein, insbesondere bei Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, solider Marktstellung, nachhaltiger Profitabilität und Preissetzungsmacht.
• Aktienquoten sollten – je nach Schwere der Szenarien – aus Vorsichtsgründen jedoch leicht untergewichtet und zunehmend defensiver ausgerichtet werden.
• Eine breite Diversifikation über Regionen sowie eine sinnvolle Branchenauswahl reduziert Abhängigkeiten von einzelnen politischen Entwicklungen.
• Anleihen bieten wieder attraktivere laufende Erträge und können zur Stabilisierung eines Portfolios beitragen. Laufzeiten sollten im Zuge der Inflationserwartungen hingegen nicht zu lang gewählt sein.
• Edelmetalle und andere Sachwertanlagen können helfen, Portfolios bzw. das Gesamtvermögen widerstandsfähiger gegenüber Inflationsrisiken und anderen Unsicherheiten zu gestalten.
Für einen mutigen, antizyklischen Einstieg am Aktienmarkt stehen die Zeichen derzeit noch nicht günstig genug. Die von uns beobachteten Stimmungs- und Positionierungsindikatoren deuten zwar auf zwischenzeitlichen Pessimismus und gelegentlich wiederkehrende Angst hin. Eine echte Panikspitze mit einem typischen, volumensstarken Ausverkauf bei Aktien hat es bislang jedoch erstaunlicherweise nicht gegeben. Das muss nicht zwingend eintreten, wäre jedoch ein sehr konstruktives Signal zumindest für eine kurzfristige Aufstockung von Positionen (vgl. zuletzt den „Corona-Crash 2020“ oder auch „Liberation Day“ vor exakt einem Jahr).
Beispiel eines aussagekräftigen Aktien-Positionierungsindikators
Grafik: Der Positionierungsindex zeigt, dass Investoren ihre Aktienquoten in unsicheren Phasen deutlich reduzieren. Eine typische Panikphase mit stark unterdurchschnittlicher Positionierung ist bislang jedoch ausgeblieben. Typischerweise werden dabei Werte etwa von 40 oder weniger erreicht (vgl. „Liberation Day 2025“, Markteinbruch 2022, „Corona-Crash 2020“).
Quelle: FactSet, 10 Jahre, Stand: 4. April 2026
Fazit: Das Jahr des „Feuer-Pferdes“ bleibt geprägt von einzelnen Dynamiken, schnellen Stimmungswechseln und einem spürbaren politischen Einfluss auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Gerade in solchen Phasen zeigt sich der Wert einer disziplinierten Anlagestrategie. Kurzfristige Entwicklungen sind schwer prognostizierbar. Langfristige Trends erweisen sich dagegen häufig als eindeutiger, als es die tägliche Nachrichtenlage vermuten lässt.
Entscheidender als kurzfristige Marktentwicklungen bleibt daher die Fähigkeit eines Portfolios, unterschiedliche Szenarien robust abbilden zu können. Eine austarierte Portfoliostruktur bleibt daher der verlässlichste Ansatz, um auch in einem anspruchsvollen Umfeld stabil investieren zu können.
