Goldreport 02/26

Goldreport 02/26

Ausgebremst durch Terminbörsentreiber

Starker Rebound nach veritablem Crash

Diese Turbulenzen waren vor allem auf das Anheben der Sicherheitsleistungen (Margins) an der Shanghai Gold Exchange sowie an der Comex zurückzuführen. Margins sind Sicherheitsleistungen, die Terminspekulanten beim Kauf von Futures-Kontrakten hinterlegen müssen. Werden diese Anforderungen angehoben, steigt der Kapitalbedarf für bestehende bzw. neue Positionen. Für viele spekulative Investoren bedeutet dies: Sie müssen entweder zusätzliches Kapital einschießen oder Positionen reduzieren. Gerade kurzfristig orientierte Marktteilnehmer reagieren in solchen Situationen häufig mit Verkäufen, um Liquidität zu sichern.

Nach der im vergangenen Jahr zu beobachtenden Rally bei Gold und Silber hatten sich zahlreiche Investoren mit gehebelten Futures-Positionen engagiert. Die von den Terminbörsen in den Monaten zuvor verkündeten „Beruhigungsmaßnahmen“ blieben zunächst wirkungslos, doch die Ende Januar bzw. Anfang Februar beschlossenen lösten dann eine Welle von Gewinnmitnahmen aus. Das Unterschreiten wichtiger charttechnischer Marken verstärkte den Preisdruck zusätzlich und löste zahlreiche Stop-Loss-Orders aus.

Das Anheben von Margins ist an Terminbörsen nicht ungewöhnlich. Steigen die Preise stark und schnell an, erhöhen die Börsenbetreiber oft die Sicherheitsanforderungen, um Risiken im System zu begrenzen. Für den Markt bedeutet das jedoch häufig kurzfristige Unruhe – selbst wenn sich an den fundamentalen Treibern wie Inflation, Zinsentwicklung oder geopolitischen Risiken nichts geändert hat.

Starkes Comeback des Goldpreises

Besonders bemerkenswert: Der von der US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) veröffentlichte Commitments of Traders Report (CoT) weist seit Ende Dezember bei der Anzahl offener Kontrakte (Open Interest) zwar einen Rückgang um über 15 Prozent sowie einen stark nachlassenden Optimismus unter großen wie kleinen Terminspekulanten aus, dennoch verbuchte das gelbe Edelmetall 2026 ein Plus von 19 Prozent (25.02.26). Dies deutet darauf hin, dass andere Käufergruppen – etwa ETF-Investoren, institutionelle Anleger sowie physische Nachfrager – die Verkäufe kompensierten. Faktoren wie geopolitische Risiken, Zollchaos und Inflationssorgen dürften zusätzlich gestützt haben. Für Anleger ist dies ein wichtiges Signal: Einem Markt, der spekulative Abflüsse verkraftet, kann ein hohes Maß an relativer Stärke attestiert werden.

Deutlich bergauf ging es im Zuge der diesjährigen Achterbahnfahrt allerdings mit dem CBOE-Goldvolatilitätsindex (GVZ), der sich seit Ende Dezember von 23,9 auf 37,6 Prozent erhöht hat. Zum Vergleich: Der VIX bezieht sich auf den S&P-500-Index und fällt mit aktuell 19 Prozent deutlich niedriger aus. Aus finanzmathematischer Sicht legt dies den Schluss nahe, dass der Kauf von Gold aufgrund der höheren Kursschwankungsintensität mit einem höheren Risiko verbunden ist als ein Investment in den marktbreiten US-Aktienindex S&P 500. Unter fundamentalen Aspekten und auf lange Sicht dürfte sich diese Einschätzung jedoch etwas relativieren, schließlich hat sich Gold seit Generationen als global handelbare Krisenwährung und als effektiver Vermögensschutz bestens bewährt.

Robert Hartmann, der erfahrene Edelmetallexperte und Mitgründer von pro aurum, hat für die diesjährige Korrektur des Goldpreises eine relativ einfache Erklärung: „What goes up must come down.“ Historisch gesehen gab es seit Mai 2025 kaum vergleichbare Anstiege in so kurzer Zeit. Die weiteren Perspektiven von Gold stuft er folgendermaßen ein und sagt: „Ich halte die scharfe Korrektur für ein reinigendes Gewitter am Goldmarkt – und gehe davon aus, dass uns die Korrektur in den kommenden Monaten weiter begleiten wird, wenngleich ein Angriff der USA auf den Iran diese aber jederzeit beenden könnte.“ Sollte dies ausbleiben, hält er Goldpreise von 4.200 bis 4.400 Dollar möglich und merkt aber zugleich an: „Dass der Bullenmarkt zu Ende ist, glaube ich nicht.“

Seit mehr als 40 Jahren beschäftigt sich Hartmann intensiv mit dem Edelmetallmarkt und hat in dieser Zeit noch nie gesehen, dass die physische Edelmetallnachfrage global so lange auf so einem hohen Niveau war. Er erklärt: „In der Vergangenheit hat sich die Nachfrage meist auf ein oder zwei Kontinente beschränkt. Der gegenwärtig zu beobachtende globale Nachfrageschub hat dazu geführt, dass die Verfügbarkeit von physischen Barren und Münzen seit Längerem stark eingeschränkt ist – insbesondere bei Silber.“

In solchen Marktphasen sei die Volatilität stets erhöht. Laut dem Edelmetallprofi haben die mehrmaligen Erhöhungen der Margin-Anforderungen an den Terminbörsen diese Entwicklung zusätzlich verstärkt.

Rückenwind aus dem ETF-Sektor

Ein wichtiger Grund für die relative Stärke des Goldpreises dürfte vor allem in der anhaltend hohen Nachfrage im ETF-Sektor zu sehen sein, schließlich belaufen sich die in diesem Jahr registrierten weltweiten Goldzuflüsse laut Daten des World Gold Council bereits auf 108,6 Tonnen (2025: 800,3 Tonnen). Mit 63,6 Tonnen entfällt mehr als die Hälfte auf die Region Asien, gefolgt von Nordamerika (44,6 Tonnen) und Europa (minus 1,4 Tonnen). Wichtig zu wissen: In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Goldbestände asiatischer ETFs von 19,4 auf 436,8 Tonnen mehr als verzwanzigfacht, während sich die Goldbestände ihrer europäischen bzw. nordamerikanischen Pendants im selben Zeitraum „lediglich“ verdoppelt bzw. um 41 Prozent erhöht haben. Und das „Ende der Fahnenstange“ ist damit möglicherweise noch gar nicht erreicht, da in europäischen Gold-ETFs derzeit 1.432,2 Tonnen und in nordamerikanischen Papieren sogar 2.138,6 Tonnen Gold verwahrt werden. Dies eröffnet mit Blick auf die künftige Entwicklung asiatischer Gold-ETFs Raum für erhebliches Nachholpotenzial.

Trump bleibt wichtiger Preistreiber für Gold

In den vergangenen Monaten hat Donald Trump erneut eine zentrale Rolle bei der steigenden Nachfrage nach Gold gespielt. Seit dem am 20. Februar gefällten Urteil des Supreme Court herrscht neues Zollchaos: Das Gericht erklärte zentrale von Trump verhängte Zölle für rechtswidrig. Teile der Maßnahmen wurden daraufhin gestoppt. Trump kündigte danach umgehend für alle Länder neue Importzölle auf anderer gesetzlicher Grundlage an. Unternehmen haben bereits Klagen auf Rückerstattung eingereicht, was die gegenwärtige Lage noch komplizierter macht. Für Märkte und Handelspartner bedeutet dies vor allem eines: anhaltende Unsicherheit.

Zölle bergen bekanntlich zahlreiche wirtschaftliche Risiken: Sie können die Preisstabilität gefährden, weil Importkosten steigen, was dann auf Verbraucherpreise durchschlägt. Gleichzeitig belasten sie Lieferketten, da Unternehmen eventuell gezwungen sind, Lieferanten auszutauschen. Zudem können sie das globale Wirtschaftswachstum bremsen, wenn Handelspartner mit Gegenmaßnahmen reagieren oder Investitionen zurückhalten. Genau diese Unsicherheiten – verbunden mit drohenden Lieferengpässen – treiben Kapital in klassische Krisenwährungen wie Gold und Silber.

Die geopolitische Lage heizt diese Fluchtbewegung zusätzlich an. Konflikte und Spannungen – etwa zwischen den USA und dem Iran oder der Streit über Grönland – verstärken die Wahrnehmung, dass traditionelle US-Wertanlagen an Attraktivität einbüßen. In diesem Umfeld rückt Gold als Absicherungsinstrument stärker in den Fokus. In den vergangenen Jahren hat dies dazu geführt, dass viele Notenbanken ihre Goldreserven ausbauen und weniger auf US-Staatsanleihen, sondern eher auf physisches Gold vertrauen. Dies legt den Schluss nahe, dass Gold nicht nur ein kurzfristiger „Panikkauf“ ist, sondern als langfristige Absicherung gegen politische und wirtschaftliche Unsicherheiten wahrgenommen wird.

Kurz gesagt: Trumps Politik wirkt wie ein Katalysator für das gegenwärtig starke Interesse an Gold – sowohl bei Privatanlegern als auch bei institutionellen Investoren und Notenbanken. Und mittlerweile kaufen nicht nur Zentralbanken aus den BRICS-Staaten Gold, sondern auch europäische Notenbanken – bspw. aus Polen und Tschechien. Robert Hartmann geht übrigens davon aus, dass Notenbanken auch zukünftig als Käufer am Markt agieren werden und sagt: „Die Ent-Dollarisierung ist meines Erachtens noch nicht abgeschlossen. Zudem hat sich an der Verschuldungspolitik vieler Staaten nichts verändert.“ Für ihn sei klar, dass je mehr Schulden in der Zukunft aufgenommen werden, desto unsicherer werden die ausgegebenen Anleihen dieser Staaten. Und dies lasse sich nicht mehr umkehren – zumindest solange die Staaten hohe Defizite mit Anleihen finanzieren müssen. Außerdem gibt er Folgendes zu bedenken und warnt: „Die Zinsen für Staatsanleihen sind angesichts des darin verborgenen Verlustrisikos viel zu niedrig!“

Für Robert Hartmann gibt es derzeit ein ganz klares Signal: „Die Zeiten, in denen die Reserven überwiegend in Staatsanleihen gehalten werden, sind definitiv vorbei. Dies gilt für Notenbanken, Finanzinstitutionen und selbstverständlich auch für Privatanleger.“

Drei Fragen an die Privatkunden von pro aurum

An der von pro aurum im Internet durchgeführten Edelmetall-Stimmungsumfrage haben sich im Februar 702 Personen (Januar: 1.053) beteiligt. Dabei war erneut eine nachlassende Kaufbereitschaft registriert worden. Diese hat sich gegenüber dem Vormonat von 44,6 auf 35,8 Prozent reduziert. Von 41,8 auf 47,8 Prozent bergauf ging es indes mit dem Anteil derer, die eine abwartende Haltung einnehmen. Die Verkaufsbereitschaft legte im Berichtszeitraum ebenfalls zu. Hier gab es einen Zuwachs von 13,6 auf 16,4 Prozent zu beobachten.

Bei der Frage zur aktuellen Bewertung der Edelmetallpreise hat sich im Februar die Ansicht leicht verstärkt, dass die Edelmetallpreise derzeit unterbewertet sind. Hier stellte sich nämlich ein Plus von 23,9 auf 25,7 Prozent ein. Eine faire Bewertung sehen derzeit 46,6 Prozent der Umfrageteilnehmer, nachdem im Januar hier noch eine Quote von 51,4 Prozent zu Buche schlug. Etwas nach oben ging es mit der Einschätzung, dass die Edelmetallpreise gegenwärtig überbewertet sind. Hier war im Februar ein Wert von 27,7 Prozent (Vormonat: 24,7 Prozent) registriert worden.

Nach den jüngsten Marktturbulenzen gab es bei der Frage nach der künftigen Preisentwicklung der Edelmetalle in den kommenden drei Monaten erhebliche Veränderungen zu beobachten. So ging es mit dem Optimismus steil bergab. Nachdem im Januar noch 65,6 Prozent der Befragten steigende Edelmetallpreise prognostizierten, brach dieser Anteil im Februar auf 42,8 Prozent regelrecht ein. Deutlich verstärkt hat sich hingegen die Meinung, dass die Edelmetallpreise seitwärts tendieren werden. Hier gab es nämlich gegenüber dem Vormonat einen kräftigen Anstieg der Quote von 24,1 auf 42,8 Prozent zu melden. Eine Minderheit von 14,4 Prozent der Anleger geht gegenwärtig davon aus, dass die Edelmetallpreise fallen werden, nachdem der Wert im Januar mit 10,3 Prozent um einiges niedriger ausgefallen war.

Quelle: pro aurum GmbH, Stand 06.03.2026

Goldreport 02/26

Goldreport 08/25

Globale Goldnachfrage wächst in Q2 zweistellig

Goldpreis zeigt keinerlei Konditionsschwäche

Wie gewohnt nahm sich der Goldpreis in den Sommermonaten eine (wohlverdiente) „Auszeit“ und tendierte lediglich seitwärts. Im August erzielte er jedoch ein Plus von 2,6 Prozent und macht somit Hoffnung auf eine starke Jahresperformance.

Im zweiten Quartal 2025 zeigten sich an den Goldmärkten deutliche Unterschiede in den einzelnen Marktsegmenten. Während der Investmentsektor erneut sehr stark performte, blieb die Schmucknachfrage relativ schwach – insbesondere im Vergleich zu früheren Jahren. Weltweit lag die Schmucknachfrage bei 341 Tonnen, was einem Rückgang von 13,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal entsprach. Besonders in Indien und China – traditionell zwei der wichtigsten Märkte – war eine spürbare Zurückhaltung festzustellen. In Indien dämpften hohe Goldpreise sowie eine verzögerte Hochzeitssaison die Nachfrage. In China wiederum wirkten sich ein schwächeres Konsumklima und schlechte Konsumentenstimmung negativ aus.

Dem stand ein anhaltend robuster Investmentsektor gegenüber, insbesondere bei börsengehandelten Goldfonds (ETFs) sowie bei Barren und Münzen. Die Nettozuflüsse in ETFs stiegen mit 170,5 Tonnen auf den höchsten Stand seit dem dritten Quartal 2020. Insbesondere in Europa und Nordamerika war ein starkes institutionelles Interesse an dieser Form von „Papiergold“ spürbar – ausgelöst durch geopolitische Unsicherheiten, Inflationssorgen und Zinssenkungserwartungen. Auch der Absatz von Goldbarren und -münzen konnte in vielen Regionen zulegen, etwa in den USA, Deutschland und der Schweiz, weltweit nahm er um 11,5 Prozent auf 306,8 Tonnen zu.

Außerdem blieb die Nachfrage der Zentralbanken ein stabilisierender Faktor. Diese kauften im zweiten Quartal weitere 337 Tonnen Gold – ein klares Zeichen, dass Gold für viele Notenbanken weiterhin eine wichtige Rolle in der Reservepolitik spielt. Insgesamt gab es in diesem Jahr eine Verschiebung der Nachfrage zu beobachten: Während Konsumenten beim Schmuck eher zögerten, setzten Investoren und Zentralbanken klar auf Gold als sicheren Hafen. Zugleich fiel auf, dass die weltweite Goldnachfrage (ohne OTC) mit einem Zuwachs um 10,4 Prozent auf 1.079 Tonnen stärker anzog, als das Angebot, bestehend aus der Minenförderung und der Recyclingproduktion. Hier stellte sich nämlich lediglich ein Anstieg um 3,2 Prozent auf 1.248,8 Tonnen ein.

Robert Hartmann, Mitgründer von pro aurum, rechnet mit Blick auf die schwächelnde Schmucknachfrage grundsätzlich mit einer Fortsetzung dieses Trends und sagt: „Gold kostet heute doppelt so viel wie im Jahr 2021. Viele Menschen können sich Goldschmuck kaum noch leisten und steigen deshalb auf Silber- und Platinschmuck um.“ Außerdem weist der Edelmetallprofi darauf hin, dass das gelbe Edelmetall für die Anleger ein bedeutendes und wichtiges Thema bleibe, schließlich hätten die Schuldenorgien der Staaten unlängst noch einmal richtig Fahrt aufgenommen und bergen somit immenses Inflationspotenzial für die Zukunft. Des Weiteren gibt er folgendes zu bedenken und erklärt: „Viele Investoren sind noch gar nicht oder in kaum nennenswertem Umfang bei Gold engagiert. Je höher der Goldpreis steigt, umso höher ist auch der psychologische Druck, an der Rally teilhaben zu müssen.“

In diesem Jahr verzeichnete der ETF-Sektor bislang Goldzuflüsse im Volumen von 420 Tonnen Gold. In diesem Zusammenhang merkt Hartmann an, dass dies auf Basis des aktuellen Goldpreises einem Wert von weniger als 39 Mrd. Euro entspreche und ergänzt: „Wenn man sich die Börsenkapitalisierungen von so manchem Technologieunternehmen anschaut und dessen Entwicklung der vergangenen Jahre etwas genauer analysiert, ist für mich der Mittelzufluss bei den Gold ETFs vergleichsweise ein Klacks.“

US-Notenbank Fed in unruhigem Fahrwasser

Fed-Chef Jerome Powell ist um seinen Posten derzeit wahrlich nicht zu beneiden. Noch nie hat ein amtierender US-Präsident einen amtierenden Chef der weltweit wichtigsten Zentralbank derart mit Beleidigungen und Schmähungen angegriffen und ungeniert zu Zinsreduktionen aufgefordert und dadurch die Unabhängigkeit der US-Geldpolitik in Frage gestellt. Nur zur Erinnerung: Jerome Powell wurde am 2. November 2017 von US-Präsident Donald Trump als Nachfolger von Janet Yellen zum Vorsitzenden der US-Notenbank (Federal Reserve) nominiert und vom US-Senat im Januar 2018 mit 84 zu 13 Stimmen bestätigt. Dieses Amt trat er im Februar 2018 an und wurde nach der Wahlniederlage Trumps sogar von dessen Nachfolger Joe Biden für eine zweite Amtszeit bestätigt. Seither hat er zahlreiche Krisen wie den Handelskrieg zwischen China und den USA (2018/2019), die massiven Liquiditätsengpässe der US-Banken (2019), die Covid-19-Pandemie (2020), den Inflationsschock inkl. Zinswende (2021/2022) und die US-Bankenkrise (2023) gemeistert und zudem die Wirtschaft sicher durch die zahlreichen geopolitischen Krisen manövriert.

In der zweiten Augusthälfte hat Powell durch seine „taubenhaften“ Töne auf dem jährlich stattfindenden Symposium in Jackson Hole überrascht. Dort betonte er nämlich vor allem die Risiken die vom US-Arbeitsmarkt ausgehen. In den Wochen zuvor bezog er sich vor allem auf die nicht gebannte Inflationsgefahr, die sich aus der unberechenbaren US-Handelspolitik der Trump-Regierung ergäbe. Im Februar wird der nächste Fed-Chef sein Amt antreten. Bleibt zu hoffen, dass dieser über das notwendige Fachwissen und die Kompetenz verfügt, sich losgelöst von Donald Trumps zu befürchtende Einflussnahme für die richtigen Schritte der US-Geldpolitik entscheiden wird.

Edelmetallexperte Robert Hartmann geht davon aus, dass die Fed auch langfristig unabhängig bleiben wird und dies sei auch gut so. Ihr Handeln ist sowohl auf Vollbeschäftigung als auch auf Preisstabilität ausgerichtet. Diese Aufgabe ist extrem wichtig und muss glaubhaft und dauerhaft erledigt werden. Hartmann gibt sich optimistisch und sagt: „Viele Menschen vergessen, dass die Präsidentschaft Donald Trumps endlich ist. Es wird auch eine Zeit nach Trump geben, in der sehr wahrscheinlich Vieles wieder zurückgedreht wird, was er veranlasst hat.“

Terminspekulanten wetten auf Weißmetalle

Die derzeit zu beobachtende Konditionsschwäche des Goldpreises, dürfte auch auf die wachsende Skepsis großer Terminspekulanten (Non-Commercials) zurückzuführen sein. Diese haben nämlich ihre Netto-Long-Position (mehrheitlich optimistisch gestimmt) seit dem Jahreswechsel von 247.300 auf 212.600 Kontrakte (-14,0 Prozent) reduziert. Bei den Weißmetallen Silber und Platin war hingegen ein gegensätzlicher Trend zu beobachten. Bei Silber sind nämlich Großspekulanten deutlich optimistischer geworden und haben ihre Netto-Long-Position von 37.900 auf 46.550 Futures (+22,8 Prozent) nach oben gefahren, während bei Platin unter dieser Gruppe von Marktakteuren sogar ein Anstieg von 5.650 auf 15.050 Kontrakte (+166 Prozent) registriert worden war.

Dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, dass sich in diesem Jahr Platin (+49,2 Prozent) deutlich besser entwickelt hat als Silber (+33,9 Prozent) und Gold (+28,3 Prozent). Robert Hartmann traut beiden Edelmetallen weiterhin eine Outperformance gegenüber Gold zu und glaubt, dass sich deren Preise ihren historischen Durchschnittswerten annähern werden. Sollte dieses Szenario eintreffen, dann verfügen sowohl Silber als auch Platin über glänzende Aussichten in den kommenden Jahren.

Dabei stellt er folgende Rechnung auf: Das Gold/Silber-Ratio der vergangenen 20 Jahre betrug ca. 60. Aktuell muss man mehr als 88 Unzen Silber für eine Unze Gold auf den Tisch legen. Bleibt Gold unverändert bei ca. 3.380 Dollar pro Feinunze müsste Silber auf 56 Dollar ansteigen, um ein Gold/Silber-Ratio von 60 zu erreichen. Das würde einen Kursgewinn von 47 Prozent für Silber bedeuten. Aufwärtspotenzial sieht er auch beim zweitgenannten Weißmetall und sagt: „Bei Platin gehe ich davon aus, dass es wieder teurer als Gold wird. Dies dürfte aber sicherlich ein paar Jahre in Anspruch nehmen.“

Quelle: pro aurum GmbH, Stand 4.9.2025