Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Das Wichtigste in Kürze

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Im Jahr des „Feuer-Pferdes“: Richtungswechsel, robuste Gewinne und der KI-Boom im Realitätscheck

Das erste Halbjahr 2026 war geprägt von schnellen Richtungswechseln. Auf den anfänglichen Optimismus rund um künstliche Intelligenz, Infrastruktur und staatliche Investitionsprogramme folgte im März der geopolitische Schock im Nahen Osten. Stark steigende Energiepreise, höhere Inflationserwartungen und vorsichtigere Notenbanken belasteten die Märkte deutlich. Ab April drehte sich das Bild erneut. Friedensbemühungen zwischen den USA und dem Iran, der Waffenstillstand sowie rückläufige Ölpreise führten zu sinkenden Risikoprämien. Gleichzeitig überzeugten viele Unternehmen mit robusten Quartalszahlen und teils nach oben revidierten Gewinnschätzungen.

Die Kapitalmärkte blickten daher zunehmend über die Krise hinaus. Auffällig war dabei, dass sich die Märkte weniger von der täglichen Nachrichtenlage als von der fundamentalen Gewinnentwicklung leiten ließen. Solange geopolitische Risiken nicht dauerhaft auf Konjunktur und Unternehmensgewinne durchschlagen, werden sie häufig als temporäre Belastung eingeordnet. Diese Widerstandskraft prägte die Erholung im zweiten Quartal.

Gleichzeitig wurde das Marktumfeld selektiver. Der KI-Boom blieb intakt, rückte aber zunehmend in einen Realitätscheck. Nicht mehr nur große Zukunftsvisionen standen im Fokus, sondern konkrete Umsatz- und Gewinnbeiträge, Finanzierungskosten und die Frage, ob hohe Investitionen angemessene Renditen liefern.

Zum Halbjahr bleibt das Umfeld damit konstruktiv, aber anspruchsvoll. Für das zweite Halbjahr rücken vorerst die klassischen Markttreiber in den Vordergrund: Zinsen und Gewinne. Anleger sollten daher investiert bleiben, aber Zielgewichte, Bewertungen und Risikokonzentrationen regelmäßig überprüfen.

Entwicklungen im 1. Halbjahr 2026 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden. Daten per 30.06.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Wirtschaftliche Lage

Moderate Weltwirtschaft, Europa mit Bremsspuren

Die globale Konjunktur entwickelte sich im ersten Halbjahr insgesamt tragfähig. Von einer Rezession kann bislang keine Rede sein. Gleichzeitig bleibt das Wachstum moderat und anfällig für neue Störungen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ging zuletzt von einem globalen Wachstum von gut drei Prozent im Jahr 2026 aus, die OECD zeichnete ein etwas gedämpfteres Bild. Beides passt zur aktuellen Lage: Die Weltwirtschaft wächst weiter, verfügt aber nicht über besonders große Sicherheitspuffer.

Die US-Wirtschaft bleibt vergleichsweise widerstandsfähig. Arbeitsmarkt und Konsum halten sich besser, als es viele Kapitalmarktexperten angesichts der weltweiten Entwicklungen und höherer Zinsen erwartet haben. In besonderem Maße stützen Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Halbleiter und Energieinfrastruktur die wirtschaftliche Dynamik. Die USA sind zudem weniger empfindlich gegenüber importierten Energiepreisschocks, weil sie über eine deutlich stärkere eigene Energieproduktion verfügen.

In Europa ist das Bild durchwachsen. Die Region leidet stärker unter höheren Energiepreisen, schwächerem Konsum und strukturellen Wettbewerbsproblemen. Zwar helfen in Deutschland beispielsweise staatliche Investitionsprogramme in Infrastruktur und Verteidigung. Auch niedrigere Energiepreise entlasteten zuletzt spürbar. Dennoch zeigen Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes, Sentix oder ifo im Verlauf des Halbjahres erste Bremsspuren bei Stimmung und Nachfrage.

Gerade die Einkaufsmanagerindizes sollten weiterhin mit etwas Vorsicht gelesen werden. Einige Industriedaten wirkten zwischenzeitlich robuster, als es die tatsächliche Nachfrage vermuten ließ. Ein Grund dafür waren längere Lieferzeiten, Anpassungen in den Lieferketten und vorsorglicher Lageraufbau. Unter normalen Bedingungen gelten längere Lieferzeiten oft als Zeichen hoher Nachfrage. In einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit können sie jedoch auch Angebotsprobleme, Vorratskäufe und Absicherungsmaßnahmen der Unternehmen widerspiegeln. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob die Industrie kurzfristig Belebung zeigt, sondern ob daraus in den kommenden Monaten eine belastbare Nachfrage entsteht.

KI-Boom erreicht die US-Realwirtschaft

Grafik: Die indexierte US-Industrieproduktion im IT- und Halbleiterbereich liegt inzwischen gut doppelt so hoch wie vor zehn Jahren. Zuletzt hat sich die Dynamik sichtbar beschleunigt. Das ist ein Hinweis darauf, dass der KI-Investitionsboom zunehmend in der Realwirtschaft und nicht nur in Aktienkursen ankommt.

Quelle: FactSet, Zeitraum: 2010 bis 2026, saisonal bereinigt.

In Asien bleibt das Bild differenziert. Viele Schwellenländer wachsen weiterhin schneller als die etablierten Industriestaaten, sind aber anfälliger für Ölpreisschocks, Währungsschwankungen und Veränderungen der globalen Risikobereitschaft. Indien bleibt einer der dynamischeren großen Wachstumsmärkte. China stabilisiert seine Wirtschaft dagegen weiter über staatliche Impulse und den Ausbau strategischer Schlüsseltechnologien wie Halbleiter, Robotik, Energiespeicher, Biotech und künstliche Intelligenz. Das stützt die chinesische Konjunktur, erhöht aber zugleich den Exportdruck und verschärft den Wettbewerb mit Europa. Japan wiederum nimmt in diesem Umfeld eine Sonderrolle ein. Die Wirtschaft wächst zwar strukturell langsamer als viele Schwellenländer, profitiert aber von einer stärker investitionsorientierten Wirtschaftspolitik, Unternehmensreformen und der weiterhin wichtigen Rolle japanischer Industrie- und Technologiekonzerne in globalen Lieferketten.

Für das zweite Halbjahr bleibt die wirtschaftliche Lage damit konstruktiv, aber anspruchsvoll. Der Rückgang der Energiepreise hilft. Die Belastungen aus dem vorangegangenen Energiepreisschock können jedoch mit Verzögerung noch auf Nachfrage, Margen und Investitionsentscheidungen wirken. Der fragil wirkende Frieden im Nahen Osten ist zudem noch keine dauerhaft belastbare Stabilität. Für die Wirtschaft zählt am Ende nicht eine Absichtserklärung, sondern ob Lieferwege wie die Straße von Hormus wirklich zuverlässig funktionieren, Versicherungsschutz für Schiffe wieder zu normalen Konditionen verfügbar ist, Reedereien ihre Routen normalisieren und Unternehmen ihre Lieferketten wieder planen können.

Aktien

Gewinne schlagen Geopolitik – aber der Markt wird selektiver

Die Aktienmärkte zeigten im ersten Halbjahr eine erstaunliche Widerstandskraft. Nach der geopolitischen Eskalation im März kam es zwar zu deutlichen Rückschlägen. Besonders zyklische, zinssensible und von Energie abhängige Branchen standen zeitweise unter Druck. Doch schon im April und Mai erholten sich viele Märkte kräftig. Entscheidend war dabei nicht allein die Entspannung im Nahen Osten, sondern vor allem die Gewinnseite.

Die Berichtssaison der Unternehmen fiel insbesondere in den USA stark aus. Viele Firmen konnten die Erwartungen nicht nur erfüllen, sondern übertreffen. Besonders auffällig war, dass Gewinnschätzungen der Analysten in wichtigen Bereichen seit Jahresbeginn nicht wie üblich gesenkt, sondern teilweise weiter angehoben wurden. Das ist ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass die Märkte nicht nur von Hoffnung getragen wurden, sondern dass zumindest ein Teil der erhöhten Bewertungen durch bessere Unternehmensdaten gestützt wird.

Gleichzeitig blieb der Aktienmarkt ungewöhnlich konzentriert. Der KI- und Halbleiterboom gewann im Verlauf des Halbjahres deutlich an Dynamik. Im Mai rückten vor allem neue Engpässe innerhalb der KI-Wertschöpfungskette in den Fokus: Speicherchips, Rechenzentren, Energieversorgung und Netzwerke. Der Markt suchte weniger neue Themen als vielmehr die nächsten Engpässe innerhalb desselben Megatrends. Das erste Halbjahr war damit kein klassischer, breiter Bullenmarkt, sondern eher ein Engpass-Bullenmarkt: Gekauft wurden vor allem Bereiche, in denen reale Knappheiten sichtbar wurden. Diese Konzentration zeigte sich entsprechend auf Branchenebene. In Europa gehörten Technologie, Energie, Rohstoffaktien, Versorger, Banken, Telekommunikation und Chemie zu den stärksten Bereichen des ersten Halbjahres. Schwach entwickelten sich dagegen Automobilwerte, Medien sowie konsumorientierte Branchen. In den USA zeigte sich ein etwas anderes Bild: Dort lagen vor allem Industrie, Technologie und Energie vorn, während Kommunikationsdienste, zyklischer Konsum und Finanzwerte zurückblieben. Die Aktienrally war damit keineswegs breit und gleichmäßig, sondern wurde von wenigen starken Themen und Branchen getragen.

Im Juni wurde diese Entwicklung stärker auf die Probe gestellt. Zuvor stark gelaufene Technologie- und Halbleiterwerte zeigten Rücksetzer. Das ist noch kein Bruch des KI-Trends. Es zeigt aber, dass die Kurse empfindlicher auf hohe Erwartungen, steigende Zinsen, kleine Veränderungen der „Story“ oder mögliche Gewinnenttäuschungen reagieren. Der KI-Boom bleibt für uns eines der wichtigsten Kapitalmarktthemen und reicht weit über das laufende Jahr hinaus. Aber die Diskussion verschiebt sich: von Zukunftsphantasie zu konkreten Umsatz- und Gewinnbeiträgen.

In dieses Bild passte auch der große mediale Fokus auf den Börsengang von SpaceX sowie die Diskussion über spätere Börsengänge von OpenAI und Anthropic. Solche Unternehmen stehen für langfristige Zukunftsthemen und enorme Marktphantasie. Für eine an Qualität und Profitabilität orientierte Vermögensverwaltung sind sie jedoch eher ein Stimmungsindikator: Die Risikobereitschaft ist offensichtlich hoch, sollte aber nicht mit starker Investmentqualität verwechselt werden.

Regional zeigte sich im ersten Halbjahr ein differenziertes Bild. Europa litt im ersten Quartal stärker unter der geopolitischen Eskalation und höheren Energiepreisen, konnte im Juni aber gegenüber den USA aufholen. Ob daraus eine nachhaltige Führungsrolle wird, bleibt offen. Viele strukturelle Herausforderungen Europas sind nicht verschwunden. Kurzfristig hilft jedoch, dass niedrigere Energiepreise die Konjunktur entlasten und einige Branchen von den Rückschlägen der Vormonate aufholen konnten. Gleichzeitig gibt es auch in Europa weiterhin viele Qualitätsunternehmen, auf die die Welt angewiesen ist.

Für das zweite Halbjahr wird die Berichtssaison zum nächsten Prüfstein. Wenn hohe Bewertungen durch steigende Gewinne untermauert werden, kann die konstruktive Grundstimmung anhalten. Wenn die Zahlen dagegen nur solide ausfallen, könnten Anleger enttäuscht reagieren. Das gilt besonders für Unternehmen aus dem Umfeld von Technologie, Halbleitern und KI.

S&P 500 steigt – Marktbreite bleibt begrenzt

Grafik: Die laufende Börsenhausse ist selektiver als frühere Aufschwünge. Der S&P 500 erreichte neue Höchststände, zugleich notieren nur rund 60 Prozent der Indexmitglieder über ihrer 200-Tage-Linie. In früheren breiten Aufwärtsphasen lag dieser Anteil häufig bei 70 bis 80 Prozent. Das spricht nicht gegen den Aufwärtstrend, zeigt aber: Die Stärke wird weiterhin von einem begrenzten Teil des Marktes getragen.

Quelle: FactSet, Zeitraum: 10 Jahre, Stand: 02.07.2026. S&P 500 logarithmisch dargestellt. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Zinsen und Anleihen

Kupons helfen wieder, Unternehmensanleihen bleiben attraktiv

Die Rentenmärkte lieferten im ersten Halbjahr keine spektakulären, aber wieder spürbare Beiträge zur Stabilisierung gemischter Portfolios. Das ist bereits eine wichtige Veränderung gegenüber den Jahren der Null- und Negativzinsen: Anleihen leben nicht mehr allein von der Hoffnung auf fallende Renditen, sondern wieder stärker von den laufenden Kuponzahlungen. Gerade in einem Umfeld mit schwankenden Zinserwartungen ist dieser regelmäßige Ertrag ein wichtiger Puffer.

Gleichzeitig blieb das Umfeld anspruchsvoll. Zu Jahresbeginn rechneten viele Marktteilnehmer noch mit weiteren Zinssenkungen. Der Energiepreisschock, höhere Inflationserwartungen und die hartnäckig hohe Staatsverschuldung vieler Länder führten jedoch zu einer Neubewertung des Zins- und Renditepfads. Besonders inflationsgeschützte Anleihen profitierten zeitweise vom Anstieg der Inflationserwartungen. Klassische Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten reagierten hingegen empfindlich. Stabiler zeigten sich Pfandbriefe bzw. gedeckte Anleihen und Unternehmensanleihen guter Bonität. Sie boten eine Kombination aus laufender Verzinsung, überschaubarem Risiko und weiterhin soliden Fundamentaldaten. Mit der Entspannung im Nahen Osten und rückläufigen Ölpreisen beruhigte sich das Bild im Anleihenmarkt spätestens ab Juni wieder. Von einer klaren und belastbaren Zinswende kann aber noch nicht gesprochen werden.

Bemerkenswert war, dass die Kreditmärkte selbst in den Stressphasen des ersten Halbjahres keine ausgeprägte Unternehmenskrise signalisierten. Die Risikoaufschläge erhöhten sich nur begrenzt. Das spricht dafür, dass Anleger zwar höhere Unsicherheit einpreisten, aber keine breite Rezession oder deutliche Verschlechterung der Unternehmensbonitäten erwarteten. Gerade Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating konnten daher zu einer insgesamt sehr ordentlichen Rentenentwicklung beitragen: nicht üppig, aber im Verhältnis zum Risiko attraktiv.

Energiepreisschock hält Inflation über Ziel

Grafik: Die Inflation liegt trotz des deutlichen Rückgangs nach 2022 wieder deutlich über dem Notenbank-Ziel von 2 Prozent. Auch die weniger schwankungsanfällige Kerninflation ohne Energie- und Nahrungsmittel-Komponenten notiert über dieser Marke. Diese Entwicklungen nahm die EZB zum Anlass für eine erste Leitzinserhöhung.

Quelle: FactSet, Zeitraum 10 Jahre, Stand: 02.07.2026.

Ergänzende Segmente boten zusätzliche Ertragschancen, müssen aber selektiv betrachtet werden. Schwellenländeranleihen profitierten von attraktiven Renditen und in einigen Ländern verbesserten Fundamentaldaten. Gleichzeitig bleiben sie stärker abhängig von Währungsbewegungen, Kapitalflüssen, Rohstoffpreisen und der globalen Risikobereitschaft. Der IWF wies zuletzt erneut darauf hin, dass Schwellenländerfinanzierungen stärker von schnell beweglichen Portfolioflüssen geprägt sind, was in Stressphasen zu höheren Schwankungen führen kann. Spezialisierte High-Yield-Strategien und Nachranganleihen (beides Anleihen mit höherem Risiko) konnten ebenfalls zusätzliche Performancebeiträge für Investoren liefern. Sie profitieren von höheren Kupons und in Teilen von stabilen Unternehmens- beziehungsweise Bankbilanzen. Zugleich reagieren sie empfindlicher auf eine Verschlechterung der Konjunktur oder eine Ausweitung der Risikoaufschläge. Solche Segmente können daher einen Mehrwert liefern, sollten aber eher als Beimischung verstanden werden und nicht als Ersatz für eine stabile Rentenbasis.

Für das zweite Halbjahr bleibt entscheidend, wie sich Inflation, Notenbanken und Staatsverschuldung weiterentwickeln. Anleihen sind grundsätzlich wieder interessant, weil laufende Renditen einen echten Beitrag leisten können. Gleichzeitig sind lange Laufzeiten weiterhin anfällig für Veränderungen bei Inflationserwartungen und Haushaltsrisiken. Kurze bis mittlere Laufzeiten, gedeckte Anleihen und Unternehmensanleihen guter Qualität erscheinen deshalb weiterhin als besonders robuste Bausteine. Der Rentenmarkt bietet wieder Ertrag – aber nicht jedes Segment bietet denselben Schutz.

Währungen und Rohstoffe

Energie wieder billiger, Engpässe bleiben – Gold korrigiert

Die Rohstoff- und Währungsmärkte spiegelten die Wendungen des ersten Halbjahres besonders deutlich wider. Im ersten Quartal schoss der Ölpreis infolge der Eskalation im Nahen Osten und der Unsicherheit rund um die Straße von Hormus stark nach oben. Neben tatsächlichen Produktionsausfällen wurde vor allem eine Angst- und Risikoprämie für mögliche Unterbrechungen der Versorgung eingepreist. Energie wurde damit zum zentralen Risikofaktor für Inflation, Konjunktur und Geldpolitik.

Im weiteren Verlauf drehte sich das Bild. Friedensbemühungen, eine politische Entspannung und später der fragile Waffenstillstand führten zu einem kräftigen Rückgang der Ölpreise. Ein Teil der Krisenprämie wurde wieder ausgepreist. Das entlastete besonders Europa, da die Region stärker auf verlässliche und günstige Energieimporte angewiesen ist. Ganz verschwunden ist die Verwundbarkeit Europas damit aber nicht. Neben dem Ölmarkt rückte auch der Gasmarkt wieder stärker in den Blick. Die deutschen Gasspeicher füllten sich zuletzt nur zäh. Kurzfristig bedeutet das im Sommer noch keine akute Versorgungskrise, weil zusätzliche LNG-Kapazitäten und Pipelineimporte etwa aus Norwegen die Lage stabilisieren. Für den Winter bleibt der Füllstand der Speicher dennoch ein wichtiger Risikofaktor. Sind die Speicher vor Beginn der Heizperiode nicht ausreichend gefüllt, steigt bei Kälteperioden oder neuen geopolitischen Störungen die Wahrscheinlichkeit deutlich höherer Gaspreise. Für Europa wäre das nicht nur ein Energiethema, sondern auch ein möglicher Belastungsfaktor für Industrie, Konsum, Inflationserwartungen und Geldpolitik.

Rohstoffentwicklungen in den letzten 5 Jahren

Quelle: FactSet, Zeitraum 5 Jahre, logarithmiert, Stand: 30.06.2026.

Bei den Industriemetallen blieb Kupfer besonders im Fokus. Der KI-Boom ist nicht nur ein Thema für IT-Branchen, sondern auch für Stromnetze, Energieversorgung und weitere Elektrifizierung. Kupfer wird für diese Infrastruktur in großen Mengen benötigt. Gleichzeitig zeigt sich auch hier: Die strukturelle Nachfrage erscheint plausibel, und die Diskussion über mögliche Angebotsengpässe bleibt nachvollziehbar. Kupfer bleibt ein wichtiger Profiteur der Elektrifizierung und des KI-Infrastrukturzyklus, aber kein risikoloser Selbstläufer.

Gold profitierte im ersten Quartal zunächst von erhöhter Unsicherheit und konnte Portfolios stabilisieren. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass Gold in Phasen erhöhter Marktvolatilität nicht immer linear als sicherer Hafen funktioniert. Gerade gut gelaufene und liquide Positionen werden in Stressphasen häufig reduziert, um Gewinne zu sichern oder Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Hinzu kamen zeitweise höhere Renditen, die Gold belasten können. Im Juni kamen Gold und Silber dann deutlicher unter Druck. Ein Teil der zuvor eingepreisten Krisenprämie wich aus den Preisen. Zudem bleiben Realzinsen (Zins abzüglich Inflation) für Gold wichtig. Nach der mehrmonatigen Korrektur dürfte Gold also erst dann wieder stärker in den Fokus rücken, wenn sich die Realzinsen beruhigen oder es zu einer sichtbaren markttechnischen Bereinigung kommt. Die grundsätzliche Rolle von Gold als Absicherung gegen geopolitische Überraschungen und unerwartete Inflationsschübe bleibt davon unberührt.

An den Währungsmärkten war auffällig, dass der US-Dollar im ersten Halbjahr nicht so eindeutig als Krisengewinner auftrat, wie es in früheren Stressphasen häufig der Fall war. Normalerweise fließt in geopolitischen Krisen viel Kapital in den Dollar, weil er als wichtigste Reserve- und Handelswährung gilt. Dieses Mal war die Bewegung weniger klar. Die Märkte interpretierten die Eskalation im Nahen Osten eher als Energie- und Inflationsschock, nicht als Beginn einer breiten globalen Finanz- oder Wachstumskrise. Der Euro blieb gegenüber vielen Währungen stabil. Das ist bemerkenswert, weil Europa wegen seiner Abhängigkeit von Energieimporten grundsätzlich stärker unter steigenden Preisen leidet. Die spätere Entspannung half daher auch der europäischen Währung. Rohstoffnahe Währungen profitierten nur zeitweise von den höheren Energie- und Rohstoffpreisen, während klassische sichere Häfen wie der Schweizer Franken nicht durchgängig stark gefragt waren. Insgesamt blieben die Währungsbewegungen damit kontrollierter, als es die geopolitische Nachrichtenlage zunächst vermuten ließ.

Perspektiven für die kommenden Monate

Zinsen, Gewinne und Politik erneut im Fokus

Für das zweite Halbjahr bleiben mehrere Kräfte gleichzeitig relevant: der noch instabile Frieden im Nahen Osten, weiterhin erhöhte Zinsen, stärker hinterfragte Unternehmensgewinne, strukturelle Investitionszyklen rund um künstliche Intelligenz sowie zunehmende politische Unsicherheit. Der wichtigste Unterschied zum ersten Quartal besteht darin, dass die Märkte nicht mehr nur auf Eskalation reagieren. Sie preisen inzwischen wieder stärker ein Szenario schrittweiser Normalisierung ein. Der Rückgang der Energiepreise hilft Inflations- und Konjunktursorgen zu reduzieren. Gleichzeitig bedeuten Absichtserklärungen und Verhandlungen im Nahen Osten noch keine dauerhaft belastbare Stabilität. Für die Weltwirtschaft bleibt entscheidend, ob Lieferketten, Energieversorgung und politische Verlässlichkeit in der täglichen Realität wieder planbarer werden.

Eine wichtige Rolle spielen die US-Zwischenwahlen im November. Für die Trump-Administration ist ein stabilerer Naher Osten vor diesem Termin besonders wertvoll: niedrigere Energiepreise entlasten Verbraucher, dämpfen Inflationserwartungen und verbessern das wirtschaftliche Stimmungsbild. Nach den „Midterms“ kann dieser innenpolitische Anreiz schwächer werden. Der Frieden muss deshalb nicht zwangsläufig brechen, aber seine politische Belastbarkeit bleibt ein wichtiger Risikofaktor spätestens für die Wintermonate. Auch die US-Zwischenwahlen selbst können zum Marktthema werden. Gewählt werden das gesamte Repräsentantenhaus sowie ein Teil des Senats. Je nach Ausgang kann die Regierung mehr oder weniger Spielraum für die Ausrichtung der Politik (z.B. Steuern, Handel, Regulierung) behalten. Für die Kapitalmärkte ist dabei weniger die parteipolitische Farbe allein entscheidend, sondern ob die Wahl zu mehr Berechenbarkeit oder zu neuen Blockaden führt.

In Deutschland stehen ebenfalls wichtige politische Stimmungstests an: In Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin werden neue Landesparlamente gewählt. Für die Kapitalmärkte sind Landtagswahlen selten unmittelbare Kurstreiber. Sie können aber die Wahrnehmung politischer Stabilität und Reformfähigkeit beeinflussen – gerade bei Infrastruktur, Energie, Verteidigung, Haushaltspolitik und Wettbewerbsfähigkeit. Entscheidend bleibt, ob angekündigte Investitionen tatsächlich in der Realwirtschaft ankommen. Institute wie ifo und der Sachverständigenrat hatten zuletzt kritisiert, dass Teile der Sondervermögen eher Haushaltslöcher schließen oder Ausgaben umschichten, statt zusätzliche Investitionen auszulösen. Für die Konjunktur zählt am Ende nicht das Finanzpaket auf dem Papier, sondern ob daraus konkrete Aufträge, Bauprojekte, Netze, Ausrüstung und private Folgeinvestitionen entstehen. Auf europäischer Ebene bleiben der nächste EU-Haushalt, neue Finanzierungsquellen, Verteidigungsausgaben, Ukraine-Unterstützung und Wettbewerbsfähigkeit relevant. Diese Themen sind weniger kurzfristige Markttreiber als Unternehmensgewinne oder Zinsen, prägen aber den längerfristigen Rahmen für europäische Aktien, Anleihen und den Euro.

Gleichzeitig bleiben die klassischen Markttreiber im Vordergrund: Zinsen und Gewinne. Die KI-Dynamik bleibt wichtig, wird aber zunehmend an konkreten Ergebnissen gemessen. Die kommende Berichtssaison dürfte deshalb besonders aufmerksam verfolgt werden. Anleger werden nicht nur auf Umsatz- und Gewinnwachstum achten, sondern auch auf Margen, Investitionsverhalten, Finanzierungskosten und die Frage, ob aktuelle Bewertungen durch steigende Gewinne gerechtfertigt bleiben. Für die Portfolioausrichtung ergibt sich daraus ein ausgewogener Rahmen. Weder spricht das Umfeld für übertriebene Vorsicht noch für eine offensive Ausweitung der Risiken. Aktien bleiben ein zentraler Renditebaustein, sollten aber weiterhin mit Fokus auf Qualität, Preissetzungsmacht, belastbare Gewinne und solide Marktstellung eingesetzt werden. Nach der starken Entwicklung vieler Märkte erscheint eine neutrale Aktienquote vorerst angemessen. Wer in den vergangenen Monaten stark von einzelnen Themen profitiert hat, sollte Zielgewichte überprüfen und gegebenenfalls neu ausbalancieren. Rebalancing bedeutet nicht, Chancen abzuschneiden, sondern verhindert, dass einzelne Gewinnerpositionen unbeabsichtigt zu großen Risiken im Portfolio werden. Bei Anleihen bleiben laufende Erträge attraktiv, lange Laufzeiten erscheinen angesichts unsicherer Inflations- und Haushaltsperspektiven jedoch bestenfalls selektiv sinnvoll. Gold und Rohstoffe behalten ihre Rolle als Absicherung gegen geopolitische Überraschungen und unerwartete Inflationsschübe, auch wenn sie kurzfristig stark schwanken können.

Fazit

Das erste Halbjahr des „Feuer-Pferds“ hat eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich die Marktlogik ändern kann. Erst dominierte der KI-Boom, dann der Iran-Schock, anschließend die Hoffnung auf Normalisierung und zuletzt der KI-Realitätscheck durch Zinsen und Gewinnerwartungen. Die gute Nachricht lautet: Die Kapitalmärkte sind deutlich besser durch dieses Umfeld gekommen, als es angesichts geopolitischer Risiken, Energiepreisschocks und geldpolitischer Unsicherheit zu erwarten gewesen wäre. Die weniger bequeme Nachricht lautet: Die Märkte sind anspruchsvoller geworden. Das dürfte auch die kommenden Quartale prägen. Erhöhte Bewertungen müssen durch steigende Gewinne gerechtfertigt werden. Der unsichere Frieden im Nahen Osten muss sich erst als belastbar erweisen. Und starke Trends wie künstliche Intelligenz bleiben zwar intakt, werden aber zunehmend an konkreten Ergebnissen gemessen. Eine ausgewogene und regelmäßig überprüfte Portfoliostruktur bleibt damit der verlässlichste Ansatz, um auch im zweiten Halbjahr stabil investiert zu bleiben.

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Marktbericht Juni 2026

Das Wichtigste in Kürze:

KI-Boom im Realitätscheck – jetzt zählen Zinsen und Gewinne

  • Der fragile Frieden zwischen den USA und Iran entlastete die Märkte im Juni deutlich. Der kräftig gefallene Ölpreis nahm Druck von Energiepreisen, Inflationserwartungen und Konjunktursorgen.
  • Die Kapitalmärkte bleiben konstruktiv, aber selektiver. Europa entwickelte sich im Juni besser als die USA, während zuvor stark gelaufene Technologie- und Halbleiterwerte erste Rücksetzer zeigten.
  • Die Notenbanken bleiben ein wichtiger Gegenspieler der Märkte. Die EZB erhöhte ihre Zinsen, die Fed hielt unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh zwar still, schloss weitere Zinsschritte jedoch nicht aus.
  • Der KI-Boom bleibt intakt, wird aber stärker geprüft. Für das zweite Halbjahr rücken weniger große Zukunftsvisionen, sondern vielmehr konkrete Gewinne, Margen und Finanzierungskosten in den Mittelpunkt.

Portfolioimplikationen

Konstruktiv bleiben, aber nicht hinterherlaufen

Die Kapitalmärkte sind im ersten Halbjahr deutlich besser durch das schwierige Umfeld gekommen, als viele Anleger zu Jahresbeginn erwartet hätten. Der Iran-Konflikt, hohe Energiepreise, politische Unsicherheit und wieder steigende Zinsen hätten auch zu einer deutlich schwächeren Entwicklung führen können. Stattdessen liegen viele Aktienmärkte seit Jahresbeginn klar im Plus. Der Juni brachte dabei eine wichtige Veränderung. Die geopolitische Entspannung nahm Druck aus dem Markt. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass nicht jeder Trend einfach ungebremst weiterläuft. Gerade bei stark gelaufenen Technologie- und Halbleiterwerten kam es zwischenzeitlich zu spürbaren Rücksetzern.

Für Portfolios bedeutet das: Eine konstruktive Grundhaltung bleibt sinnvoll, eine Übertreibung der eigenen Risikobereitschaft jedoch nicht. Nach der starken Entwicklung vieler Märkte erscheint eine neutrale Aktienquote angemessen. Wer in den vergangenen Monaten stark von einzelnen Themen profitiert hat, sollte Zielgewichte überprüfen und gegebenenfalls neu ausbalancieren.

 

  • Aktien bleiben ein zentraler Renditebaustein, sollten aber weiterhin mit Fokus auf Qualität, Preissetzungsmacht und belastbare Gewinne eingesetzt werden.
  • Bei Anleihen bleiben laufende Erträge attraktiv, lange Laufzeiten erscheinen angesichts der weiterhin unsicheren Inflations- und Haushaltsperspektiven jedoch nur selektiv sinnvoll.
  • Gold und Rohstoffe haben im Juni nachgegeben, behalten aber ihre Rolle als Absicherung gegen geopolitische Überraschungen und unerwartete Inflationsschübe. Gold dürfte aber nach der mehrmonatigen Korrektur erst dann wieder stärker in den Fokus rücken, wenn sich die Realzinsen beruhigen oder es zu einer messbaren markttechnischen Bereinigung gekommen ist.

Kapitalmärkte

Entspannung im Nahen Osten, Ernüchterung bei Tech

Der Juni war geprägt von zwei gegenläufigen Bewegungen. Auf der einen Seite gingen die geopolitischen Risikoprämien nach der Entspannung im Konflikt zwischen den USA und Iran deutlich zurück. Europäische Aktienmärkte entwickelten sich positiv, Anleihen stabilisierten sich und diverse Rohstoffe gaben einen Teil ihrer zuvor aufgebauten Krisenprämien wieder ab. Vor allem Gold und Silber kamen unter Druck. An den Währungsmärkten zeigte sich der Euro gegenüber vielen Währungen mit Zugewinnen, während er gegenüber dem US-Dollar im Monatsverlauf nachgab.

Auch die Anleihemärkte beruhigten sich im Monatsverlauf. Aus den Inflationserwartungen wich der Druck, während die Notenbanken dennoch vorsichtig blieben. Damit ist das Umfeld für Anleihen etwas freundlicher geworden, ohne dass bereits von einer klaren Wende gesprochen werden kann. Für Aktien bleibt das wichtig: Solange Renditen erhöht bleiben, werden besonders hoch bewertete Wachstumstitel kritischer hinterfragt.

Die Begeisterung für einzelne Wachstumsthemen ließ etwas nach. Besonders in den USA zeigten sich Rückschläge in zuvor sehr stark gelaufenen Technologie- und Halbleiterwerten. Für uns bedeutet das noch keinen Bruch des KI-Trends. Es ist aber ein Hinweis darauf, dass die Kurse empfindlicher auf hohe Erwartungen, bereits leichte Veränderungen der „Story“, steigende Zinsen oder Gewinnenttäuschungen reagieren.

Auffällig war im Juni vor allem die regionale Verschiebung. Europäische Aktien entwickelten sich besser als die großen US-Indizes. Die Entspannung im Nahen Osten half Europa überproportional, da die Region stärker von verlässlichen und günstigen Energieimporten abhängig ist. In den USA lastete dagegen die genannte Schwäche einiger großer Technologie- und Kommunikationswerte auf den Indizes.

Wirtschaftliche Lage

Fragiler Frieden ist noch keine belastbare Stabilität

Der Rückgang der Energiepreise ist für die Weltwirtschaft zunächst eine sehr gute Nachricht. Energie ist ein zentraler Kostenfaktor für Unternehmen und Haushalte. Wenn Öl und Gas billiger werden, sinkt der Druck auf Gewinnmargen, Konsumbudgets und Inflationserwartungen.  Trotzdem wäre es zu früh, von einer vollständigen Entwarnung zu sprechen. Der Frieden zwischen den USA und Iran bleibt fragil, zumal auch die Lage zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon angespannt ist. Eine politische Absichtserklärung ist noch keine dauerhaft belastbare Stabilität für die Region – das zeigen auch erneute Zwischenfälle. Für die Wirtschaft zählt am Ende nicht nur ein Vertragstext, sondern ob Lieferwege in der Realität wieder zuverlässig funktionieren, Versicherungsprämien sinken, Reedereien ihre Routen normalisieren und Unternehmen ihre Lieferketten planen können.

Auch die Frühindikatoren zeichnen kein einheitliches Bild. In den USA bleiben Arbeitsmarkt und Konsum vergleichsweise widerstandsfähig. In Europa zeigen sich dagegen weiterhin Bremsspuren bei Stimmung und Nachfrage. Entscheidend bleibt daher, ob aus der Entspannung am Energiemarkt in den kommenden Monaten auch eine echte Verbesserung der Nachfrage wird.

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor bleibt die Geldpolitik. Die EZB erhöhte im Juni ihre Zinsen und machte damit deutlich, dass die Notenbanken den Kampf gegen Inflation noch nicht für beendet halten und ihre Glaubwürdigkeit wahren wollen. In den USA war die erste Sitzung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh zwar keine Überraschung im engeren Sinne. Sie zeigte jedoch ebenfalls: Schnelle Zinssenkungen sind nicht das Basisszenario und die Kommunikation der Federal Reserve wird im Vergleich zu den Vorjahren deutlich kürzer und damit weniger prognostizierbar. Der Markt muss sich also weiter mit einem Umfeld arrangieren, in dem Wachstum, Inflation und Zinsen eng gegeneinander abgewogen werden.

Fokusthema

KI-Boom im Realitätscheck – jetzt zählen Zinsen und Gewinne

Der KI-Boom bleibt eines der wichtigsten Kapitalmarktthemen und reicht weit über das laufende Jahr hinaus. Im Mittelpunkt stehen seit einigen Monaten vor allem die Engpässe der KI-Infrastruktur: Rechenzentren, Chips, Hochleistungsspeicher, Stromversorgung und Netzwerke. Anders als in früheren Phasen reiner Zukunftseuphorie sind inzwischen mehr reale Umsatz- und Gewinnbeiträge sichtbar. Das unterscheidet den aktuellen Trend von vielen spekulativen Übertreibungen früherer Jahre.

Zinsen sind in diesem Zusammenhang deshalb so wichtig, weil viele Gewinnerwartungen im KI-Bereich erst weit in der Zukunft liegen. Je höher das Zinsniveau, desto weniger sind diese späteren Gewinne aus heutiger Sicht wert. Stark wachsende Unternehmen müssen daher nicht nur überzeugende Geschichten erzählen, sondern hohe Investitionen zunehmend mit konkreten Umsatz- und Gewinnbeiträgen rechtfertigen.

Gleichzeitig hat der Juni gezeigt, dass auch starke Trends nicht frei von Rückschlägen sind. Einige Technologie- und Halbleiterwerte gerieten unter Druck. Teilweise lag das an steigenden Zinssorgen, teilweise an sehr hohen Erwartungen, teilweise schlicht an der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate. Wenn Bewertungen ambitioniert sind, reichen schon kleine Zweifel aus, um größere Kursbewegungen auszulösen. Die Marktteilnehmer stellen damit zunehmend die entscheidenden Fragen: Welche Unternehmen verdienen bereits heute am KI-Ausbau? Wo entstehen echte Engpässe? Welche Geschäftsmodelle können hohe Investitionen dauerhaft in Gewinne übersetzen? Und welche Aktien wurden lediglich von der allgemeinen Begeisterung mitgezogen?

Damit verschiebt sich die Diskussion. Im Mai stand noch stärker die Suche nach den nächsten Engpässen im KI-Boom im Mittelpunkt. Im Juni rückte die Frage hinzu, ob diese Engpässe auch zu nachhaltig höheren Gewinnen führen. Rechenzentren, Speicherchips und Energieversorgung bleiben wichtige Bausteine der KI-Infrastruktur. Für Anleger wird jedoch entscheidender, ob die hohen Investitionen nicht nur Wachstum versprechen, sondern auch angemessene Renditen liefern.

In dieses Bild passt auch der große mediale Fokus auf den Börsengang von SpaceX sowie die Diskussion über mögliche spätere Börsengänge von OpenAI und Anthropic. Solche Unternehmen stehen für langfristige Zukunftsthemen und enorme Marktphantasie. Für eine an Qualität und Profitabilität orientierte Vermögensverwaltung sind sie jedoch vor allem ein Stimmungsindikator: Die Risikobereitschaft ist zurück, aber sie sollte nicht mit hoher Investmentqualität verwechselt werden.

KI-Boom: vom Narrativ zum Nachweis

Eigene schematische Darstellung. Mit höheren Zinsen und ambitionierten Bewertungen steigt der Druck, KI-Investitionen nicht nur mit Zukunftsphantasie, sondern mit konkreten Umsatz- und Gewinnbeiträgen zu belegen.

Aktienmärkte

Die Berichtssaison wird zum nächsten Prüfstein

Nach der starken Entwicklung im ersten Halbjahr rückt die bald startende Berichtssaison stärker in den Mittelpunkt. Im Frühjahr hatten viele Unternehmen positiv überrascht. Besonders auffällig waren die Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen. Normalerweise werden Erwartungen im Jahresverlauf eher gesenkt. In diesem Jahr zeigt die Richtung in wichtigen Bereichen dagegen klar nach oben.

Genau daran wird der Markt nun gemessen. Wenn hohe Bewertungen durch steigende Gewinne untermauert werden, kann die konstruktive Grundstimmung anhalten. Wenn die Zahlen dagegen nur solide ausfallen, könnten Anleger anspruchsvoller bis enttäuscht reagieren. Das gilt besonders für Unternehmen aus dem Umfeld von Technologie, Halbleitern und künstlicher Intelligenz.

Die Entwicklung im Juni war daher keine Abkehr vom Aktienmarkt, sondern eher eine erste Normalisierung der Erwartungen. Die Märkte bleiben nicht schwach, aber sie werden selektiver. Gute Unternehmen mit belastbaren Geschäftsmodellen, solider Profitabilität und klarer Marktstellung bleiben gefragt. Reine Hoffnungswerte dürften es dagegen schwerer haben, wenn Zinsen hoch bleiben und Investoren wieder stärker auf Gewinne achten.

Europa profitierte im Juni von der Entspannung bei Energiepreisen und konnte gegenüber den USA aufholen. Ob daraus in der Breite eine nachhaltige Führungsrolle wird, bleibt eher unwahrscheinlich. Viele strukturelle Herausforderungen Europas sind nicht verschwunden. Kurzfristig hilft jedoch, dass niedrigere Energiepreise die Konjunktur entlasten und einige Branchen von den Rückschlägen der Vormonate aufholen konnten. Zudem gibt es auch in Europa noch viele Champions, auf die die Welt angewiesen ist.

Fazit

Die Entspannung hilft, aber der Sommer bleibt anspruchsvoll

Der Juni hat gezeigt, dass Entspannung an einer Stelle nicht automatisch Entwarnung für das gesamte Anlageumfeld bedeutet. Der fragile Frieden im Nahen Osten hilft, doch für das zweite Halbjahr rücken wieder die klassischen Markttreiber stärker in den Vordergrund: Zinsen und Gewinne. Die KI-Dynamik bleibt wichtig, wird aber stärker an konkreten Ergebnissen gemessen. Die kommende Berichtssaison dürfte deshalb besonders aufmerksam verfolgt werden. Für Anleger bleibt eine ausgewogene Haltung sinnvoll. Weder spricht das Umfeld für übertriebene Vorsicht noch für eine aggressive Ausweitung der Risiken. Neutrale Aktienquoten, Qualität und Profitabilität bei Einzeltiteln, kurze bis mittlere Laufzeiten bei Anleihen und regelmäßiges Rebalancing bleiben aus unserer Sicht der passende Rahmen für die Sommermonate.

Entwicklungen im Juni 2026

Entwicklungen (5 Jahre)

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Marktbericht Mai 2026

Zusammenfassung

Geopolitische Entspannung und die Suche nach den nächsten Engpässen im KI-Boom

  • Friedensbemühungen zwischen den USA und Iran reduzierten die Risikoprämien an den Märkten deutlich, vor allem ablesbar an einem deutlich sinkenden Ölpreis.
  • Die Straße von Hormus bleibt dennoch das wichtigste Einzelrisiko für Versorgungssicherheit, Energiepreise, Inflation und die Kapitalmärkte über die Sommermonate.
  • Die US-Berichtssaison der Unternehmen überzeugte mit den stärksten Gewinnsteigerungen seit mehreren Jahren und lieferte den Aktienmärkten kräftigen Rückenwind. Ungewöhnlich sind weiterhin die Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen seit Jahresbeginn, wo normalerweise sukzessive Korrekturen erfolgen.
  • „Momentumrally“: Der weltweite KI- und Halbleiterboom gewann weiter an Dynamik und sorgte für neue Höchststände in zahlreichen Technologiewerten.
  • Europas Wirtschaft zeigt erste Bremsspuren bei Stimmung und Nachfrage, während sich die US-Wirtschaft weiterhin erstaunlich robust präsentiert.
  • Mit Kevin Warsh beginnt möglicherweise eine neue Phase der US-Geldpolitik. Der künftige Zinspfad wird damit noch schwerer kalkulierbar.
  • Die Märkte blicken zunehmend über die aktuelle Krise hinaus und handeln bereits ein Szenario wirtschaftlicher Normalisierung.

Portfolioimplikationen

Zwischen Momentum und Disziplin

Die Kapitalmärkte haben sich im Mai deutlich stärker entwickelt als viele Beobachter nach den Ereignissen der vergangenen Monate erwartet hätten. Historisch betrachtet neigen starke Trendbewegungen wie aktuell im KI- und Halbleiterbereich dazu, länger anzuhalten als viele Anleger erwarten („the trend is your friend“). Gleichzeitig steigt mit zunehmender Kursdynamik die Gefahr, dass einzelne Marktsegmente kurzfristig überdehnt werden.

Nach den deutlichen Kursanstiegen der vergangenen Wochen kann es daher sinnvoll sein, Zielgewichte regelmäßig zu überprüfen und bestehende Portfolios gegebenenfalls neu auszubalancieren. Rebalancing bedeutet dabei nicht, auf steigende Kurse und Gewinne zu verzichten. Es schafft vielmehr Spielraum für den Fall einer Branchenrotation in den kommenden Quartalen.

Auffällig ist zudem, dass sich die Marktführung zwar verschiebt, aber nicht wirklich verbreitert. Während die ersten Phasen der Rally vor allem von wenigen großen Technologieunternehmen getragen wurden, rückten zuletzt insbesondere Speicherchips und deren Hersteller in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses.

 

  • Aktien profitieren aktuell von einer Kombination aus starken Unternehmensgewinnen, sinkenden Risikoprämien und einer anhaltend hohen Investitionsdynamik rund um künstliche Intelligenz. Nach der kräftigen Erholung vieler Märkte steigt jedoch auch die Fallhöhe für Enttäuschungen.
  • Anleihen bieten weiterhin attraktive laufende Erträge und erfüllen ihre Rolle als stabilisierender Portfolio-Baustein. Die laufende Verzinsung gewinnt gegenüber Spekulationen auf sinkende Renditen an Bedeutung. Lange Laufzeiten erscheinen angesichts der Inflations- und Haushaltsrisiken weiterhin wenig attraktiv.
  • Gold und Rohstoffe bleiben trotz der jüngsten Entspannung im Nahen Osten eine sinnvolle Absicherung gegen geopolitische Risiken und unerwartete Inflationsschübe. Die Entwicklung rund um die Straße von Hormus zeigt, wie schnell sich die Lage ändern kann.

Kapitalmärkte

Hoffnung auf diplomatische Lösung treibt die Kurse

Der Mai war geprägt von einer bemerkenswerten Diskrepanz zwischen Nachrichtenlage und Marktverhalten. Während geopolitische Risiken, Inflationssorgen und Unsicherheiten über die Energieversorgung keineswegs verschwunden sind, entwickelten sich viele Investments ausgesprochen positiv.

Entscheidend war dabei die zunehmende Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und Iran. Die Märkte begannen die Wahrscheinlichkeiten für eine weitere Eskalation auszupreisen. Ölpreise fielen deutlich von ihren Extremständen zurück, Kreditmärkte blieben stabil und viele Aktienindizes erreichten neue Höchststände oder näherten sich diesen zumindest wieder an. An den Währungsmärkten waren per saldo nur geringe Veränderungen zu beobachten.

Bemerkenswert sind dabei die Unterschiede am Aktienmarkt zwischen Europa und den USA. Während sich in Europa zahlreiche Branchen von den schwachen Entwicklungen der Vormonate erholen konnten, wurde die Entwicklung in den USA weiterhin stark von Technologie- und KI-nahen Unternehmen geprägt. Der Technologiesektor gewann allein im Mai rund 16 Prozent hinzu, während die meisten anderen Sektoren sogar Kursverluste verzeichneten. Die Konzentration der Marktgewinne auf wenige Themen bleibt damit ungewöhnlich bis sogar historisch hoch.

Die Märkte handeln also die positive Erwartung einer schrittweisen wirtschaftlichen Normalisierung und einen fortgesetzten KI-Boom. Genau darin liegt die Stärke der aktuellen Rally, aber auch ihre potenzielle Verwundbarkeit.

Wirtschaftliche Lage

Erste Bremsspuren in Europa

An der grundsätzlichen wirtschaftlichen Ausgangslage hat sich im Mai wenig verändert. Die Weltwirtschaft wächst weiterhin moderat, wobei sich die Unterschiede zwischen den großen Wirtschaftsregionen zuletzt sogar vergrößert haben. Während sich die US-Wirtschaft weiterhin erstaunlich widerstandsfähig zeigt, mehren sich in Europa erste Hinweise auf eine nachlassende Dynamik. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes, sentix Konjunkturumfrage oder ifo signalisieren zwar keine Rezession, deuten jedoch auf eine spürbare Abschwächung hin. Besonders die höheren Energiepreise sowie die zunehmende Unsicherheit über Lieferketten und Versorgungssicherheit hinterlassen zunehmend ihre Spuren. Gleichzeitig zeigt sich, dass einige Industrieindikatoren derzeit mit Vorsicht interpretiert werden sollten. Lieferkettenanpassungen, Lageraufbau und längere Lieferzeiten können kurzfristig für überraschend robuste Daten sorgen, ersetzen jedoch keine nachhaltige Nachfrage. Vor allem Europa bleibt aufgrund seiner hohen Energieabhängigkeit anfälliger für mögliche Folgewirkungen des Nahostkonflikts. Die USA profitieren dagegen weiterhin von einem stabilen Arbeitsmarkt, einer robusten Konsumnachfrage sowie den anhaltend hohen Investitionen in Zukunftstechnologien.

Fokusthema

Die Märkte handeln bereits die Zeit nach der Krise

Die Entwicklung im Mai verdeutlicht eindrucksvoll, wie weit Finanzmärkte häufig in die Zukunft blicken. Während die Schlagzeilen weiterhin von Konflikten, Unsicherheit und geopolitischen Risiken geprägt waren, preisten die Kapitalmärkte zunehmend ein Szenario schrittweiser Normalisierung ein. An dieser Stelle lohnt jedoch ein Blick auf die Realwirtschaft. Eine Analyse der Brookings Institution (einer renommierten US-Denkfabrik) weist darauf hin, dass kurzfristige Angebotsausfälle zunächst durch Lagerbestände, strategische Reserven und alternative Transportwege abgefedert werden konnten. Diese Puffer sind jedoch nur begrenzt oder einmalig verfügbar. Mit zunehmender Dauer einer Störung steigen im Sommer die Risiken für Energieversorgung, Lieferketten und letztlich die gesamte Weltwirtschaft spürbar an!

Hormus – die Zeit arbeitet gegen den (Öl-)Markt

Quelle Brookings Institution „The timing of the impending crude crisis”, eigene Darstellung in Millionen Barrel pro Tag.

Kurzfristige Ausfälle der Öllieferungen durch die Straße von Hormus können durch Lagerbestände, strategische Reserven und alternative Transportwege bis hin zur vorübergehenden Genehmigung der Lieferung durch sanktionierte Länder (Russland, Iran) teilweise kompensiert werden. Die Analyse zeigt damit vor allem eines: Zeit ist ein entscheidender Faktor. Je länger die Störungen andauern, desto schwieriger wird es, die ausfallenden Mengen durch Ersatzquellen zu kompensieren.

 

Der entscheidende Punkt: Die Finanzmärkte haben den Waffenstillstand weitgehend eingepreist. Die wirtschaftlichen Folgen der vergangenen Monate sind damit jedoch noch nicht vollständig verschwunden. Selbst bei einer schrittweisen Entspannung bleibt die Unsicherheit über die Energieversorgung der kommenden Sommermonate erhöht. Zudem dürfte eine vollständige Normalisierung der Situation Wochen bis Monate in Anspruch nehmen.

Die Straße von Hormus bleibt damit weit mehr als nur ein geopolitisches Thema – sie ist derzeit einer der wichtigsten Frühindikatoren für Konjunktur, Inflation und Kapitalmärkte.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch den Amtsantritt von Kevin Warsh als neuem Vorsitzenden der US-Notenbank. Der künftige geldpolitische Kurs bleibt dadurch schwer einschätzbar.

Aktienmärkte

Neue Schubkraft für die Märkte, Mega-IPO voraus

Die Aktienmärkte erhielten im Mai zusätzlich erhebliche Schubkraft durch eine außergewöhnlich starke Berichtssaison und dem ungebrochenen Optimismus rund um künstliche Intelligenz. Bemerkenswert ist dabei, dass viele Technologieunternehmen inzwischen nicht mehr reine Zukunftsvisionen verkaufen, sondern die hohen Investitionen zunehmend mit realen Umsatz- und Gewinnzuwächsen unterlegen können. Noch wichtiger als die Quartalszahlen erscheinen die Aufwärtsrevisionen der Gewinnschätzungen seit Jahresbeginn. Normalerweise werden die Erwartungen im Verlauf eines Geschäftsjahres eher schrittweise reduziert. Das im historischen Vergleich seltene Muster spricht aus Analystensicht für eine robuste Unternehmenslandschaft.

Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus innerhalb des KI-Themas zunehmend. Die Diskussion dreht sich nicht mehr primär um Sprachmodelle oder Software, sondern um die physischen Voraussetzungen der Wachstumsphase. Speicherchips, Rechenzentren, Stromversorgung und Kommunikationsinfrastruktur entwickeln sich zu den neuen Engpässen einer Branche, die weiterhin enorme Investitionssummen anzieht. Gleichzeitig versuchen große Cloud- und KI-Anbieter zunehmend, sich kritische Komponenten langfristig zu sichern. Dies betrifft insbesondere Hochleistungsspeicher und andere Engpassfaktoren entlang der KI-Wertschöpfungskette.

Exemplarisch hierfür stehen Unternehmen wie Nvidia, Micron, TSMC, Samsung oder SK hynix, deren Performance und Marktkapitalisierung teils massiv steigen. Besonders Speicherchips rückten zuletzt als potenzieller Flaschenhals der nächsten KI-Generation in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Markt sucht also derzeit eher nicht nach neuen Narrativen, sondern nach den nächsten Engpässen innerhalb desselben Megatrends.

In das Bild der Schubkraft passt buchstäblich das zunehmende Interesse am anstehenden Börsengang („IPO“) des Raumfahrt- und Telekommunikationsunternehmens SpaceX Mitte Juni. Die lebhaften Diskussionen um das Unternehmen und Vorstand Elon Musk zeigen, dass Investoren wieder bereit sind, langfristige Wachstums- und Zukunftsthemen hoch zu bewerten. Die Risikobereitschaft für Unternehmen mit ambitionierten Zukunftsvisionen nimmt damit erkennbar zu – selbst wenn der Unternehmensprospekt deutliche Risiken benennt und die Profitabilität noch Jahre entfernt sein dürfte.

Fazit

Märkte handeln Zukunft, Risiken liegen aber in der Gegenwart

Der Mai hat eindrucksvoll gezeigt, dass Unternehmensgewinne, technologische Investitionszyklen und die Hoffnung auf geopolitische Entspannung derzeit stärkere Marktkräfte entfalten als kurzfristige Risiken. Gleichzeitig bleibt die Entwicklung rund um die Straße von Hormus eine entscheidende Variable für die kommenden Sommermonate.

Für Anleger spricht vieles dafür konstruktiv zu bleiben. Die starke Kursentwicklung der vergangenen Wochen erinnert jedoch daran, positive Trends nicht geradlinig fortzuschreiben. Eine ausgewogene Portfoliostruktur und ein diszipliniertes Risikomanagement bleiben daher unverändert die wichtigsten Begleiter.

Entwicklungen im Mai 2026

Entwicklungen (5 Jahre)

Quelle Performance: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden. Daten per 31.05.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Quellen Marktbericht: Aktuelle Nachrichtenlage, Marktreaktionen und ökonomische Einschätzungen per Stand 31. Mai 2026, v.a. Reuters, Bloomberg, FactSet

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Marktbericht April 2026

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2025

Krisenfest: Wie der Markt viele negative Narrative überwindet

Viele Aktienindizes notieren auf oder in der Nähe neuer Allzeithochs. Diese Leistung erscheint bemerkenswert angesichts einer Flut negativer Schlagzeilen, geopolitischer Risiken und einer US-Notenbank, die den Leitzins auf einem restriktiv hohen Niveau belassen hat. Die jüngste Flut negativer Narrative rund um Trump im Allgemeinen, Zölle, Defizite, Schulden, Inflation bis hin zu Kriegen hat zwar erhebliche Schwankungen verursacht, aber den Markt nicht in die Knie gezwungen. Am Ende eines streckenweise beunruhigenden Halbjahres stehen erfreuliche Entwicklungen in den Anlageklassen – bis auf den US-Dollar, der kontinuierlich an Wert verlor.

Als US-Präsident Donald Trump Anfang April im Rahmen des „Liberation Day“ seine reziproken US-Zölle vorstellte, krachte es an den Kapitalmärkten wie seit dem Corona-Crash im März 2020 nicht mehr (vgl. letzter Quartalsbericht). Wirtschaftsexperten und Politiker reagierten auf das Zollvorhaben mit Fassungslosigkeit. Das bekannte Wirtschaftsmagazin „The Economist“ sprach gar vom „Ruination Day“ der Weltwirtschaft. Einen weiteren Schockmoment für die Welt stellte der „12-Tage-Krieg“ zwischen Israel und dem Iran im Streit um die Atomanreicherung der Islamischen Republik dar. Die Vereinigten Staaten wirkten mit bunkerbrechenden Waffen zur Unterstützung Israels mit und riefen anschließend zur Waffenruhe auf – letzteres gelang in der Ukraine jedoch nicht, die Bemühungen wurden aufgegeben. Was für Investoren am wichtigsten ist: der Markt hat die Ereignisse und noch dunklere Mediennarrative stets gut absorbiert.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2025 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.

Daten per 30.06.2025 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Aktien

TACO: Ein ängstliches Huhn katapultiert den Markt nach oben?

Im Zuge des Zollschocks stürzten viele Aktienindizes in den ersten Apriltagen in einen „Bärenmarkt“ ab. Dies ist nach rein technischer Definition der Fall, wenn der Markt mehr als 20 Prozent vom letzten Hoch verliert. Die Anlegerstimmung („Sentiment“) folgte auf dem Fuße und war buchstäblich auf einem Tiefpunkt angekommen. Erneut sollte sich die psychologische Analyse bewähren: Ein schlechtes Sentiment ist stets eine konstruktive Voraussetzung für eine baldige Gegenbewegung, sobald positivere Nachrichten eintreffen. Zunächst war es der US-Präsident höchstpersönlich, der (mutmaßlich) zum Kauf von Aktien aufrief:

Seine Nachricht in den sozialen Medien wurde zunächst fassungslos und als reine Durchhalteparole aufgenommen – warum sollte man in einer Phase so großer Unsicherheit und abstürzender Kurse Aktien kaufen? Nur wenige Stunden später folgte des Rätsels Lösung. Trump verkündete, dass alle reziproken Zölle (außer gegen China) zunächst für 90 Tage bis zum 8. Juli 2025 ausgesetzt werden, um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen. Die Konsequenz war eine fulminante Kehrtwende an den Märkten. Der S&P 500 konnte den größten Tagesgewinn seit der Finanzkrise 2008 erzielen, der Nasdaq Composite sogar den zweitgrößten Gewinn an einem Tag in seiner Historie.

Aber was führte zu diesem Sinneswandel bei Donald Trump? Seine lapidare Aussage die Leute seien etwas unruhig und ein bisschen ängstlich geworden, dürfte nur die halbe Wahrheit sein. Der Zollkrieger hat offensichtlich seinen Endgegner in diesem „Zollspiel“ gefunden. Es ist der Kapitalmarkt höchstpersönlich, v.a. in Form des mächtigen Anleihenmarktes. Der gleichzeitige Druck fallender Aktienkurse und steigender US-Renditen wurde offenbar zu groß. Robert Armstrong, ein Journalist der Financial Times, hat Trumps Verhalten Anfang Mai mit der „TACO-Theorie“ erklärt. Mit dem mexikanischen Essen hat das Akronym nichts zu tun, sondern vielmehr Trump Always Chickens Out (sinngemäß: Trump verhält sich immer wie ein ängstliches Huhn).

Anfang Mai zeigte sich das Muster im Zollkrieg mit China, wo sich seit April die Zölle und Gegenzölle auf dreistellige Prozentwerte aufgeschaukelt hatten. Überraschend schnell wurde ein vorläufiger Deal mit China geschlossen, der bis zum Halbjahr weiter konkretisiert und vor wenigen Tagen unterschrieben wurde. Die USA sind vor allem stark von „seltenen Erden“ abhängig, die für High-Tech-Produkte, Elektronik und militärische Anwendungen unerlässlich sind. China wiederum dominiert den globalen Markt und kontrolliert je nach Quelle weit über 60 Prozent der Produktion sowie über 80 Prozent der Raffination. Andere Länder wie Australien und die USA haben zwar Vorkommen, können jedoch niemals mit Chinas Produktionskapazitäten konkurrieren.

Auch eine Drohung gegenüber der Europäischen Union die Zölle unmittelbar wieder auf 50 Prozent anzuheben, wurde nach nur einem Wochenende wieder aufgegeben. Kein Wunder, dass die fortschreitenden Drohgebärden fast reaktionslos am Kapitalmarkt zur Kenntnis genommen wurden. Der Gewöhnungseffekt sorgte dafür, dass immer mehr Marktteilnehmer über diese kurzfristigen Störfeuer hinwegsehen, um bloß nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden.

Im ersten Quartal 2025 war noch eine deutliche Outperformance der europäischen Aktienmärkte und insbesondere des DAX zu beobachten, wohingegen die US-Märkte im Minus notierten. In den Monaten bis zum Halbjahresende hat sich dies wieder umgekehrt. Zwar konnten praktisch alle Standard- und Schwellenländermärkte Gewinne verbuchen, vor allem aber die Vereinigten Staaten zeigten ein erstaunliches Comeback (z.B. Nasdaq Composite mit 18 Prozent Zuwachs in Q2/2025).

Ein tieferer Blick offenbart, dass lediglich einige Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung der Markttreiber seit dem Aprilcrash sind. Zwei Drittel der Titel liefen schlechter als der S&P 500. Die fehlende Breite des Marktes ist ein häufig beobachtetes Phänomen am US-Aktienmarkt. Etwas plakativer: Die „Glorreichen 7“ arbeiten sich nach einigen Monaten Underperformance zurück. Die europäischen Indizes (Euro Stoxx 50 bzw. STOXX Europe 600) konnten in diesem Kontext nicht mehr mithalten und kletterten lediglich etwa vier Prozent im zweiten Quartal, liegen aber im Gesamtjahr wie auch Asien weiterhin vorne.

Die Branchenentwicklungen zeigen ein durchwachsenes Bild. Trotz des Comebacks erleben Tech-Titel wegen der anfänglichen Tal- und anschließenden Bergfahrt ein eher durchschnittliches Jahr. Angeführt wird der Markt von jahrelang verschmähten europäischen Bankaktien und weiteren Finanzwerten wie Versicherungen. Defensive Werte waren im Zuge der Unsicherheit gesucht. So konnten sich Versorger und Telekom-Titel deutlich verbessern. Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzung im Nahen Osten und aufziehender Ängste um die Ölversorgung erlebten Energiewerte nur sehr kurzfristig eine hohe Nachfrage und konnten sich im Juni deutlich festigen.

Dass nicht alle defensiven Branchen von der Gemengelage profitierten, zeigten die über viele Jahre beliebten Gesundheitswerte eindrucksvoll (Stichworte: „Corona“, „Abnehmspritzen“). Ihre absolute Entwicklung ist enttäuschend und relativ zum Gesamtmarkt als historisch schwach zu bezeichnen.

Ausgewählte Branchen-Entwicklungen der letzten 5 Jahre (indexierter Verlauf)

Grafik: Banken und Rüstungswerte stellten zuletzt die Entwicklung vieler anderer Branchen in den Schatten.

Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 30. Juni 2025, indexiert per 30.06.2020=100

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Europäische Konsumartikelhersteller (des nicht-täglichen Bedarfs, also z.B. die Luxusgüterhersteller) stellen das Schlusslicht dar und verloren im laufenden Jahr entgegen dem Markttrend fast zweistellig. Kein Wunder, Verbraucher weltweit müssen in diesen Zeiten den Gürtel enger schnallen. Ähnliches dürfte auch der Hintergrund der unterdurchschnittlichen Entwicklung von Aktien aus dem Reise- und Freizeitsektor oder Autoaktien sein, die zudem von der ganzen Zolldiskussion deutlich tangiert sind.

Eine besondere Erwähnung verdienen Industrietitel, vor allem auch die darin enthaltenen Rüstungswerte. Sie sind seit Monaten der neue Renner am Markt, aber sicherlich kein billiger Geheimtipp mehr unter Anlegern. Aktien der Verteidigungsbranche konnten gleich mehrfach profitieren. Die kriegerischen Handlungen werden wieder häufiger, zudem konnten sich im Russland-/Ukrainekrieg die zwischenzeitlichen Friedensbemühungen seitens der USA im Berichtszeitraum nicht durchsetzen. Zuvorderst stellt die geplante Aufrüstung der NATO bzw. auch insbesondere die Wiederaufrüstung der Bundeswehr ein gigantisches Nachfragepaket für diesen Industriezweig dar. Auch wenn der Beschluss nicht bindend ist, stellt das „5-Prozent-Ziel“ der Mitgliedsländer perspektivisch ein Billionenprogramm für diesen einzelnen Industriezweig dar.

Zinsen und Anleihen

EZB senkt munter weiter, Trump schimpft über „Zu-Spät-Powell“

Im ersten Halbjahr 2025 war der US-Rentenmarkt von erheblichen Schwankungen geprägt. Auch hier sind politische Aspekte von hoher Relevanz, zuvorderst die seit Jahren negative Entwicklung des Staatsdefizits. Donald Trumps aggressive Zollpolitik und expansive Ausgabenpläne versetzen die Märkte wiederholt in Aufruhr. Die von Trump u.a. vorgeschlagenen Steuererleichterungen und eine weitere Anhebung der Schuldenobergrenze, euphemistisch im Gesamtpaket bekannt als das "Big Beautiful Bill", führten zu Unsicherheiten über die Fiskalpolitik. Die zur Gegenfinanzierung ausgelobten Ersparnisse, die der Trump-Intimus Elon Musk über die „DOGE“-Sparbehörde herbeiführen sollte, dürften in den angestrebten Größenordnungen reines Wunschdenken sein. Insofern rückt die Wichtigkeit neuer Einnahmequellen – wie Zölle – verständlicherweise in den Vordergrund.

Die größte Besorgnis im ersten Halbjahr 2025 war die wachsende US-Verschuldung, die laut Schuldenuhr mittlerweile 37 Billionen US-Dollar beträgt. Moody's senkte im Mai 2025 als letzte der drei großen Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der USA von der Höchstnote AAA um eine Stufe auf Aa1. Dies unterstreicht, dass die Fähigkeit der US-Regierung ihre Schulden zu bedienen, zunehmend in Frage gestellt wird. Analysten und Investoren äußerten Bedenken, dass das anhaltend hohe Defizit und die steigenden Zinskosten der hohen Schulden zu einer weiteren Herabstufung führen. Dies würde die Kreditaufnahme der Regierung im nächsten Schritt anhaltend verteuern – ein möglicher Teufelskreis. Letztlich war die wenig überraschende Rating-herabstufung im Mai aber kein bewegendes Ereignis mehr: Bereits Mitte Januar erreichten die US-Renditen (gemessen an 10-jährigen Laufzeiten) ihr bisheriges Jahreshoch bei 4,8 Prozent. Seit März schwanken sie um einen Wert von etwa 4,4 Prozent herum. Im Vergleich zum Jahresanfang ist das Renditeniveau sogar von 4,6 Prozent auf zuletzt 4,2 Prozent gesunken.

Fälligkeiten-Struktur der US-Verschuldung je Kalenderjahr (in Billionen USD)

Grafik: Das US-Finanzministerium hat ein Problem. Der von der Vorgängerregierung geerbte Schuldenberg ist vor allem kurzfristig finanziert. Im laufenden Kalenderjahr müssen über 9 Billionen US-Dollar über den Kapitalmarkt refinanziert werden.

Quelle: Bloomberg, Auswertung per Jahresanfang 2025

In Kontext der äußerst kurzfristigen Finanzierung und Fälligkeiten der US-Schulden ist die Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve („Fed“) von zentraler Bedeutung. Die Fed hielt den Leitzins seit Dezember 2024 unverändert an der oberen Grenze von bis zu 4,5 Prozent. Dies veranlasste Trump dazu Fed-Chef Jerome Powell mehrfach öffentlich zu kritisieren und zu beschimpfen („Too-late-Powell“ bis hin zu „dumme Person“). In einem handschriftlichen Brief beschuldigte er ihn die USA „ein Vermögen" zu kosten. Er forderte wiederholt drastische Zinssenkungen von einem ganzen Prozentpunkt. Erwartungsgemäß hat sich die Fed in den letzten Monaten weiterhin nicht zu einer Anpassung der US-Leitzinsen nach unten durchringen können. Powell betonte, dass die Fed abwarten wolle, um die Auswirkungen der Tarifpolitik auf die Inflation zu beobachten, und dass eine vorsichtige Herangehensweise notwendig sei. Fakt ist, dass die Notenbankpolitik in den USA aufgrund des hohen Realzinses (Zins minus Inflation) zu den restriktivsten aller Industrieländer zählt.

Im Kontrast dazu liefern Notenbanken weltweit mehrheitlich und konstant Zinssenkungen. Auch die Europäischen Zentralbank (EZB) drückte in mehreren Schritten die Leitzinsen, um die Wirtschaft im Zuge der rückläufigen Inflation und inmitten wirtschaftlicher Unsicherheiten zu unterstützen. Die EZB-Zinssätze wurden bereits vier Mal im laufenden Jahr nach unten geschraubt, was für den Einlagensatz seit Mitte Juni ein Niveau von glatt zwei Prozent bedeutet. Trump nutzte dies gegenüber Powell mehrfach als Argument. In der Schweiz sind die Zinsen sogar wieder an der Nullmarke angekommen.

Die Entscheidung der neuen Bundesregierung in den kommenden Jahren Milliarden für Rüstungs- und Infrastrukturprojekte auszugeben, markierte einen historischen Wandel in der deutschen Fiskalpolitik, die traditionell von strengen Haushaltsdisziplinen geprägt war. Laut Planung des Finanzministeriums von Lars Klingbeil will Deutschland bis 2029 neue Schulden von fast 850 Milliarden Euro aufnehmen. Zur Einordnung: Das entspricht in etwa der Hälfte der Schulden, die alle Regierungen in 76 Jahren Bundesrepublik Deutschland angehäuft haben. Von den schwindligen Höhen der Vereinigten Staaten ist die deutsche Gesamtverschuldung absolut und in Abhängigkeit zur Wirtschaftsleistung (BIP) jedoch weit entfernt.

Bereits die Ankündigung des Vorhabens führte im ersten Quartal zu einem Anstieg der Renditen deutscher Staatsanleihen, da die Märkte die erhöhte Verschuldung und die damit verbundenen Risiken einpreisten. Die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihen stieg von 2,4 Prozent zu Jahresbeginn auf zwischenzeitlich über 2,9 Prozent. Die anschließende Beruhigung drückte das Niveau zum Halbjahresende dann auf 2,6 Prozent. Die Kombination aus geldpolitischer EZB-Lockerung und expansiver Fiskalpolitik u.a. der Bundesregierung führte zu einer steileren und normalisierten Zinskurve. Investoren berücksichtigen damit die Auswirkungen der erhöhten Staatsausgaben auf Wachstum, Inflation und Staatschulden.

Währungen und Rohstoffe

Dollar so schwach wie seit 1973 nicht mehr – Metalle gesucht

Die Währungsentwicklungen im ersten Halbjahr und seit der Amtseinführung Donald Trumps fielen ungewöhnlich deutlich aus. Der Dollar war die mit weitem Abstand schwächste G10-Währung und wertete zum Euro fast 14 Prozent ab. Mit rund 1,18 Euro pro US-Dollar erreichte er das höchste Niveau seit mehreren Jahren und besiegelte das schwächste Halbjahr seit über 50 Jahren. Natürlich spiegelt die Entwicklung teilweise eine scheinbar normale Gegenbewegung auf die Dollarhausse der letzten Jahre wider. Auslöser und Verstärker dürfte das schwindende Vertrauen in die finanzielle Solidität und politische Verlässlichkeit der Vereinigten Staaten gewesen sein.

Besonders schwach zeigten sich ansonsten der Australische und Kanadische Dollar. Als sogenannte Rohstoffwährungen leiden sie stark an den Handelskonflikten und konnten nicht einmal von den anziehenden Notierungen bei Gold und Öl profitieren, deren Verlauf sie oft ähnlich widerspiegeln. Insofern kann man zusammenfassend von einer Euro-Stärke sprechen. Die Gemeinschaftswährung verlor nur geringfügig zum Schweizer Franken und der Schwedischen Krone.

Spiegelbildlich setzten Edelmetalle (oft als Währungen ohne Fehl und Tadel bezeichnet) den Rekordlauf fort, zumal die globalen Unsicherheiten und Kriege weitere Fluchtbewegungen in Sicherheit auslösten. Gold und Silber können sich etwa um ein Viertel im Wert festigen. In den Schatten gestellt wird diese glänzende Entwicklung nur noch von Platin – allein im zweiten Quartal haussierte es mit rund 36 Prozent und erhöhte den Jahresgewinn auf gut 48 Prozent.

Die schwache Phase des US-Dollars zwischen 2000-2005

Grafik: Der aktuelle Verlauf seit 2024 weist große Ähnlichkeiten mit der Zeit 2000-2005 auf. Seinerzeit hat der Dollar schlussendlich ca. ein Drittel an Wert verloren. Zeichnet sich die Parallele fort, würde die größere Abwärtsbewegung erst 2026 einsetzen. Demnach stünde im 2. Halbjahr 2025 noch eine moderate Erholung des US-Dollars an.

Quelle: FactSet, Zeitraum: April 2000 bis April 2005

Bei Industriemetallen ergibt sich ein durchwachsenes Bild: Das für die Energiewende sowie für die Technologiebranche wichtige Kupfer bleibt trotz Handelskrieg aufgrund wachsender Angebotsdefizite gefragt. Es notiert etwa 15 Prozent teurer als zu Jahresbeginn. Dass die Zollpolitik selbst hier zu Verzerrungen führt, kann man an den Terminmärkten beobachten: an der US-Terminbörse Comex stieg der Kupferpreis um 27 Prozent aufgrund nachfragebedingter „Vorzieheffekte“ aus Angst vor Kupferzöllen.

Die Preise für Energierohstoffe standen per Saldo unter Druck. Die Nordsee-Sorte Brent verbilligte sich um gut zehn Prozent – im Anfangsquartal 2025 notierte es noch unverändert. Im Nachgang des „Liberation Days“ preisten die Märkte eine Verlangsamung des Welthandels ein, was stets umgehende Auswirkungen auf den Schmierstoff der Weltwirtschaft hat. Die Eskalation zwischen Israel und dem Iran führte rückblickend nur zu einer kurzlebigen Befestigung der Energiepreise mit dem Höhepunkt um die Diskussionen einer möglichen Schließung der Straße von Hormus. Zwischenzeitlich fokussieren sich die Märkte auf weitere Produktionserhöhungen der OPEC Plus, die das Preisgefüge drücken dürften.

Perspektiven 2025

MAGA- oder MEGA-Halbjahr voraus? Es geht nicht nur um Zölle!

Die jüngsten Fortschritte in den Handelsgesprächen vor allem zwischen den USA und China haben die globalen Märkte beflügelt. Der 9. Juli als Ende der Zollpause rückt immer näher und die Märkte zeigen sich erstaunlich gelassen angesichts der Tatsache, dass nur sehr wenige Zollabkommen (u.a. Großbritannien, China, Vietnam) unter Dach und Fach sind. Sicherlich laufen hinter verschlossenen Türen kniffelige Verhandlungen, aber von den berühmten „Deals“ scheint man weit entfernt zu sein. Es verwundert keinesfalls, wenn Trump in seiner typischen Art bei einzelnen Ländern die Geduld verlieren und wieder an der Zollschraube drehen wird. Gerade die EU hat nicht all zu viel an Verhandlungsmasse entgegenzusetzen. Unsere Märkte könnten als Reaktion nochmals empfindlich reagieren. Auch die geopolitischen Unsicherheiten allgemein sind nach wie vor groß. Man muss annehmen, dass der nur aufgeschobene Nahost-Konflikt bzw. Iran-Atomstreit immer wieder in den kommenden Jahren auflodern wird. Es scheint jedoch, als gewöhnen sich Investoren an diese neue Normalität und blicken durch die schlechten Narrative hindurch. Mit anderen Worten: natürlich gibt es immer einen Grund nicht zu investieren. Aber genau dann erscheinen in der Regel die besten Gelegenheiten.

Aktuelle Wirtschaftsdaten sind von einem Nebel der Unsicherheit umgeben. Zum einen, weil sie in vielen Fällen auf stimmungsgetriebenen Umfragen basieren, die vermutlich ein nach unten überzeichnetes Bild abgeben. Zum anderen, weil die „harten Fakten“ teilweise von Vorzieheffekten und anderen Verzerrungen überlagert sind, die noch auf den „Liberation Day“ zurückzuführen sind.

Um die kommenden Monate seriös zu beleuchten, muss man für eine Prognose tief in die „Trickkiste“ diverser Frühindikatoren greifen. Dabei trifft man trotz der Widrigkeiten auf ermutigende Signale, u.a. durch die geldpolitischen Impulse weltweit. Zwar ist anzunehmen, dass der Zinssenkungszyklus vieler Notenbanken bereits kurz vor dem Ende steht und den berühmten „neutralen Zins“ erreicht haben dürfte. Der Effekt spürbar gesunkener Finanzierungskosten sollte aber mit dem typischen Zeitverzug sukzessive in der Realwirtschaft ankommen.

Die Inflationsdaten erfahren nun keinen Rückenwind mehr durch günstige Basiseffekte im Vergleich zum Vorjahr. Die Inflationsrate ist im Euroraum wie erwartet im Juni leicht gestiegen. Sie bleibt mit zwei Prozent exakt im Ziel der EZB. Die Kernrate ist mit 2,3 Prozent jedoch leicht erhöht, insbesondere der Abwärtstrend bei der Teuerung von Dienstleistungen hat sich nicht weiter bestätigt. Die nachlassende Lohndynamik der Eurozone spricht zwar für eine Abschwächung des Inflationsdrucks, jedoch verbleiben die bekannten Risiken überwiegend aus dem Zollstreit. Die EZB dürfte daher im laufenden Jahr maximal noch einen Zinsschritt gehen. In den USA wiederum haben die Senkungen bekanntlich gar nicht richtig eingesetzt. Es könnte die Ironie des Schicksals sein, dass die hartnäckige Haltung der Fed zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird und das restriktive Niveau im Zuge einer abgewürgten Wirtschaft bzw. eines deutlich verschlechterten Arbeitsmarkts aufgegeben werden muss. Trump hätte dann die Bestätigung, dass die Fed – wie historisch oft zu beobachten – notorisch spät mit ihren Entscheidungen ist.

Unser Basisszenario bleibt bestehen, dass die Weltwirtschaft zwar unterdurchschnittlich, aber aus Sicht des Kapitalmarkts „brauchbar“ wachsen wird. Der Internationale Währungsfonds IWF schätzt im Rahmen seines April-Updates den Anstieg des globalen BIP auf 2,8 Prozent im laufenden Jahr und 3 Prozent im kommenden Jahr. Regional gleicht sich das Wachstum dabei etwas an. Die Ausnahmestellung der USA, die in Teilen auf die massive Befeuerung durch exzessive Schuldenaufnahme zurückzuführen ist, sollte sich deutlich normalisieren. Auch in Asien kommt das hohe Wachstum etwas zurück.

US-Wachstumszahlen von 1-2 Prozent erscheinen für die Zukunft realistisch. Der Gefahr einer Rezession in den USA darf man sich noch nicht vollständig verschließen. Einige warnende Indikatoren u.a. aus dem für die stark konsumlastige US-Volkswirtschaft wichtigen Arbeitsmarkt deuten in diese Richtung. Inwieweit die MAGA-Bemühungen Trumps („Make America Great Again“) zur Reindustrialisierung langfristig positive Impulse setzen, kann heute noch nicht beurteilt werden.

Das Argument verbesserten Wachstums durch Schuldenaufnahme gilt selbstverständlich auch für die Eurozone, v.a. für Deutschland. Bereits in den vergangenen Jahren haben uns die Südländer durch eine expansivere Fiskalpolitik und den boomenden Tourismus- und Dienstleistungsbereich abgehängt. Ökonomen stellen sich die wesentliche Frage, ob es mit dem deutschen Fiskalpaket gelingen kann einen nachhaltigen Aufschwung zu etablieren oder ob Ausgaben mit Schwerpunkt Infrastruktur und Aufrüstung lediglich ein Strohfeuer entfachen werden.

Was bedeutet dies für Anleger?

Nach dem Albtraum der Finanzkrise 2008 hatten alle US-Vermögenswerte (Aktien, Anleihen, Immobilien, der US-Dollar…) eine 15-jährige Traumzeit. Jetzt sind die Bewertungen von US-Vermögenswerten aber im Traumland angekommen. Sie sind auf Perfektion bewertet. Der Rest der Welt (Europa, Japan, Schwellenländer) hingegen war im Tiefschlaf und beginnt gerade aufzuwachen. Hier sind die Bewertungen vernünftig bis günstig. Das sagt viel über die Risiko-Rendite-Landschaft der kommenden Jahre. Die globale Umschichtung von Geldern scheint bereits im vollen Gange.

„Gewinnrendite“ des STOXX Europe 600 sowie 3-Monats-Rendite (Euribor)

Grafik: Die sogenannte „Gewinnrendite“ des europäischen Aktienmarkts liegt mit fast 7% immer noch auf attraktivem Niveau und deutlich oberhalb der Verzinsung kurzfristiger Anlagen. Da die Gewinnrendite in den USA (ohne Abb.) lediglich bei ca. 4,5% liegt, ist auch die relative Attraktivität Europas auf gutem Niveau gegeben. Dies erklärt auch die zunehmenden Umschichtungen internationaler Anleger.

Quelle: FactSet, Stand: 30. Juni 2025

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Wird das kommende Halbjahr also weiterhin MEGA („Make Europe Great Again“) und kann sich die deutliche Outperformance unseres Kontinents weiter fortsetzen? Es dürfte ein Fehler sein jetzt alles auf die Europa-Karte zu setzen. Vielmehr kommt es weiterhin auf eine gute Diversifikation sowie sinnvolle Auswahl und Zusammenstellung der Branchen und Titel je Region an. Wir gewichten die USA aktuell „neutral“ mit der Tendenz bei bestimmten Branchen v.a. zur Reduzierung des Währungsrisikos zukünftig Europa den Vorzug zu geben.

Die 500 größten Börsenunternehmen in den USA haben im abgelaufenen Geschäftsjahr so hohe Gewinne eingefahren wie nie zuvor. Nach wie vor haben viele Industriezweige vor allem mit Technologie-Touch ein sehr hohes Wachstum und eine marktführende Stellung aufzuweisen. Der Ausrüstungsboom und die Umsetzung von Künstlicher Intelligenz (KI) dürfte immer noch am Anfang stehen und sich fortsetzen. Für den Gesamtmarkt prognostizieren Analysten für die Kalenderjahre 2025 und 2026 im Schnitt einen Gewinnzuwachs von etwa 12 Prozent für die technologielastige USA, aber mit etwa 6 Prozent lediglich die Hälfte für Europa. Chancen eröffnen sich in Europa vor allem in der Reihe der Nebenwerte, die in den letzten Jahren deutlich zu kurz bei Anlegern gekommen sind. Einige kleine Marktführer und „Hidden Champions“ haben oft auch zweistelliges Gewinnwachstum bei tiefen Bewertungen.

Leider schaden die aktuellen Turbulenzen den Zahlen der europäischen Unternehmen, nämlich auf dem Umweg über den festen Euro. Je mehr er gewinnt, desto teurer werden unsere Waren und Dienstleistungen im Ausland. Zudem verringern sich die Erträge in der Bilanz, sobald die Firmen ihre im Dollar-Raum erzielten Gewinne in Euro umrechnen. Selbst wenn man unterstellt, dass maue Dollartrend mittelfristig anhaltend dürfte, so scheint der Greenback im zweiten Halbjahr reif für eine Gegenbewegung zu sein. Stimmung, Positionierung und Markttechnik sind mittlerweile als einseitig zu bezeichnen.

Im Anleihensegment gehen wir mit angemessener Vorsicht vor. Man sollte sich nicht zu stark durch die Zinssenkungen der Notenbanken am kurzen Ende der Zinsstruktur beeindrucken lassen. Die jüngsten Schuldenexzesse sowie die sich möglicherweise verbessernden Konjunkturaussichten laden nicht zu einer offensiven Laufzeitsteuerung ein. Die längerfristigen Renditen befinden sich bei genauerer Betrachtung noch im Aufwärtstrend. Gleichzeitig lässt die Lücke zum nominellen Wachstumstrend des Euro-BIP befürchten, dass die Renditen bei Staatsanleihen eher weiter steigen könnten. Pfandbriefe und ähnliche gedeckte Anleihen können ein sinnvoller Ersatz für Öffentliche Papiere sein. Vor allem aber ausgesuchte Unternehmensanleihen mit überschaubaren, eher mittleren Laufzeiten stellen nach wie vor den sinnvollen Schwerpunkt unseres Vorgehens dar.

Fazit: Im laufenden Jahr werden trotz aller Unsicherheiten wichtige Impulse für die Zukunft gesetzt, die langfristige Auswirkungen haben. Viele Anleger trauen kurzfristig dem Braten noch nicht. Insofern gibt es keinen gefährlichen Überoptimismus. Die Markttechnik am Aktienmarkt seit dem Crash nach dem „Liberation Day“ weiß über Marktbreite und Momentum zu überzeugen, ebenso die günstige Bewertung vieler Länder und Regionen außerhalb der USA.

Vieler Investoren dürften ihre Portfolien anhaltend von den USA unabhängiger ausrichten. Dieser Trend hat 2025 erst begonnen. MAGA oder MEGA – völlig egal, bei richtiger Streuung und Auswahl kann man beides für sich arbeiten lassen. Wir bleiben bei unserer konstruktiven Sicht auf die kommenden Monate, selbst wenn es weiterhin holprig und wenig geradlinig sein dürfte.

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Marktbericht 1. Quartal 2026

Rückblick auf das 1. Quartal 2026

Einem guten Start in das neue Jahr folgt die Volte des Irankriegs

Das von uns zu Jahresbeginn gewählte Bild des „Feuer-Pferdes“ beschreibt das Marktumfeld weiterhin treffend: ein Umfeld mit Dynamik, aber auch überraschenden Richtungswechseln.

Nach einem gelungenen Jahresstart rückte der Fokus der Anleger vom dominierenden Narrativ rund um den Boom Künstlicher Intelligenz ab. Die geopolitische Eskalation im Nahen Osten mit dem Angriff Israels und der USA auf den Iran stand stattdessen ab März klar im Mittelpunkt. Durch iranische Gegenangriffe wurden Produktionsstätten einiger Golfstaaten nachhaltig beschädigt. Insbesondere durch die faktische Schließung der Straße von Hormus schossen die Energiepreise nach oben. Sie beeinflussen Inflationserwartungen und geldpolitische Maßnahmen in einem Umfeld hoher staatlicher Verschuldung und der Finanzierung weiterer Defizite. Wie lange können sich die USA den Krieg politisch und wirtschaftlich leisten? Zwischen Rhetorik und Realität liegen Welten: Einen einfachen Ausweg gibt es nicht mehr. Auch eine einfache Rückkehr zur Normalität an den Kapitalmärkten erscheint in dieser Konstellation schwierig, je länger der Konflikt im Nahen Osten dauert.

Trotz erhöhter Unsicherheit und Risiken zeigt sich die fundamentale Ausgangslage insgesamt stabil: Die Weltwirtschaft wächst moderat, Unternehmensgewinne sowie die wichtigen Gewinnschätzungen entwickeln sich meist robust. Strukturelle Investitionstrends rund um Künstliche Intelligenz, Infrastruktur und Verteidigung bleiben intakt.

Entwicklungen im 1. Quartal 2026 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.

Daten per 31.03.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.

Hinweis: Der Balken für Brent-Öl wurde zur besseren Vergleichbarkeit der übrigen Märkte gekürzt.

Die globale Konjunktur entwickelte sich im ersten Quartal auf Basis erster Indikationen insgesamt tragfähig. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes und Umfragen deuten trotz des geopolitischen Schocks auf moderates Wachstum hin. Die OECD erwartet für 2026 nun ein etwas gedämpftes Wachstum von 2,9 Prozent. Ohne Energiepreisschock wäre eine – in unseren Jahresausblicken bereits erwartete – Aufwärtsrevision möglich gewesen.

Stabile Frühindikationen: Einkaufsmanagerindizes der Industrie

Grafik: Der Trend der globalen Industriestimmung bleibt trotz geopolitischer Unsicherheit noch (?) erfreulich über der Expansionsmarke von 50. Deutschland konnte zuletzt wieder zum globalen Trend aufschließen.

Quelle: S&P Global, FactSet, Stand: 4. April 2026

Die US-Wirtschaft zeigt sich vergleichsweise widerstandsfähig. Konsum und Arbeitsmarkt bleiben vor allem in den oberen Einkommensgruppen stabil, auch wenn es erste Anzeichen einer Abschwächung gibt. In Europa bleibt die Wirtschaftsentwicklung verhaltener und wird überwiegend von den umfangreichen staatlichen Investitionsprogrammen gestützt. Dies konnte man beispielsweise an den überraschend hohen Auftragseingängen der deutschen Industrie zu Beginn des Jahres ablesen. Fiskalische Impulse wie Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung gewinnen jedoch nicht nur in Deutschland an Bedeutung; auch in Japan, Kanada und den USA stellen staatliche Maßnahmen ein spürbares Gewicht dar. Auch China stabilisiert seine Wirtschaft durch gezielte Impulse, insbesondere in strategischen Schlüsseltechnologien (z.B. massive Förderung von KI, Halbleitern, Robotik, Energiespeichern und Biotech). Es priorisiert technologische Souveränität und industrielle Stärke dabei konsequent vor konsumgetriebenem Wachstum. Die zwangsläufig entstehenden Überkapazitäten sind gewollt: Die hohen Investitionen führen zu Exportdruck und verschärftem Wettbewerb mit Europa.

Die Inflationsraten waren in den westlichen Industriestaaten im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zurückgegangen, liegen aktuell jedoch wieder oberhalb der typischen Zielwerte vieler Notenbanken. Nach den neuesten Inflationsdaten von 2,5 Prozent in der Eurozone zeigt sich, wie anfällig die Inflation für externe Schocks bleibt. Wesentlicher Treiber waren die sprunghaft gestiegenen Energiepreise im Zuge der Eskalation des Konflikts zwischen Israel, USA und Iran. Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Transportverbindungen für Öl und Gas weltweit. Bereits die Gefahr von Einschränkungen führte zu einer spürbaren Risikoprämie am Energiemarkt. Eskalierende Angriffe der Konfliktparteien auf die Energieinfrastruktur in der gesamten Region resultieren in einem längeren Produktionsausfall. Dieser dürfte Europa stärker treffen als die USA selbst, die mittlerweile ein Netto-Energieexporteur sind.

Düngemittel: Preisanstieg zum Vorjahr in Prozent

Grafik: Der aktuelle Anstieg der Düngemittelpreise deutet auf Folgewirkungen für Nahrungsmittelpreise und Inflation hin – jedoch noch nicht im gleichen Ausmaß wie 2021/2022.

Quelle: Weltbank, FactSet, Stand: 31. März 2026

Steigende Energiepreise wirken wie eine Steuer auf die Weltwirtschaft: Sie erhöhen Produktionskosten, belasten den Konsum und lassen Inflationsraten wieder steigen. Anders als nach 2020 stehen heute jedoch weniger frei verfügbare finanzielle Puffer zur Verfügung – während der damaligen Corona-Lockdowns konnte man schlichtweg kaum Geld ausgeben. Erst danach entlud sich die aufgestaute Nachfrage und sorgte für die damalige Teuerungswelle. Die jetzt schmaleren Geldbeutel belasten perspektivisch den Spielraum für Konsum. Der positive Nebeneffekt ist also, dass aus diesem Blickwinkel die Teuerung nicht zusätzlich befeuert wird.

Erdgas ist ein zentraler Inputfaktor in der Düngemittelproduktion. Entsprechend reagieren Düngemittelpreise sehr sensibel auf geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie auf Störungen von Energie- und Handelsströmen. Über die Golfstaaten werden erhebliche Teile der weltweiten Nachfrage nach Düngemitteln bedient – ausgerechnet zur Aussaat im Frühjahr droht ein Angebotsausfall, der sich später in deutlich steigenden Nahrungsmittelpreisen bis hin zu Engpässen widerspiegeln könnte.

Die Notenbanken befinden sich daher im Auftrag der Geldwertstabilität weiterhin in einem äußerst anspruchsvollen Spannungsfeld. Kann man einem externen Angebotsschock überhaupt durch eine Geldpolitik begegnen, die vor allem auf die Nachfrageseite der Wirtschaft zielt? Eine schnelle Lockerung der Geldpolitik erscheint gewagt: Einerseits ziehen die Inflationsraten für einige Zeit wieder an, andererseits könnten die geopolitischen Risiken die weltweite Konjunktur abwürgen. Das Unwort Stagflation macht sich in mancher Diskussion bereits breit. Ganz entscheidend wird sein, wie lange die Störungen der Energie- und Düngemittelversorgung anhalten – buchstäblich jeder Tag zählt. Insgesamt haben die Kapitalmärkte ihre Erwartungen an weitere Zinssenkungen vor allem der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im Jahresverlauf zuletzt aufgrund der neuen Umstände deutlich reduziert.

Inflation in Deutschland und EZB-Leitzins

Grafik: Trotz Rückgang bleibt die Teuerung anfällig für den neuerlichen Energiepreisschock. Die EZB bewegt sich zwischen Wachstumsschwäche und Inflation – mit steigenden Leitzinsen rechnen wir daher vorerst nicht.

Quelle: FactSet, Stand: 4. April 2026

Fast in den Hintergrund gerückt sind die letztjährigen Diskussionen um die Fed. US-Präsident Donald Trump hat Ende Januar Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden nominiert. Warsh soll Jerome Powell ablösen, dessen Amtszeit als Fed-Chef im Mai 2026 endet. Der „Neue“ war bereits von 2006 bis 2011 Mitglied im Gouverneursrat der Fed. Die Nominierung wurde von den Kapitalmärkten bislang wohlwollend aufgenommen. Sie verbinden mit Kevin Warsh die Erwartung einer strukturellen Neuausrichtung der Geldpolitik, die zwischen Trumps Forderungen nach sehr niedrigen Zinsen und Warshs eigener stabilitätsorientierter Agenda steht.

Auch die Handelspolitik sorgte im ersten Quartal erneut für erhöhte Aufmerksamkeit. Der US Supreme Court entschied im Februar 2026, dass Zölle nicht auf Basis des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA von 1977) verhängt werden können, da die Verfassung die Kompetenz zur Erhebung von Zöllen grundsätzlich dem Kongress zuweist. Die US-Administration reagierte kurzfristig mit einer neuen globalen Importabgabe von zunächst 10 Prozent auf Grundlage von Section 122 des Trade Act von 1974. Nur wenige Tage später wurde eine Erhöhung auf die maximal zulässigen 15 Prozent bereits angekündigt, aber noch nicht umgesetzt. Die Maßnahme ist auf der aktuellen rechtlichen Basis jedoch auf 150 Tage (Juli 2026) begrenzt. Danach ist eine weitergehende gesetzliche Grundlage erforderlich. Parallel wurden neue Untersuchungen nach Section 301 eingeleitet, um längerfristige Zölle zu ermöglichen.
Die Entwicklungen waren in weiten Teilen am Kapitalmarkt so erwartet worden. Für Unternehmen wie auch Kapitalanleger bleibt es jedoch bei erhöhter Unsicherheit hinsichtlich der Stabilität von Handelsregeln und Lieferketten.

Aktien

Märkte im Realitätscheck: Neue Gewinner, neue Zweifel

Die Aktienmärkte entwickelten sich im ersten Quartal sehr uneinheitlich. Während europäische und asiatische Aktienmärkte bis zum Kriegsausbruch teilweise deutlich zulegen konnten, zeigte sich vor allem der US-Technologiesektor in einem insgesamt stagnierenden US-Markt zwischenzeitlich sogar schwächer. Positiv ist zudem, dass sich die Marktbreite verbessert hatte und die Entwicklung nicht mehr ausschließlich von wenigen großen Firmen oder nur einzelnen Ländern getragen wird.

Ein zentrales Thema bleibt weiterhin die Entwicklung im Bereich künstliche Intelligenz. Große Technologieunternehmen investieren anhaltend und massiv in Chips, Rechenzentren und entsprechende Softwarelösungen. Gleichzeitig wird intensiv diskutiert, wie schnell sich diese Investitionen in steigenden Gewinnen niederschlagen. Der Kapitalmarkt beginnt stärker zu differenzieren zwischen Unternehmen, die bereits kurzfristig profitieren, und solchen, bei denen zunächst steigende Kosten im Vordergrund stehen.

Auffällig ist dabei ein gewisser Widerspruch: Während ein Teil des Marktes die hohen Investitionen skeptisch bewertet, hat sich zugleich die Erzählung von „Software frisst die Welt“ (Titel eines Essays im Wall Street Journal aus dem Jahr 2011) zunehmend zu „KI frisst Software“ verschoben – also zu der Erwartung, dass künstliche Intelligenz zunehmend selbst Programmieraufgaben übernimmt und die Erstellung vieler Softwarelösungen vereinfacht. Sollte KI tatsächlich zu erheblichen Produktivitätsgewinnen führen, dürften sich diese mittelfristig konsequenterweise auch in steigenden Unternehmensgewinnen widerspiegeln. Beide Sichtweisen gleichzeitig lassen sich daher nur begrenzt aufrechterhalten. Sie machen trotz aller Chancen für die mittelfristige Perspektive die derzeitige Anlagepolitik jedoch äußerst herausfordernd.

Im Zuge der KI-Zweifel tauchte am Kapitalmarkt vermehrt das Schlagwort HALO („Heavy Assets, Low Obsolescence“) auf. Gemeint sind Unternehmen mit hohen physischen Vermögenswerten und geringerem Disruptionsrisiko, etwa aus den Bereichen Industrie, Energie, Infrastruktur oder Versorger. Das einfache KI-Narrativ der Vorjahre hatte damit ausgedient. Stattdessen honorierte der Markt nun verstärkt Geschäftsmodelle der „alten Industrien“, deren Wertschöpfung weniger leicht durch KI verdrängt werden kann. Dies führte vor allem in den ersten beiden Kalendermonaten zu erheblichen Branchenrotationen und einem Comeback vieler zuvor zurückgebliebener Aktien.

Aufgrund des zunehmend eskalierenden Geschehens im Nahen Osten setzten sich diese Entwicklungen im März jedoch nicht weiter fort. Infolge der veränderten Energie- und Wirtschaftslage wurden vor allem zyklische oder zinssensible Branchen abverkauft. Außer Energieaktien konnte im Einzelmonat März keine Branche Zugewinne verzeichnen. Bei allen 19 anderen von uns beobachteten Industriezweigen stellte sich lediglich die Frage nach der Höhe der Verluste. In Europa zählen im bisherigen Jahresverlauf konsumorientierte Aktien zu den schwächsten Segmenten. Insbesondere hatten Reise- und Fluggesellschaften, Automobilwerte sowie Medienunternehmen teils zweistellige Rückgänge. Gewinner stammen vor allem aus dem Bereich Rohstoffe, allen voran Öl- und Gastitel, zudem Telekommunikation sowie Versorgeraktien.

Auch international zeigt sich ein ähnliches Bild. Viele Börsenbarometer drehten von zuvor positiven Entwicklungen ins Minus. Auch die gut laufenden asiatischen Märkte bzw. Schwellenländer konnten sich von den Ereignissen nicht vollständig entkoppeln, zeigen sich im laufenden Jahr per Saldo jedoch vergleichsweise stabil. Zugewinne kann unter den etablierten Märkten aktuell nur noch Japan verzeichnen. In Summe weist der MSCI Weltaktienindex (inkl. Schwellenländer) ein Minus von 3,1 Prozent auf US-Dollar-Basis auf, während der historisch in solchen Phasen stets anfällige DAX sogar 7,4 Prozent verlor.

Entwicklung der Gewinnschätzungen im STOXX Europe 600

Grafik: Derzeit erwarten die Analysten noch ein moderates Gewinnwachstum für Europa, das besser ausfallen soll als in den Vorjahren üblich.

Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 4. April 2026 (Schätzungen für die nächsten 12 Monate). Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Die bislang vorliegenden Gewinnberichte bestätigen insgesamt ein solides Fundament der Unternehmen. Für die Unternehmen im S&P 500 wird für das erste Quartal das sechste Quartal in Folge mit zweistelligem Gewinnwachstum erwartet. Besonders stark entwickeln sich weiterhin Technologie-, Finanz- und Rohstoffunternehmen. Auch in Europa zeichnet sich eine moderate Verbesserung ab: Für die Unternehmen des STOXX 600 wird aktuell ein moderater Gewinnanstieg erwartet, unterstützt vor allem durch den Energiesektor infolge gestiegener Rohstoffpreise.

Auffällig ist, dass positive Ergebnisse nicht immer zu steigenden Kursen führen. Investoren achten angesichts der insgesamt erhöhten Marktbewertungen zunehmend stärker auf den Ausblick der Unternehmen, insbesondere auf die Entwicklung der Margen, Investitionsausgaben im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sowie mögliche Auswirkungen von Zöllen und Energiepreisen. Insgesamt signalisieren viele Unternehmen bislang weiterhin eine stabile Nachfrage, weisen jedoch zugleich auf ein anspruchsvolleres Umfeld mit höheren Kosten und politischer Unsicherheit hin.

Zinsen und Anleihen

Renditen steigen wieder – politische Spielräume sinken

Auch die Rentenmärkte waren im ersten Quartal von erhöhter Volatilität geprägt. Nachdem zu Jahresbeginn noch mit Zinssenkungen vor allem der US-Notenbank Fed gerechnet wurde, führten insbesondere der Anstieg der Energiepreise sowie die Unsicherheiten über den weiteren Inflationsverlauf im Zuge des Iran-Konflikts zu einer Neubewertung des möglichen Zins- und Renditepfads. Die Renditen von Staatsanleihen über nahezu alle Laufzeiten hinweg bewegten sich entsprechend spürbar nach oben, was im Kontext der hohen Staatsverschuldung vieler Industrienationen problematisch ist. Gewinner in diesem Umfeld waren jedoch inflationsgeschützte Anleihen (Inflation Linked Bonds), die unmittelbar auf steigende Inflationserwartungen mit Kursgewinnen reagieren.

Erneut zeigte sich in diesem Zusammenhang das Phänomen, dass Donald Trump seine Tonalität oder Maßnahmen bei zu starken Marktverwerfungen abschwächt, um die Kapitalmärkte zu beruhigen. Hohe Zinsen können sich die USA schlicht nicht leisten. Weiterhin ist also der eigene Rentenmarkt der ultimative Endgegner für den US-Präsidenten. Bereits im vergangenen Jahr wurde dieses Verhalten als „TACO“ bezeichnet: Trump always chickens out, Trump macht also regelmäßig einen Rückzieher.

Unternehmensanleihen entwickelten sich trotz der zunehmenden Risikoaversion weitgehend stabil. Die Risikoaufschläge erhöhten sich krisenbedingt nur moderat, da die Fundamentaldaten der Unternehmen überwiegend solide sind. Gleichzeitig deutet dies auf die Erwartung einer weiterhin robusten gesamtwirtschaftlichen Entwicklung hin. Von einer ausgeprägten Stresssituation am Kreditmarkt kann bislang nicht gesprochen werden.

Im Vergleich zu den Jahren vor 2022 bieten Anleihen weiterhin deutlich höhere laufende Renditen. Laufende Kupons gewinnen damit wieder stärker an Bedeutung für die Gesamtrendite eines Portfolios. Ob diese Renditen auch real – also nach Abzug der Inflation – attraktiv bleiben, hängt wesentlich vom konkreten Inflationsverlauf ab. Gleichzeitig erfüllen Anleihen wieder verlässlicher ihre klassische Rolle als stabilisierender Portfolio-Baustein, nachdem dieser Diversifikations-effekt in der vergangenen Phase stark steigender Zinsen zeitweise eingeschränkt war. Die Kombination aus Verzinsung und Diversifikation erhöht daher trotz zwischenzeitlicher Schwankungen die Attraktivität dieser Anlageklasse.

Ausgesuchte Renditeentwicklungen im Vergleich

Grafik: Der Renditeanstieg bei Unternehmensanleihen (hier ausschließlich Papiere mit BBB-Rating) ist überwiegend auf das höhere Zinsniveau zurückzuführen. Die Risikoaufschläge bleiben bislang moderat und signalisieren keinen ausgeprägten Stress im Kreditmarkt.

Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 4. April 2026

Besonders relevant bleibt dabei die Laufzeitenstruktur: länger laufende Anleihen reagieren deutlich empfindlicher auf Veränderungen der Inflationserwartungen. Eine eher kürzere bis ausgewogene Duration (Kapitalbindungsdauer) kann helfen, Zinsänderungsrisiken zu begrenzen, ohne auf die inzwischen wieder attraktiven Renditen verzichten zu müssen.

Währungen und Rohstoffe

Energie bleibt der zentrale Risikofaktor

Die Öl- und Gaspreise reagierten naturgemäß deutlich auf die Eskalation im Nahen Osten. Neben dem tatsächlichen Ausfall von Produktionsanlagen preisen die Märkte vor allem eine Angst- und Risikoprämie für mögliche Versorgungsunterbrechungen ein, beispielsweise durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus. Der Preis für die Brent-Sorte verteuerte sich zum Quartalsende um über zwei Drittel auf rund 104 US-Dollar pro Fass.

Nur auf den ersten Blick profitierte der Goldpreis von der erhöhten Unsicherheit im ersten Quartal 2026. Er konnte per Saldo um gut fünf Prozent zulegen und damit Portfolios stabilisieren. Jedoch kam es ausgerechnet im März zu einem heftigen Abverkauf des Edelmetalls – die zwischenzeitlichen Gewinne lagen Ende Februar immerhin bei fast 20 Prozent. Der Rückgang im März erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, da Gold typischerweise von Unsicherheit profitiert. Allerdings werden in Phasen erhöhter Marktvolatilität häufig gerade gut gelaufene und liquide Positionen reduziert, um Gewinne zu sichern oder Verluste in anderen Anlageklassen auszugleichen. Hinzu kamen gestiegene Renditen sowie ein zeitweise stärkerer US-Dollar als alternativer sicherer Hafen.

Der zwischenzeitliche Abverkauf relativiert nicht die grundsätzliche Rolle von Gold im Portfolio. Im Gegenteil zeigt sich erneut, dass Gold meist dann gefragt ist, wenn Zweifel größer werden, kurzfristig jedoch typischen technischen Marktkorrekturen unterliegen kann. Ähnliches gilt für Silber, das zudem stärker industriell genutzt wird.

In Phasen erhöhter Unsicherheit profitieren liquide Währungen von ihrer Rolle als sicherer Hafen. Der US-Dollar zeigte sich im ersten Quartal für viele Beobachter daher möglicherweise überraschend stabil. Angesichts des ausgeprägten Pessimismus gegenüber dem Greenback war eine technische Gegenbewegung ohnehin überfällig. Allerdings muss man festhalten, dass die Aufwärtsbewegung im historischen Kontext sehr verhalten ausgefallen ist – kein gutes Omen für den Dollarverlauf der kommenden Jahre, der von einer strukturellen Abschwächung geprägt sein könnte. Auffällig ist, dass ebenfalls klassische „sichere Häfen“ wie Schweizer Franken oder Japanischer Yen bislang nicht überproportional profitieren konnten. Gleichzeitig zeigen sich rohstoffnahe Währungen wie Australischer Dollar oder Norwegische Krone fester. Die relative Stärke von Rohstoffwährungen gegenüber klassischen sicheren Häfen deutet darauf hin, dass die Kapitalmärkte derzeit vor allem einen energiepreisbedingten Belastungseffekt für Importländer einpreisen, weniger jedoch einen breiten globalen Wachstumseinbruch.

Perspektiven für die kommenden Monate

Orientierung in einem komplexen Umfeld: Stabilität durch Struktur

Die Kapitalmärkte bleiben von mehreren parallel verlaufenden Entwicklungen geprägt:

• geopolitischen Spannungen
• moderatem Wirtschaftswachstum
• strukturellen Investitionszyklen
• geldpolitischer Unsicherheit

Der Iran-Konflikt verdeutlicht erneut, dass geopolitische Ereignisse kurzfristig erhebliche Marktbewegungen auslösen können. Gerade Kriege haben sich jedoch oft länger hingezogen als anfänglich angenommen. Gleichzeitig zeigt die Erfahrung, dass deren Einfluss auf die Kapitalmärkte häufig begrenzt bleibt, sofern keine nachhaltigen wirtschaftlichen Schäden entstehen.

Letzteres ist der entscheidende Punkt für die kommenden Monate: Es macht keinen Sinn, über den Ausgang des Irankriegs zu spekulieren, sondern mehrere Szenarien und Handlungsoptionen zu entwickeln. Es kommt jetzt – trotz beschwichtigender Worte sowie Verhandlungen bis zum Redaktionsschluss – sehr stark auf die Intensität und vor allem die Dauer der weiteren Kampfhandlungen in der Region an, selbst wenn sich die USA aus diesem Krieg zurückziehen sollten. Jeder Tag zählt für die Energieversorgung und die Landwirtschaft nahezu der ganzen Welt.

Weitgehend unabhängig vom weiteren Verlauf bleiben mehrere strukturelle Trends intakt. Investitionen in künstliche Intelligenz verändern Geschäftsmodelle und Produktivität nachhaltig. Auch staatliche Investitionsprogramme wirken stabilisierend auf die Konjunktur und Unternehmensgewinne.
Daraus lassen sich für mittel- bis langfristig orientierte Anleger folgende grundsätzliche Überlegungen ableiten:

• Eine robuste und breit diversifizierte Portfoliostruktur bleibt ein äußerst wirksames Mittel.
• Aktien sind ein zentraler Renditebaustein, insbesondere bei Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen, solider Marktstellung, nachhaltiger Profitabilität und Preissetzungsmacht.
• Aktienquoten sollten – je nach Schwere der Szenarien – aus Vorsichtsgründen jedoch leicht untergewichtet und zunehmend defensiver ausgerichtet werden.
• Eine breite Diversifikation über Regionen sowie eine sinnvolle Branchenauswahl reduziert Abhängigkeiten von einzelnen politischen Entwicklungen.
• Anleihen bieten wieder attraktivere laufende Erträge und können zur Stabilisierung eines Portfolios beitragen. Laufzeiten sollten im Zuge der Inflationserwartungen hingegen nicht zu lang gewählt sein.
• Edelmetalle und andere Sachwertanlagen können helfen, Portfolios bzw. das Gesamtvermögen widerstandsfähiger gegenüber Inflationsrisiken und anderen Unsicherheiten zu gestalten.

Für einen mutigen, antizyklischen Einstieg am Aktienmarkt stehen die Zeichen derzeit noch nicht günstig genug. Die von uns beobachteten Stimmungs- und Positionierungsindikatoren deuten zwar auf zwischenzeitlichen Pessimismus und gelegentlich wiederkehrende Angst hin. Eine echte Panikspitze mit einem typischen, volumensstarken Ausverkauf bei Aktien hat es bislang jedoch erstaunlicherweise nicht gegeben. Das muss nicht zwingend eintreten, wäre jedoch ein sehr konstruktives Signal zumindest für eine kurzfristige Aufstockung von Positionen (vgl. zuletzt den „Corona-Crash 2020“ oder auch „Liberation Day“ vor exakt einem Jahr).

Beispiel eines aussagekräftigen Aktien-Positionierungsindikators

Grafik: Der Positionierungsindex zeigt, dass Investoren ihre Aktienquoten in unsicheren Phasen deutlich reduzieren. Eine typische Panikphase mit stark unterdurchschnittlicher Positionierung ist bislang jedoch ausgeblieben. Typischerweise werden dabei Werte etwa von 40 oder weniger erreicht (vgl. „Liberation Day 2025“, Markteinbruch 2022, „Corona-Crash 2020“).

Quelle: FactSet, 10 Jahre, Stand: 4. April 2026

Fazit: Das Jahr des „Feuer-Pferdes“ bleibt geprägt von einzelnen Dynamiken, schnellen Stimmungswechseln und einem spürbaren politischen Einfluss auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Gerade in solchen Phasen zeigt sich der Wert einer disziplinierten Anlagestrategie. Kurzfristige Entwicklungen sind schwer prognostizierbar. Langfristige Trends erweisen sich dagegen häufig als eindeutiger, als es die tägliche Nachrichtenlage vermuten lässt.

Entscheidender als kurzfristige Marktentwicklungen bleibt daher die Fähigkeit eines Portfolios, unterschiedliche Szenarien robust abbilden zu können. Eine austarierte Portfoliostruktur bleibt daher der verlässlichste Ansatz, um auch in einem anspruchsvollen Umfeld stabil investieren zu können.

Rückblick auf das 1. Halbjahr 2026

Marktbericht 2025

Rückblick auf das Anlagejahr 2025

Künstliche Intelligenz und Donald Trump dominieren die Themen

Das Kapitalmarktjahr 2025 war in vielerlei Hinsicht rekordverdächtig – allerdings nicht durch hohes Wachstum, sondern durch eine Häufung außergewöhnlicher Entwicklungen unter der US-Präsidentschaft Donald Trumps. Geopolitisch blieb die Lage angespannt und dominierte die Schlagzeilen. In der Ukraine ging Russlands Krieg in das vierte Jahr und erneute Friedensbemühungen stockten, während sich die Konflikte im Nahen Osten wiederholt verschärften.

Aus Sicht der Märkte prägten die erneut stark konfrontative US-Handelspolitik und politische Eingriffe in institutionelle Strukturen wie die US-Notenbank das Bild. Eine Konsequenz: die historisch ausgeprägte Schwäche des US-Dollars. Der Greenback verlor so viel an Wert wie seit den 70er Jahren nicht mehr.

Gleichzeitig erzielten die Aktienmärkte weltweit trotz dieser Belastungen gute Wertzuwächse. Dominantes Narrativ blieb der gigantische KI-Boom. Aber: Europa und Asien boten sogar währungsbereinigt eine Outperformance zum technologielastigen US-Markt! Edelmetalle schossen auf neue Rekordstände und die globale Geldpolitik forcierte mit einer selten zuvor gemessenen Anzahl an Senkungen die Zinswende.

Die Weltwirtschaft wuchs im Kalenderjahr 2025 voraussichtlich um rund drei Prozent, wie aktualisierte Schätzungen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nahelegen. Trotz zahlreicher politischer Störfeuer zeigte sich die Konjunktur erstaunlich robust.

Entwicklungen im Kalenderjahr 2025 im Überblick

Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.

Daten per 31.12.2025 aus Sicht eines Euro-Anlegers, sofern nicht anders angegeben.

Wesentliches Ereignis war die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsidenten sowie der „Liberation Day“ Anfang April, an dem Trump mit einer fragwürdigen Herleitung hohe Handelszölle gegen den Rest der Welt verkündete. Die US-Handelspolitik dominierte monatelang das globale Risikoempfinden, wobei Zolldeals zwar sukzessive Erleichterung brachten, aber jederzeit die Gefahr neuer Eskalationen bestand (v.a. im Dauerkonflikt mit China).

Asien blieb im Kalenderjahr der dynamischste Wirtschaftsraum. Indien konnte sein hohes Wachstum weitgehend halten, während China nach einer Schwächephase durch umfangreiche staatliche Unterstützung und zurückkehrende Kapitalflüsse stabilisiert wurde. Dies wirkte sich positiv auf die Konjunktur und Teile des asiatischen Aktienmarkts aus. Die Industrieländer verzeichneten hingegen ein verlangsamtes Expansionstempo. In den USA kühlte sich die Realwirtschaft im Jahresverlauf ab: schwächere Konsumdynamik, geringeres Beschäftigungswachstum sowie die Belastungen aus Zöllen und politischer Unsicherheit führten zu verhaltenen Erwartungen. Die befürchtete Rezession blieb jedoch aus. Wesentlicher Treiber hinter dem US-Wachstum waren die Investitionen in „Künstliche Intelligenz“, die nach Berechnungen von Harvard Ökonomen über 90% des BIP-Wachstums im ersten Halbjahr 2025 erklären.

Die Eurozone kämpfte weiterhin mit strukturellen Herausforderungen. Deutschland blieb mit seiner chronischen Wachstumsschwäche eines der Schlusslichter unter den Industrieländern. Die neu formierte Bundesregierung aus Union und SPD vollzog eine historische Wende: Sie beschloss eine hohe Schuldenaufnahme und Abkehr von der Schuldenbremse für Investitionsprogramme in Infrastruktur und Verteidigung, die in den kommenden Jahren die Wirtschaft stärken sollen. Gleichwohl bleibt das deutsche Wachstum im Vergleich gering.

Die Zinswende ist aufgrund der mäßigeren Inflation weltweit eingeläutet. Als letzte große Zentralbank senkte auch die US Federal Reserve („Fed“) an den letzten drei Sitzungsterminen 2025 den Leitzins auf die Spanne 3,5 bis 3,75 Prozent. Dabei signalisierte die Fed hohe interne Uneinigkeit. Auf der Dezember-Sitzung wurde zudem Quantitative Easing („QE“) wieder eingeführt. Die Fed reagierte damit im Zuge ihres „dualen Mandats“ auf die erkennbare Schwäche am Arbeitsmarkt sowie die angespannte Liquiditätssituation im US-Finanzsystem. In der Eurozone legte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Senkungen im Frühsommer eine Pause ein und belässt den Einlagensatz seither bei zwei Prozent. Globaler Ausreißer ist die Bank of Japan: Sie hob ihren Leitzins auf 0,75 Prozent an – den höchsten Stand seit rund 30 Jahren.

Anzahl Zinssenkungen der Notenbanken weltweit

Grafik: Die Zählung umfasst Zinsmaßnahmen von über 100 Notenbanken in den vergangenen 24 Monaten. Selten zuvor gab es so massenhafte Lockerungen.

Quelle: Bank of America, Bloomberg, eigene Anmerkungen, Stand: November 2025

Aktien

Mehr als nur KI: Wenn andere Branchen und Märkte outperformen

Die globalen Kapitalmärkte zeigten sich trotz der aufgewühlten Gemengelage unter dem Strich in den jeweiligen Landeswährungen sehr freundlich. Die weltweite Aktienrally setzte sich fort und gewann im abgelaufenen Jahr an regionaler Breite. Nur rund um den „Liberation Day“ kam es infolge der überraschend hohen US-Zölle zu einem der heftigsten Markteinbrüche seit der Corona-Zeit, bevor sich die Kurse stabilisierten und zu einer längeren Rally bis Jahresende ansetzten.

Der anhaltende Boom im Bereich Künstliche Intelligenz bestimmte erneut das Narrativ: Chipproduzenten, Rechenzentrumsbetreiber, Ausrüster und sogar Versorger profitierten von dem intakten strukturellen Wachstumsimpuls. Die großen US-Technologiewerte legten trotz einer markanten Schwäche zu Beginn 2025 erneut zu. Aber nur noch zwei der „Magnificent 7“ schafften eine Outperformance zum Gesamtmarktindex S&P 500. Das wesentliche Dilemma für Anleger: Der deutliche Dollarverlust nagte an der Entwicklung sämtlicher US-Titel, die im Schnitt nur ein einstelliges Ergebnis auf Euro-Basis erzielten.

Gleichzeitig verlagerten sich Kapitalströme in weitere Regionen: Japan erlebte ein außergewöhnlich starkes Jahr, getragen von Reformen, der Entflechtung der „verkrusteten Japan AG“ und rekordhohen Unternehmensgewinnen. Auch hier schmälerte die schwache Yen-Entwicklung das ansonsten herausragende Ergebnis. Asien ohne Japan sowie die Schwellenländer erzielten im Vergleich zu Europa und den USA überdurchschnittliche Zuwächse, nicht zuletzt dank der günstigeren Bewertung. Europa zeigte ein gemischtes Bild. Die Südländer Spanien und Italien entwickelten sich deutlich besser als Frankreich, die Schweiz oder auch Großbritannien. Der DAX legte trotz notorisch schwacher Konjunktur erstaunliche 23 Prozent zu. Dies war überwiegend auf den hoffnungsfrohen Anstieg in den ersten Handelsmonaten im Kontext der Bundestagswahl zurückzuführen. Anschließend ging der deutsche Leitindex jedoch in eine ausgeprägte Seitwärtsentwicklung über.

Ausgewählte Branchen-Entwicklungen der letzten 5 Jahre (indexierter Verlauf)

Grafik: Banken und Rüstungswerte stellten vor allem in den letzten beiden Jahren die Entwicklung vieler anderer Branchen deutlich in den Schatten.

Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 31. Dezember 2025, indexiert per 31.12.2020=100

Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

In sehr vielen Indizes zeigte sich ein vergleichbares Muster: Positiv hervorgetan haben sich neben diversen „KI-Profiteuren“ die Branchen Finanzwerte (vor allem Banken), Rohstoff- und Rüstungsaktien, während viele Konsumwerte, Chemie- und Industrietitel sowie Gesundheitsaktien unter globaler Unsicherheit, Nachfrageschwäche und der Euro-Stärke litten.

Zinsen und Anleihen

Steigende EUR-Renditen – US-Anleihenmarkt zähmt Trump

Ungewöhnlich stark rückte im Berichtszeitraum die institutionelle Stellung der Fed in den Fokus. US-Präsident Trump griff die Notenbank wiederholt öffentlich an, forderte schnellere und deutlichere Zinssenkungen und stellte personelle Veränderungen in Aussicht. Besonders umstritten waren Überlegungen, vakante Sitze im Direktorium politisch günstig neu zu besetzen und Fed-Chef Jerome Powell noch vor Ablauf seiner Amtszeit im Mai 2026 auszutauschen. Eine vorzeitige Entlassung blieb zwar aus, doch die Debatte über die Unabhängigkeit der Notenbank sorgte zeitweise für erhebliche Unruhe an den Finanzmärkten. Dass die Fed dem politischen Druck nicht nachgab und ihre Linie beibehielt, wurde letztlich als Signal geldpolitischer Glaubwürdigkeit gewertet und trug zur Stabilisierung der zuvor angespannten Renditen bei.

Der US-Anleihenmarkt scheint dabei ein äußerst mächtiger Gegner des US-Präsidenten zu sein und hinterließ mehrere Wirkungstreffer: Donald Trump ruderte aufgrund der hohen Staatsverschuldung stets in seinen Zoll- und Fed-Aussagen zurück, wenn die Renditen markant anstiegen.

Die Märkte vieler Industrienationen erlebten über das Jahr hinweg in eine Normalisierung der Zinsstrukturkurven. Die weltweit rückläufige Inflation und die günstigere Ausrichtung vieler Zentralbanken sorgten dabei zumeist für sinkende Renditen und positive Kursentwicklungen vor allem in den kürzeren bis mittleren Laufzeiten.

Ausgewählte Rendite-Entwicklungen von  10-jährigen Staatsanleihen (5 Jahre)

Grafik: Deutschland und Frankreich mit steigenden 10-Jahres-Renditen im Jahr 2025. Die Renditen der USA waren trotz Schuldendiskussion und Politik tendenziell sogar rückläufig.

Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 31. Dezember 2025.

Längerfristige Bonds mit beispielsweise zehnjähriger Laufzeit oder mehr sehen hingegen nach wie vor unvorteilhaft aus. Sie spiegeln die Sorgen vieler Marktteilnehmer vor möglicherweise ausufernden Schulden vieler Länder wider, die sich in einem größeren „Term Premium“ (Laufzeitprämie) niederschlägt. Auffällig war außerdem die zunehmende Differenzierung der Risikoaufschläge innerhalb der Eurozone: Frankreich sah sich aufgrund politischer und fiskalischer Spannungen erheblich höheren Finanzierungskosten gegenüber, sodass zehnjährige Staatsanleihen zuletzt mit 3,6 Prozent sogar über vergleichbaren Papieren aus Italien oder Griechenland rentierten! Auch die Bund-Rendite stieg aufgrund der massiven Schuldenaufnahme an.
Unternehmensanleihen profitierten im Berichtszeitraum von der guten Risikoneigung der Anleger für dieses Segment, einer sehr soliden Nachfrage und daher nochmals enger werdenden Aufschlägen, die teils nur noch wenig über den vermeintlich sicheren Staatsanleihen liegen. Zum Jahresende waren mit Unternehmensanleihen („Investment Grade“-Rating) im Schnitt knapp über drei Prozent Rendite erzielbar. Dazu war es je nach Bonität aber erforderlich Laufzeiten von etwa fünf Jahren oder mehr einzugehen, was wiederum die Zinsänderungsrisiken erhöht.

Währungen und Rohstoffe

Historisch schwacher Dollar: Gold als Anker, Silber als Hebel

Als historisch schlecht muss vor allem die Entwicklung des US-Dollars bezeichnet werden. Der Greenback verlor im Jahr 2025 rund 13 Prozent zum Euro, was die Wertentwicklung vieler USD-Anlagen für Anleger aus dem Euroraum markant schmälerte. Eine solch miserable Vorstellung der Weltleitwährung hat es seit den 1970er-Jahren nicht mehr gegeben. Belastet wurde die Entwicklung durch ein schwindendes Vertrauen in die amerikanische (Fiskal-)Politik, die einseitige Positionierung und Stimmung im Zuge der ausgeprägten Dollarrally der vergangenen Jahre sowie allgemeine Umschichtungen in andere Regionen. Auch der japanische Yen blieb trotz einer kurzen Phase der Stabilisierung und der deutlich verbesserten Zinsdifferenz ebenfalls unter Druck.

Dollarentwicklung der letzten 20 Jahre zu wichtigen Handelswährungen

Grafik: Der handelsgewichtete US Dollar Index zeigt die Entwicklung des US-Dollars gegenüber einem Korb aus sechs wichtigen Währungen. Der Euro ist mit über 50 Prozent das Schwergewicht. Bislang ist der langfristige Trend noch nicht verletzt.

Quelle: FactSet, 20 Jahre, Stand: 31. Dezember 2025.

Gleichzeitig suchten Anleger verstärkt sichere Häfen: Gold und Silber verzeichneten einen der stärksten Anstiege der letzten Jahrzehnte. Gold verteuerte sich auf Dollarbasis um zwei Drittel und erreichte neue historische Höchststände – getrieben von massiven Notenbankkäufen, geopolitischen Spannungen und der Dollar-Schwäche. Vor allem Silber explodierte förmlich um rund 150 Prozent, was vor allem auf physische Knappheit im Schlussquartal zurückzuführen war. Es zeigte damit die für bestimmte Marktphasen typische Hebelwirkung gegenüber Gold. Auch Platin verzeichnete einen ähnlichen Kursanstieg.

Industriemetalle hinken dieser Entwicklung hinterher. Sie profitierten von einer Kombination aus strukturell hoher Nachfrage und akuten Angebotsengpässen. Kupfer, das beispielsweise für die Energiewende und Elektrifizierung von Schlüsselindustrien unverzichtbar ist, verteuerte sich um mehr als 40 Prozent. Die Ölpreise standen hingegen trotz geopolitischer Risiken im Nahen Osten überwiegend unter Druck. Die Sorte Brent verlor im Jahresverlauf gut 17 Prozent, belastet durch erhöhte Fördermengen und globale Wachstumssorgen.

Perspektiven für die kommenden Monate

Das Jahr des „Feuer-Pferds“: Tempo, Dynamik…und Wendungen

Das Kapitalmarktjahr 2026 beginnt zwischen Zuversicht und Wachsamkeit. Es hat sich ein breiter Konsens etabliert, wonach die Weltwirtschaft ihren moderaten Wachstumspfad fortsetzt. Gleichzeitig ist das Umfeld fragiler geworden: politische Eingriffe, fiskalische Dominanz (wenn Staatsschulden die Geldpolitik lenken) und strukturelle Verschiebungen sorgen dafür, dass die Märkte anfällig für Richtungswechsel bleiben. In der dazu passenden Symbolik des chinesischen Kalenders lässt sich das Jahr des Feuer-Pferds als Phase interpretieren, in der Vorwärtsdrang und Dynamik vorhanden sind. Richtungswechsel können aber schnell und impulsiv ausfallen.

Was 2026 zusätzlich besonders macht, ist der politische Kalender. Hier liegen potenzielle Momente, die Märkte kurzfristig irritieren können. In den USA dürfte die Entscheidung des Supreme Court zu den rechtlichen Grenzen der Trump’schen Zollpolitik für Bewegung sorgen: Je nachdem, wie weit der Handlungsspielraum ausgelegt wird, kann das den Blick auf Lieferketten, Margen und Inflationspfade nochmals spürbar beeinflussen – und damit auch Renditen und Bewertungen. Die Fed bekommt einen neuen Präsidenten – wer wird es letztlich sein und wie wird er sich im Amt verhalten? Außerdem stehen im November 2026 die US-Zwischenwahlen an, die traditionell als Stimmungsbarometer für den politischen Kurs gelten und die Erwartungen an Steuer-, Ausgaben- und Regulierungspolitik verändern können. Europa wiederum dürfte 2026 weniger von einem einzelnen „Big Bang“-Termin geprägt sein, sondern von mehreren Wahlen und politischen Weichenstellungen, die das Klima für Investitionen, Haushaltsdisziplin und europäische Handlungsfähigkeit beeinflussen können.

Die restriktiven Effekte der Zinserhöhungen der Jahre 2022 bis 2024 schwinden unterdessen weiter. Selten zuvor haben die globalen Notenbanken so oft die Zinsen gesenkt wie in den vergangenen Monaten. Geldpolitische Lockerungen jetzt auch in den USA und eine expansive Fiskalpolitik in Teilen Europas wirken mindestens unterstützend. Aufgrund der monetären Impulse rechnen wir tendenziell sogar mit leicht positiven Konjunkturüberraschungen.

Das Bild eines insgesamt tragfähigen, aber nicht überschäumenden Konjunkturumfelds bildet daher den Hintergrund für unsere Einschätzungen. Inwieweit das monetär und fiskalisch befeuerte Wachstum möglicherweise den Nebeneffekt steigender Inflationsraten mit sich bringt, wird ein wichtiges Thema werden.

Für die Aktienmärkte bedeutet dies ein konstruktives, jedoch deutlich selektiveres Umfeld. Die recht hohen Erwartungen steigender Unternehmensgewinne, getragen von Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung, bleibt ein zentraler Pfeiler der positiven Einschätzung. Vermutlich werden Anleger stärker darauf achten, ob und wie sich die KI-Investitionen in Gewinne ummünzen. Gleichzeitig rückt die Bewertung stärker in den Fokus. Nein, eine Blase bzw. deren möglicher Endpunkt sieht anders aus. Aber: In mehreren großen Aktienmärkten oder Branchen sind Bewertungsniveaus erreicht worden, die kaum Raum für Enttäuschungen lassen. Die starke Konzentration auf wenige Titel erhöht zudem die Anfälligkeit für Korrekturen, falls Erwartungen nicht nahezu perfekt eintreten. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit Phasen erhöhter Volatilität, in denen Marktsegmente, Regionen und Anlageansätze zeitweise deutlich auseinanderlaufen können. Das Feuer-Pferd zeigt sich hier von seiner ungestümen Seite: kräftige Vorstöße sind wahrscheinlich, abrupte Volten jedoch ebenso.

Im Anleihemarkt verschiebt sich der Fokus hin zur strukturellen Rolle von Anleihen im Portfolio. Staatsanleihen haben nach einigen Jahren gewisser Bedeutungslosigkeit wieder an Aufmerksamkeit gewonnen, nicht zuletzt als potenzieller Stabilisator in Stressphasen. Gleichzeitig rücken die langfristigen Risiken aufgrund des Bewusstseins über ausgeprägte Schuldenberge viel stärker in den Vordergrund. Hohe Haushaltsdefizite, steigende Emissionsvolumina und eine zunehmende Einflussnahme auf die Geldpolitik werfen Zweifel auf, ob die langfristigen Zinsen dauerhaft niedrig gehalten werden können. Viele Marktteilnehmer rechnen daher mit einer tendenziell noch steileren Zinsstrukturkurve, bei der kurzfristige Zinsen eher sinken oder stabil bleiben, während das lange Ende anfälliger für Aufwärtsdruck ist.

Unternehmensanleihen profitieren zwar weiterhin von soliden Fundamentaldaten, doch sind die Risikoprämien in vielen Segmenten bereits sehr eng. Entsprechend wird der Spielraum für zusätzliche Kursgewinne von uns begrenzt eingeschätzt, während die laufenden Erträge wieder stärker in den Vordergrund treten. Auch hier gilt: Die Richtung ist möglicherweise weniger eindeutig und das Marktumfeld bleibt aufgrund potenzieller Störeinflüsse empfänglich für abrupte Richtungswechsel. Da höhere Renditen stets Auswirkungen auf den Aktienmarkt haben, gilt dem Segment besondere Aufmerksamkeit.

Auch Währungen werden vor allem im Kontext der Geldpolitik und der hohen Staatsverschuldung diskutiert. Der schwache Trend beim US-Dollar wird von vielen Analysten tendenziell fortgeschrieben. Es würde uns jedoch nicht überraschen, wenn das Feuer-Pferd auch beim Greenback entgegen dem Konsens unterjährig einen ausgeprägten Anstieg auslöst.  Rohstoffe – insbesondere Edelmetalle – werden weiterhin als sinnvolle Absicherung gegen politische und finanzielle Unsicherheiten wahrgenommen. Eine Blase sehen wir auch hier nicht, wohl aber die Gefahr zwischenzeitlich ausgeprägter Korrekturen.

Zusammengefasst wird 2026 weniger als Jahr klarer „Einbahnstraßen“ gesehen, sondern als Jahr, in dem Bewegung, Tempo und Richtungswechsel eng beieinanderliegen. Das Feuer-Pferd steht sinnbildlich für diesen Charakter: kraftvoll, vorwärtsgerichtet, aber oft unberechenbar. Für Anleger bedeutet dies ein Umfeld, in dem einfache Narrative an Überzeugungskraft verlieren dürften sowie Diversifikation, Robustheit, Flexibilität und die Fähigkeit, auf unerwartete Wendungen im Portfolio pragmatisch zu reagieren, deutlich an Bedeutung gewinnen.