Rückblick auf das Anlagejahr 2025
Künstliche Intelligenz und Donald Trump dominieren die Themen
Das Kapitalmarktjahr 2025 war in vielerlei Hinsicht rekordverdächtig – allerdings nicht durch hohes Wachstum, sondern durch eine Häufung außergewöhnlicher Entwicklungen unter der US-Präsidentschaft Donald Trumps. Geopolitisch blieb die Lage angespannt und dominierte die Schlagzeilen. In der Ukraine ging Russlands Krieg in das vierte Jahr und erneute Friedensbemühungen stockten, während sich die Konflikte im Nahen Osten wiederholt verschärften.
Aus Sicht der Märkte prägten die erneut stark konfrontative US-Handelspolitik und politische Eingriffe in institutionelle Strukturen wie die US-Notenbank das Bild. Eine Konsequenz: die historisch ausgeprägte Schwäche des US-Dollars. Der Greenback verlor so viel an Wert wie seit den 70er Jahren nicht mehr.
Gleichzeitig erzielten die Aktienmärkte weltweit trotz dieser Belastungen gute Wertzuwächse. Dominantes Narrativ blieb der gigantische KI-Boom. Aber: Europa und Asien boten sogar währungsbereinigt eine Outperformance zum technologielastigen US-Markt! Edelmetalle schossen auf neue Rekordstände und die globale Geldpolitik forcierte mit einer selten zuvor gemessenen Anzahl an Senkungen die Zinswende.
Die Weltwirtschaft wuchs im Kalenderjahr 2025 voraussichtlich um rund drei Prozent, wie aktualisierte Schätzungen vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) nahelegen. Trotz zahlreicher politischer Störfeuer zeigte sich die Konjunktur erstaunlich robust.
Entwicklungen im Kalenderjahr 2025 im Überblick
Quelle: FactSet, Angaben bei Aktienindizes als Gesamtertrag inkl. Dividenden.
Daten per 31.12.2025 aus Sicht eines Euro-Anlegers, sofern nicht anders angegeben.
Wesentliches Ereignis war die Amtseinführung von Donald Trump als US-Präsidenten sowie der „Liberation Day“ Anfang April, an dem Trump mit einer fragwürdigen Herleitung hohe Handelszölle gegen den Rest der Welt verkündete. Die US-Handelspolitik dominierte monatelang das globale Risikoempfinden, wobei Zolldeals zwar sukzessive Erleichterung brachten, aber jederzeit die Gefahr neuer Eskalationen bestand (v.a. im Dauerkonflikt mit China).
Asien blieb im Kalenderjahr der dynamischste Wirtschaftsraum. Indien konnte sein hohes Wachstum weitgehend halten, während China nach einer Schwächephase durch umfangreiche staatliche Unterstützung und zurückkehrende Kapitalflüsse stabilisiert wurde. Dies wirkte sich positiv auf die Konjunktur und Teile des asiatischen Aktienmarkts aus. Die Industrieländer verzeichneten hingegen ein verlangsamtes Expansionstempo. In den USA kühlte sich die Realwirtschaft im Jahresverlauf ab: schwächere Konsumdynamik, geringeres Beschäftigungswachstum sowie die Belastungen aus Zöllen und politischer Unsicherheit führten zu verhaltenen Erwartungen. Die befürchtete Rezession blieb jedoch aus. Wesentlicher Treiber hinter dem US-Wachstum waren die Investitionen in „Künstliche Intelligenz“, die nach Berechnungen von Harvard Ökonomen über 90% des BIP-Wachstums im ersten Halbjahr 2025 erklären.
Die Eurozone kämpfte weiterhin mit strukturellen Herausforderungen. Deutschland blieb mit seiner chronischen Wachstumsschwäche eines der Schlusslichter unter den Industrieländern. Die neu formierte Bundesregierung aus Union und SPD vollzog eine historische Wende: Sie beschloss eine hohe Schuldenaufnahme und Abkehr von der Schuldenbremse für Investitionsprogramme in Infrastruktur und Verteidigung, die in den kommenden Jahren die Wirtschaft stärken sollen. Gleichwohl bleibt das deutsche Wachstum im Vergleich gering.
Die Zinswende ist aufgrund der mäßigeren Inflation weltweit eingeläutet. Als letzte große Zentralbank senkte auch die US Federal Reserve („Fed“) an den letzten drei Sitzungsterminen 2025 den Leitzins auf die Spanne 3,5 bis 3,75 Prozent. Dabei signalisierte die Fed hohe interne Uneinigkeit. Auf der Dezember-Sitzung wurde zudem Quantitative Easing („QE“) wieder eingeführt. Die Fed reagierte damit im Zuge ihres „dualen Mandats“ auf die erkennbare Schwäche am Arbeitsmarkt sowie die angespannte Liquiditätssituation im US-Finanzsystem. In der Eurozone legte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Senkungen im Frühsommer eine Pause ein und belässt den Einlagensatz seither bei zwei Prozent. Globaler Ausreißer ist die Bank of Japan: Sie hob ihren Leitzins auf 0,75 Prozent an – den höchsten Stand seit rund 30 Jahren.
Anzahl Zinssenkungen der Notenbanken weltweit
Grafik: Die Zählung umfasst Zinsmaßnahmen von über 100 Notenbanken in den vergangenen 24 Monaten. Selten zuvor gab es so massenhafte Lockerungen.
Quelle: Bank of America, Bloomberg, eigene Anmerkungen, Stand: November 2025
Aktien
Mehr als nur KI: Wenn andere Branchen und Märkte outperformen
Die globalen Kapitalmärkte zeigten sich trotz der aufgewühlten Gemengelage unter dem Strich in den jeweiligen Landeswährungen sehr freundlich. Die weltweite Aktienrally setzte sich fort und gewann im abgelaufenen Jahr an regionaler Breite. Nur rund um den „Liberation Day“ kam es infolge der überraschend hohen US-Zölle zu einem der heftigsten Markteinbrüche seit der Corona-Zeit, bevor sich die Kurse stabilisierten und zu einer längeren Rally bis Jahresende ansetzten.
Der anhaltende Boom im Bereich Künstliche Intelligenz bestimmte erneut das Narrativ: Chipproduzenten, Rechenzentrumsbetreiber, Ausrüster und sogar Versorger profitierten von dem intakten strukturellen Wachstumsimpuls. Die großen US-Technologiewerte legten trotz einer markanten Schwäche zu Beginn 2025 erneut zu. Aber nur noch zwei der „Magnificent 7“ schafften eine Outperformance zum Gesamtmarktindex S&P 500. Das wesentliche Dilemma für Anleger: Der deutliche Dollarverlust nagte an der Entwicklung sämtlicher US-Titel, die im Schnitt nur ein einstelliges Ergebnis auf Euro-Basis erzielten.
Gleichzeitig verlagerten sich Kapitalströme in weitere Regionen: Japan erlebte ein außergewöhnlich starkes Jahr, getragen von Reformen, der Entflechtung der „verkrusteten Japan AG“ und rekordhohen Unternehmensgewinnen. Auch hier schmälerte die schwache Yen-Entwicklung das ansonsten herausragende Ergebnis. Asien ohne Japan sowie die Schwellenländer erzielten im Vergleich zu Europa und den USA überdurchschnittliche Zuwächse, nicht zuletzt dank der günstigeren Bewertung. Europa zeigte ein gemischtes Bild. Die Südländer Spanien und Italien entwickelten sich deutlich besser als Frankreich, die Schweiz oder auch Großbritannien. Der DAX legte trotz notorisch schwacher Konjunktur erstaunliche 23 Prozent zu. Dies war überwiegend auf den hoffnungsfrohen Anstieg in den ersten Handelsmonaten im Kontext der Bundestagswahl zurückzuführen. Anschließend ging der deutsche Leitindex jedoch in eine ausgeprägte Seitwärtsentwicklung über.
Ausgewählte Branchen-Entwicklungen der letzten 5 Jahre (indexierter Verlauf)
Grafik: Banken und Rüstungswerte stellten vor allem in den letzten beiden Jahren die Entwicklung vieler anderer Branchen deutlich in den Schatten.
Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 31. Dezember 2025, indexiert per 31.12.2020=100 Hinweis: Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.
In sehr vielen Indizes zeigte sich ein vergleichbares Muster: Positiv hervorgetan haben sich neben diversen „KI-Profiteuren“ die Branchen Finanzwerte (vor allem Banken), Rohstoff- und Rüstungsaktien, während viele Konsumwerte, Chemie- und Industrietitel sowie Gesundheitsaktien unter globaler Unsicherheit, Nachfrageschwäche und der Euro-Stärke litten.
Zinsen und Anleihen
Steigende EUR-Renditen – US-Anleihenmarkt zähmt Trump
Ungewöhnlich stark rückte im Berichtszeitraum die institutionelle Stellung der Fed in den Fokus. US-Präsident Trump griff die Notenbank wiederholt öffentlich an, forderte schnellere und deutlichere Zinssenkungen und stellte personelle Veränderungen in Aussicht. Besonders umstritten waren Überlegungen, vakante Sitze im Direktorium politisch günstig neu zu besetzen und Fed-Chef Jerome Powell noch vor Ablauf seiner Amtszeit im Mai 2026 auszutauschen. Eine vorzeitige Entlassung blieb zwar aus, doch die Debatte über die Unabhängigkeit der Notenbank sorgte zeitweise für erhebliche Unruhe an den Finanzmärkten. Dass die Fed dem politischen Druck nicht nachgab und ihre Linie beibehielt, wurde letztlich als Signal geldpolitischer Glaubwürdigkeit gewertet und trug zur Stabilisierung der zuvor angespannten Renditen bei.
Der US-Anleihenmarkt scheint dabei ein äußerst mächtiger Gegner des US-Präsidenten zu sein und hinterließ mehrere Wirkungstreffer: Donald Trump ruderte aufgrund der hohen Staatsverschuldung stets in seinen Zoll- und Fed-Aussagen zurück, wenn die Renditen markant anstiegen.
Die Märkte vieler Industrienationen erlebten über das Jahr hinweg in eine Normalisierung der Zinsstrukturkurven. Die weltweit rückläufige Inflation und die günstigere Ausrichtung vieler Zentralbanken sorgten dabei zumeist für sinkende Renditen und positive Kursentwicklungen vor allem in den kürzeren bis mittleren Laufzeiten.
Ausgewählte Rendite-Entwicklungen von 10-jährigen Staatsanleihen (5 Jahre)
Grafik: Deutschland und Frankreich mit steigenden 10-Jahres-Renditen im Jahr 2025. Die Renditen der USA waren trotz Schuldendiskussion und Politik tendenziell sogar rückläufig.
Quelle: FactSet, 5 Jahre, Stand: 31. Dezember 2025.
Längerfristige Bonds mit beispielsweise zehnjähriger Laufzeit oder mehr sehen hingegen nach wie vor unvorteilhaft aus. Sie spiegeln die Sorgen vieler Marktteilnehmer vor möglicherweise ausufernden Schulden vieler Länder wider, die sich in einem größeren „Term Premium“ (Laufzeitprämie) niederschlägt. Auffällig war außerdem die zunehmende Differenzierung der Risikoaufschläge innerhalb der Eurozone: Frankreich sah sich aufgrund politischer und fiskalischer Spannungen erheblich höheren Finanzierungskosten gegenüber, sodass zehnjährige Staatsanleihen zuletzt mit 3,6 Prozent sogar über vergleichbaren Papieren aus Italien oder Griechenland rentierten! Auch die Bund-Rendite stieg aufgrund der massiven Schuldenaufnahme an.
Unternehmensanleihen profitierten im Berichtszeitraum von der guten Risikoneigung der Anleger für dieses Segment, einer sehr soliden Nachfrage und daher nochmals enger werdenden Aufschlägen, die teils nur noch wenig über den vermeintlich sicheren Staatsanleihen liegen. Zum Jahresende waren mit Unternehmensanleihen („Investment Grade“-Rating) im Schnitt knapp über drei Prozent Rendite erzielbar. Dazu war es je nach Bonität aber erforderlich Laufzeiten von etwa fünf Jahren oder mehr einzugehen, was wiederum die Zinsänderungsrisiken erhöht.
Währungen und Rohstoffe
Historisch schwacher Dollar: Gold als Anker, Silber als Hebel
Als historisch schlecht muss vor allem die Entwicklung des US-Dollars bezeichnet werden. Der Greenback verlor im Jahr 2025 rund 13 Prozent zum Euro, was die Wertentwicklung vieler USD-Anlagen für Anleger aus dem Euroraum markant schmälerte. Eine solch miserable Vorstellung der Weltleitwährung hat es seit den 1970er-Jahren nicht mehr gegeben. Belastet wurde die Entwicklung durch ein schwindendes Vertrauen in die amerikanische (Fiskal-)Politik, die einseitige Positionierung und Stimmung im Zuge der ausgeprägten Dollarrally der vergangenen Jahre sowie allgemeine Umschichtungen in andere Regionen. Auch der japanische Yen blieb trotz einer kurzen Phase der Stabilisierung und der deutlich verbesserten Zinsdifferenz ebenfalls unter Druck.
Dollarentwicklung der letzten 20 Jahre zu wichtigen Handelswährungen
Grafik: Der handelsgewichtete US Dollar Index zeigt die Entwicklung des US-Dollars gegenüber einem Korb aus sechs wichtigen Währungen. Der Euro ist mit über 50 Prozent das Schwergewicht. Bislang ist der langfristige Trend noch nicht verletzt.
Quelle: FactSet, 20 Jahre, Stand: 31. Dezember 2025.
Gleichzeitig suchten Anleger verstärkt sichere Häfen: Gold und Silber verzeichneten einen der stärksten Anstiege der letzten Jahrzehnte. Gold verteuerte sich auf Dollarbasis um zwei Drittel und erreichte neue historische Höchststände – getrieben von massiven Notenbankkäufen, geopolitischen Spannungen und der Dollar-Schwäche. Vor allem Silber explodierte förmlich um rund 150 Prozent, was vor allem auf physische Knappheit im Schlussquartal zurückzuführen war. Es zeigte damit die für bestimmte Marktphasen typische Hebelwirkung gegenüber Gold. Auch Platin verzeichnete einen ähnlichen Kursanstieg.
Industriemetalle hinken dieser Entwicklung hinterher. Sie profitierten von einer Kombination aus strukturell hoher Nachfrage und akuten Angebotsengpässen. Kupfer, das beispielsweise für die Energiewende und Elektrifizierung von Schlüsselindustrien unverzichtbar ist, verteuerte sich um mehr als 40 Prozent. Die Ölpreise standen hingegen trotz geopolitischer Risiken im Nahen Osten überwiegend unter Druck. Die Sorte Brent verlor im Jahresverlauf gut 17 Prozent, belastet durch erhöhte Fördermengen und globale Wachstumssorgen.
Perspektiven
für die kommenden Monate
Das Jahr des „Feuer-Pferds“: Tempo, Dynamik…und Wendungen
Das Kapitalmarktjahr 2026 beginnt zwischen Zuversicht und Wachsamkeit. Es hat sich ein breiter Konsens etabliert, wonach die Weltwirtschaft ihren moderaten Wachstumspfad fortsetzt. Gleichzeitig ist das Umfeld fragiler geworden: politische Eingriffe, fiskalische Dominanz (wenn Staatsschulden die Geldpolitik lenken) und strukturelle Verschiebungen sorgen dafür, dass die Märkte anfällig für Richtungswechsel bleiben. In der dazu passenden Symbolik des chinesischen Kalenders lässt sich das Jahr des Feuer-Pferds als Phase interpretieren, in der Vorwärtsdrang und Dynamik vorhanden sind. Richtungswechsel können aber schnell und impulsiv ausfallen.
Was 2026 zusätzlich besonders macht, ist der politische Kalender. Hier liegen potenzielle Momente, die Märkte kurzfristig irritieren können. In den USA dürfte die Entscheidung des Supreme Court zu den rechtlichen Grenzen der Trump’schen Zollpolitik für Bewegung sorgen: Je nachdem, wie weit der Handlungsspielraum ausgelegt wird, kann das den Blick auf Lieferketten, Margen und Inflationspfade nochmals spürbar beeinflussen – und damit auch Renditen und Bewertungen. Die Fed bekommt einen neuen Präsidenten – wer wird es letztlich sein und wie wird er sich im Amt verhalten? Außerdem stehen im November 2026 die US-Zwischenwahlen an, die traditionell als Stimmungsbarometer für den politischen Kurs gelten und die Erwartungen an Steuer-, Ausgaben- und Regulierungspolitik verändern können. Europa wiederum dürfte 2026 weniger von einem einzelnen „Big Bang“-Termin geprägt sein, sondern von mehreren Wahlen und politischen Weichenstellungen, die das Klima für Investitionen, Haushaltsdisziplin und europäische Handlungsfähigkeit beeinflussen können.
Die restriktiven Effekte der Zinserhöhungen der Jahre 2022 bis 2024 schwinden unterdessen weiter. Selten zuvor haben die globalen Notenbanken so oft die Zinsen gesenkt wie in den vergangenen Monaten. Geldpolitische Lockerungen jetzt auch in den USA und eine expansive Fiskalpolitik in Teilen Europas wirken mindestens unterstützend. Aufgrund der monetären Impulse rechnen wir tendenziell sogar mit leicht positiven Konjunkturüberraschungen.
Das Bild eines insgesamt tragfähigen, aber nicht überschäumenden Konjunkturumfelds bildet daher den Hintergrund für unsere Einschätzungen. Inwieweit das monetär und fiskalisch befeuerte Wachstum möglicherweise den Nebeneffekt steigender Inflationsraten mit sich bringt, wird ein wichtiges Thema werden.
Für die Aktienmärkte bedeutet dies ein konstruktives, jedoch deutlich selektiveres Umfeld. Die recht hohen Erwartungen steigender Unternehmensgewinne, getragen von Investitionen in Digitalisierung und Automatisierung, bleibt ein zentraler Pfeiler der positiven Einschätzung. Vermutlich werden Anleger stärker darauf achten, ob und wie sich die KI-Investitionen in Gewinne ummünzen. Gleichzeitig rückt die Bewertung stärker in den Fokus. Nein, eine Blase bzw. deren möglicher Endpunkt sieht anders aus. Aber: In mehreren großen Aktienmärkten oder Branchen sind Bewertungsniveaus erreicht worden, die kaum Raum für Enttäuschungen lassen. Die starke Konzentration auf wenige Titel erhöht zudem die Anfälligkeit für Korrekturen, falls Erwartungen nicht nahezu perfekt eintreten. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit Phasen erhöhter Volatilität, in denen Marktsegmente, Regionen und Anlageansätze zeitweise deutlich auseinanderlaufen können. Das Feuer-Pferd zeigt sich hier von seiner ungestümen Seite: kräftige Vorstöße sind wahrscheinlich, abrupte Volten jedoch ebenso.
Im Anleihemarkt verschiebt sich der Fokus hin zur strukturellen Rolle von Anleihen im Portfolio. Staatsanleihen haben nach einigen Jahren gewisser Bedeutungslosigkeit wieder an Aufmerksamkeit gewonnen, nicht zuletzt als potenzieller Stabilisator in Stressphasen. Gleichzeitig rücken die langfristigen Risiken aufgrund des Bewusstseins über ausgeprägte Schuldenberge viel stärker in den Vordergrund. Hohe Haushaltsdefizite, steigende Emissionsvolumina und eine zunehmende Einflussnahme auf die Geldpolitik werfen Zweifel auf, ob die langfristigen Zinsen dauerhaft niedrig gehalten werden können. Viele Marktteilnehmer rechnen daher mit einer tendenziell noch steileren Zinsstrukturkurve, bei der kurzfristige Zinsen eher sinken oder stabil bleiben, während das lange Ende anfälliger für Aufwärtsdruck ist.
Unternehmensanleihen profitieren zwar weiterhin von soliden Fundamentaldaten, doch sind die Risikoprämien in vielen Segmenten bereits sehr eng. Entsprechend wird der Spielraum für zusätzliche Kursgewinne von uns begrenzt eingeschätzt, während die laufenden Erträge wieder stärker in den Vordergrund treten. Auch hier gilt: Die Richtung ist möglicherweise weniger eindeutig und das Marktumfeld bleibt aufgrund potenzieller Störeinflüsse empfänglich für abrupte Richtungswechsel. Da höhere Renditen stets Auswirkungen auf den Aktienmarkt haben, gilt dem Segment besondere Aufmerksamkeit.
Auch Währungen werden vor allem im Kontext der Geldpolitik und der hohen Staatsverschuldung diskutiert. Der schwache Trend beim US-Dollar wird von vielen Analysten tendenziell fortgeschrieben. Es würde uns jedoch nicht überraschen, wenn das Feuer-Pferd auch beim Greenback entgegen dem Konsens unterjährig einen ausgeprägten Anstieg auslöst. Rohstoffe – insbesondere Edelmetalle – werden weiterhin als sinnvolle Absicherung gegen politische und finanzielle Unsicherheiten wahrgenommen. Eine Blase sehen wir auch hier nicht, wohl aber die Gefahr zwischenzeitlich ausgeprägter Korrekturen.
Zusammengefasst wird 2026 weniger als Jahr klarer „Einbahnstraßen“ gesehen, sondern als Jahr, in dem Bewegung, Tempo und Richtungswechsel eng beieinanderliegen. Das Feuer-Pferd steht sinnbildlich für diesen Charakter: kraftvoll, vorwärtsgerichtet, aber oft unberechenbar. Für Anleger bedeutet dies ein Umfeld, in dem einfache Narrative an Überzeugungskraft verlieren dürften sowie Diversifikation, Robustheit, Flexibilität und die Fähigkeit, auf unerwartete Wendungen im Portfolio pragmatisch zu reagieren, deutlich an Bedeutung gewinnen.
