Marktbericht April 2026

Zwischen Energiepreisschock und US-Berichtsaison

Geopolitische Risiken steigen – doch Waffenstillstand und robuste Unternehmensgewinne beflügeln die Märkte

  • Der Iran-Konflikt bleibt der zentrale Treiber für Energiepreise und Inflationserwartungen. Der zwischenzeitliche Waffenstillstand beruhigt die Kapitalmärkte.
  • Notenbanken reagieren vorsichtiger. Zinssenkungserwartungen wurden deutlich zurückgenommen. Die EZB signalisiert angesichts steigender Inflation sogar wieder eine restriktivere Haltung.
  • Aktienmärkte zeigen sich überraschend robust und erreichen nach einer fulminanten Trendwende teilweise neue Höchststände. Treiber dieser Resilienz sind überraschend gute und teils nach oben revidierte Unternehmensgewinne sowie weiterhin hohe Investitionen und Erwartungen im Bereich Künstlicher Intelligenz.
  • Kreditmärkte bleiben widerstandsfähig. Eine ausgeprägte Stressphase ist bislang nicht erkennbar.
  • Makroumfeld: Stabiler Eindruck…aber mit zunehmenden Rissen unter der Oberfläche!

Die globale Konjunktur zeigte sich im April auf den ersten Blick weiterhin tragfähig. Frühindikatoren wie Einkaufsmanagerindizes (PMI) signalisierten insbesondere im verarbeitenden Gewerbe sowohl in den USA als auch in Europa eine robuste Entwicklung.
Auch die großen internationalen Institutionen bestätigten dieses Bild zunächst. Sowohl der Internationale Währungsfonds (IWF) als auch die OECD gehen weiterhin von einem moderaten globalen Wachstum im Jahr 2026 aus. Ohne den jüngsten Energiepreisschock wäre in vielen Regionen sogar eine Aufwärtsrevision der Wachstumsprognosen wahrscheinlich gewesen. Diese Perspektive wurde im April zunehmend relativiert: Steigende Energiepreise und geopolitische Risiken belasten die Aussichten und erhöhen gleichzeitig die Inflationsrisiken.
Bei genauerem Hinsehen relativiert sich zudem die Aussagekraft der aktuellen Frühindikatoren. Ein wesentlicher Teil der vermeintlichen Stärke der Industrie dürfte auf technischen Effekten beruhen: Verlängerte Lieferzeiten – normalerweise ein Zeichen hoher Nachfrage – spiegeln aktuell eher Angebotsstörungen infolge des Konflikts im Nahen Osten sowie vorsorgliche Lageraufstockungen wider. Gleichzeitig berichten Unternehmen von stagnierenden oder rückläufigen Auftragseingängen.
Ein ergänzender Blick auf stärker erwartungsgetriebene Indikatoren zeichnet ein differenzierteres Bild. Umfragebasierte Stimmungsbarometer wie der sentix-Konjunkturindex oder das ifo-Geschäftsklima deuten insbesondere in Europa auf eine zunehmende Verunsicherung hin. Sie reagieren sensibler auf die realwirtschaftliche Nachfrageentwicklung und weniger auf lieferkettenbedingte Sondereffekte.
Auch die Entwicklung im Dienstleistungssektor unterstreicht diese Divergenz. Während die USA nach einer kurzfristigen Schwäche wieder expandieren, zeigt sich in der Eurozone eine sehr deutliche Eintrübung. Die höhere Abhängigkeit von Energieimporten wirkt hier wie eine zusätzliche Belastung auf Einkommen und Nachfrage. Die vermeintliche Stabilität der Industrieindikatoren dürfte daher zumindest teilweise überzeichnet sein. Erfahrungsgemäß folgen auf Energiepreisschocks (insbesondere in Europa!) mit zeitlicher Verzögerung schwächere Konjunkturdaten.

Kapitalmärkte

Resilienz trotz steigender Risiken

Für die Entwicklung der Aktienmärkte bleiben letztlich zwei Faktoren entscheidend: Zinsen und Gewinne. In der Marktphase zuletzt zeigte sich dieses Spannungsfeld besonders deutlich. Steigende Renditen wirkten grundsätzlich belastend, während die Unternehmensgewinne aktuell Rückenwind liefern. Unterstützt wurde die sehr gute April-Entwicklung zusätzlich durch die temporäre Entspannung im Nahen Osten, die zu einer Erholung der Risikobereitschaft beitrug und eine fulminante Rally einläutete.
Die laufende Berichtssaison in den USA lieferte bislang ein insgesamt sehr erfreuliches Bild. In mehreren Sektoren wurden die Gewinnerwartungen nicht nur bestätigt, sondern teilweise sogar nach oben revidiert. Ein Teil der Markterholung wurde dabei erneut von Unternehmen getragen, deren langfristige Wachstumsperspektiven kurzfristige Unsicherheiten klar überlagern. Gleichzeitig nimmt die Differenzierung innerhalb der Märkte weiter zu: Investoren achten stärker auf Margenentwicklung, Kostenstrukturen und die Fähigkeit, gestiegene Inputpreise weiterzugeben. Auch in Europa zeigt sich eine Stabilisierung, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Unternehmen mit Preissetzungsmacht sowie solche, die von steigenden Rohstoffpreisen profitieren, stehen im Fokus.
Die zentrale Beobachtung des Monats lautet daher: Märkte reagieren aktuell stärker auf Gewinne als auf geopolitische Risiken. Solange sich diese nicht in deutlich schwächeren Ergebnissen niederschlagen, bleibt die Grundstimmung konstruktiv.

Fokusthema

Energie als Taktgeber, Geldpolitik im Dilemma

Der April hat einmal mehr gezeigt, wie stark Energiepreise die wirtschaftliche Entwicklung und die Kapitalmärkte beeinflussen. Der Konflikt im Nahen Osten führte zunächst zu einer spürbaren Risikoprämie am Ölmarkt. Neben realen Produktionsausfällen wurde vor allem die Gefahr weiterer Versorgungsstörungen eingepreist. Mit dem im Monatsverlauf erzielten Waffenstillstand entspannte sich die Lage jedoch zumindest temporär, was zu einer teilweisen Normalisierung der Preise beitrug.
Für die Notenbanken bleibt die Situation dennoch anspruchsvoll. Steigende Energiepreise wirken direkt auf die Inflationserwartungen und schränken den geldpolitischen Spielraum ein.
Die US-Notenbank Federal Reserve (letzte Sitzung unter Jerome Powell) signalisierte entsprechend Zurückhaltung. Zinssenkungen rückten im April zunehmend in den Hintergrund, gleichzeitig nahm die Unsicherheit über den weiteren Kurs zu, auch sichtbar an einer erhöhten Zahl abweichender Stimmen innerhalb der Notenbank. Die Sitzung zum Monatsende unterstrich diese Unsicherheit und markiert zugleich eine Übergangsphase vor dem anstehenden Führungswechsel. Mit Kevin Warsh rückt ein Kandidat in den Fokus, der für eine strukturelle Neuausrichtung der Geldpolitik stehen stehen könnte, ohne dabei klar für eine politisch gewünschte, dauerhaft lockere Linie zu stehen.
Die aktuelle Lage unterstreicht die höhere Verwundbarkeit der Eurozone gegenüber Energiepreisschocks. Zugleich stellt sich die Frage, ob eine Notenbank auf einen solchen Angebotsschock überhaupt mit höheren Zinsen und einer zusätzlichen Dämpfung der Nachfrage reagieren sollte.
Bemerkenswert ist jedoch die Reaktion der Märkte: Trotz steigender Energiepreise und wachsender geldpolitischer Unsicherheit kam es bislang nicht zu einer breiten Korrektur. Dies deutet darauf hin, dass aktuell eher ein inflations- bzw. kostengetriebener Schock eingepreist wird, nicht jedoch ein ausgeprägter globaler Wachstumseinbruch.

Aktienmärkte

Gewinne schlagen Geopolitik

Für die Entwicklung der Aktienmärkte bleiben letztlich zwei Faktoren entscheidend: Zinsen und Gewinne. In der Marktphase zuletzt zeigte sich dieses Spannungsfeld besonders deutlich. Steigende Renditen wirkten grundsätzlich belastend, während die Unternehmensgewinne aktuell Rückenwind liefern. Unterstützt wurde die sehr gute April-Entwicklung zusätzlich durch die temporäre Entspannung im Nahen Osten, die zu einer Erholung der Risikobereitschaft beitrug und eine fulminante Rally einläutete.
Die laufende Berichtssaison in den USA lieferte bislang ein insgesamt sehr erfreuliches Bild. In mehreren Sektoren wurden die Gewinnerwartungen nicht nur bestätigt, sondern teilweise sogar nach oben revidiert. Ein Teil der Markterholung wurde dabei erneut von Unternehmen getragen, deren langfristige Wachstumsperspektiven kurzfristige Unsicherheiten klar überlagern. Gleichzeitig nimmt die Differenzierung innerhalb der Märkte weiter zu: Investoren achten stärker auf Margenentwicklung, Kostenstrukturen und die Fähigkeit, gestiegene Inputpreise weiterzugeben. Auch in Europa zeigt sich eine Stabilisierung, wenn auch auf niedrigerem Niveau. Unternehmen mit Preissetzungsmacht sowie solche, die von steigenden Rohstoffpreisen profitieren, stehen im Fokus.
Die zentrale Beobachtung des Monats lautet daher: Märkte reagieren aktuell stärker auf Gewinne als auf geopolitische Risiken. Solange sich diese nicht in deutlich schwächeren Ergebnissen niederschlagen, bleibt die Grundstimmung konstruktiv.

Portfolioimplikationen

Struktur vor Timing

Die Entwicklungen im April bestätigen einmal mehr die Bedeutung einer robusten Portfoliostruktur. Kurzfristige geopolitische Ereignisse können erhebliche Marktbewegungen auslösen, sind jedoch nur schwer prognostizierbar. Entscheidend bleibt daher die Fähigkeit eines Portfolios, unterschiedliche Szenarien abbilden zu können. Für Anleger ergeben sich daraus folgende Leitplanken:

  • Aktien bleiben ein zentraler Renditebaustein, sollten jedoch selektiv und mit Fokus auf Qualität, Bewertung und Preissetzungsmacht eingesetzt werden. Eine aggressive Ausweitung der Aktienquote erscheint derzeit jedoch nicht angezeigt.
  • Anleihen bieten wieder attraktivere laufende Erträge und erfüllen zunehmend ihre Rolle als stabilisierender Portfolio-Baustein. Die Steuerung der Laufzeiten bleibt angesichts unsicherer Inflationserwartungen weiterhin wichtig: Längere Laufzeiten weiter meiden.
  • Rohstoffe und Edelmetalle können zur Ausgewogenheit eines Portfolios beitragen. Sie unterliegen jedoch kurzfristig deutlichen Schwankungen, die man für sich nutzen sollte.

Insgesamt gilt: Die konjunkturellen Frühindikatoren senden gemischte Signale. Ein Teil der scheinbaren Stabilität (v.a. der Einkaufsmanagerindizes) dürfte auf einer Art Sondereffekt beruhen, während insbesondere in Europa bereits erste Nachfrageschwächen sichtbar werden.

Fazit

Energie treibt die Inflation. Gewinne treiben die Märkte.

Durch die vereinbarte Waffenruhe im Nahen Osten war der April kein Krisenmonat mehr. Zuvor steigende Energiepreise und geopolitische Risiken trafen auf eine zwischenzeitliche Entspannung sowie auf eine bislang sehr solide Unternehmenslandschaft. Solange sich die Belastungen nicht nachhaltig in den Gewinnen niederschlagen, bleibt die Widerstandsfähigkeit der Märkte intakt. Entscheidend für die kommenden Monate wird sein, ob aus dem aktuellen Energiepreisschock ein dauerhafter Inflations- und Wachstumsschock entsteht. Bis dahin bleibt die Devise unverändert: Struktur schlägt Prognose.

 

Entwicklungen im April 2026

Performance April 2026

Entwicklungen (5 Jahre)

Performance April 2026 (5 Jahre)

Quelle Performance: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden. Daten per 30.04.2026 in lokaler Währung, sofern nicht anders angegeben.